Eishockey
Braucht SCB-Trainer Lundskog einen Wintermantel?

Vier Spiele, vier Niederlagen – der SC Bern bezahlt jetzt die Rechnung für die sportliche Misswirtschaft der letzten Eishockey-Saison.

Klaus Zaugg
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SCB-Trainer Johan Lundskog erlebt einen schwierigen Saisonstart.

SCB-Trainer Johan Lundskog erlebt einen schwierigen Saisonstart.

Bild: Bastien Gallay/Freshfocus (Genf, 14. September 2021)

Der SC Bern nach dem 1:3 in Genf mit vier Niederlagen punktelos wie Aufsteiger Ajoie am Tabellenende. Welch eine Schmach. Was dabei besonders schmerzvoll ist: ausgerechnet die Langnauer SCL Tigers profitieren von den Managementsünden der jüngsten Vergangenheit. Jesper Olofsson hat bisher in drei Spielen mehr Tore (4) erzielt als alle vier SCB-Ausländer in vier Partien (3) zusammen. Der SCB und Langnau setzten beide vier ausländische Stürmer ein.

Zufall? Oder steckt doch etwas mehr dahinter? Jesper Olofsson stürmte letzte Saison für den SCB. Warum wurde der Vertrag mit dem schwedischen Zauberflügel nicht verlängert? Das Preis-Leistungsverhältnis war einmalig gut: er wollte unbedingt im Raum Bern bleiben und mit ein bisschen Pokern wäre es wohl möglich gewesen, ihn für weniger als 200'000 Franken netto zu halten. SCB-Obersportchef Raeto Raffainer klärt auf: «Wir konnten den Abgang von André Heim nicht kompensieren. Zwei Ausländerpositionen waren noch offen. Wir sind auf der Centerposition so schwach besetzt, dass wir zwei Stürmer verpflichten mussten, die auch Center spielen können.»

Absurd: dem SCB fehlt das Geld, einen seiner besten Spieler zu halten

Olofsson ist definitiv kein Mittelstürmer und so kommt es, dass er nun für die Langnauer seine Tore erzielt. Der Ursprung der Schwierigkeiten in Bern und der Freude in Langnau ist also der Transfer von André Heim von Bern zu Ambri. Warum der Wechsel? Weil ihm der SCB keinen neuen Vertrag angeboten hat. Als Ausrede wird vorgebracht, wegen der Virus-Krise habe man halt kein Budget für eine Vertrags-Offerte gehabt. Absurd. Der Hockey-Konzern SC Bern mit einem Umsatz von fast 60 Millionen, mit den höchsten Zuschauerzahlen Europas hat kein Budget, um einem der besten eigenen Spieler einen neuen Vertrag anzubieten. Zuständig für die SCB-Sportabteilung waren zum Zeitpunkt, als André Heim sich mit Ambri einigte, in erster Linie Sportchefin Florence Schelling und Nebensportchef Alex Chatelain, die inzwischen entlassen worden sind. Ihre Nachfolger Raëto Raffainer (Obersportchef) und Andrew Ebbett (Untersportchef) haben in dieser Sache die Gnade der späteren Anstellung.

Interessant in der ganzen Ausländergeschichte: Langnau und Bern wollten beide Kaspars Daugavins. Der Lette hat sich des Geldes wegen für den SCB entschieden. Langnaus Sportchef Marc Eichmann bestätigt: «Wir konnten finanziell nicht mehr mithalten.» Und so haben die Langnauer ihre vierte Ausländerposition mit Alexi Saarela besetzt. Der SCB bezahlt Kaspars Daugavins nicht ganz 300'000 Franken netto. Er kostet also Bern rund 600'000 Franken. Nach vier Spielen hat er weder Tore noch Assists auf dem Konto.

Doppelter Preis, halbe Leistung

Aleksi Saarela, den die Langnauer verpflichtet haben, weil sie sich Kaspars Daugavins nicht leisten können, hat in 3 Spielen 2 Tore und ein Assist gebucht. Die vier ausländischen SCB-Stürmer verdienen zusammen fast doppelt so viel wie die vier Ausländer der Langnauer – und haben bisher gefühlt nicht einmal halb so viel geleitet. Ein unhaltbarer Zustand. Raëto Raffainer mahnt erst einmal zur Vernunft. «Ich habe immer gesagt: wir brauchen drei Jahre, um wieder ein Spitzenteam zu werden. Wir werden doch nicht nach drei Spielen schon in Panik verfallen.» Wo er recht hat, da hat er recht. Was sind schon drei Spieltage gegen drei Jahre mit über 150 Spieltagen?

Am Freitag kommt Langnau nach Bern. Das Derby ist die grosse Chance für die ausländischen SCB-Stürmer, den schwachen Saisonstart vergessen zu machen. Gelingt ihnen das nicht, dann darf Trainer Johan Lundskog mit dem Kauf eines Wintermantels noch warten. Don Nachbaur gewann im letzten Herbst zwei der ersten fünf Spiele und brauchte trotzdem keinen Wintermantel: am Tag, als der erste Schnee im Dezember kam, ist er gefeuert worden.

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