Analyse

Bitte keine Vorurteile: Der geläuterte FC Vaduz verdient Respekt

Grosser Jubel bei den Spielern des FC Vaduz nach dem vollbrachten Aufstieg in die Super League.

Grosser Jubel bei den Spielern des FC Vaduz nach dem vollbrachten Aufstieg in die Super League.

Analyse zur Barrage: Der FC Thun steigt in die Challenge League ab. Der Gegner aus Liechtenstein war über 180 Minuten die bessere Mannschaft.

Am Ende vergessen die Vaduzer noch einmal die Abstandsregeln. Sie feiern mit einer Jubeltraube die Rückkehr in die Super League. Nach dem 2:0 im Hinspiel verlieren sie in Thun zwar 3:4, schaffen den Aufstieg aber doch souveräner, als das Ergebnis es vermuten lässt. Über 180 Minuten sind sie das bessere Team gewesen.

Für die Thuner dagegen ist der Abstieg nach zehn Jahren in der Super League besiegelt. Sie verabschieden sich zwar als Sympathieträger des Schweizer Fussballs in die Challenge League, aber kaufen können sie sich dafür nichts. Und wie es dort mit ihnen weitergeht, ist offen und wird vom weiteren Verlauf der Coronakrise mitbestimmt. Präsident Markus Lüthi sagt, die Infrastruktur sei nur über die Super League finanzierbar. Dieses Modell breche nun weg und sie müssten genau analysieren, was künftig noch möglich sei. Doch mit ihren Sorgen sind die Berner Oberländer nicht allein. Der Entscheid des Bundesrats, ob bald wieder mehr als 1000 Zuschauer zugelassen werden können, ist für die ganze Liga von grösster Bedeutung.

Die speziellen Umstände dieser Spielzeit sollen die Vaduzer aber nicht davon abhalten, stolz auf eine vorzügliche Saisonleistung zu sein. Bei ihren zwei bisherigen Aufenthalten in der Super League waren sie nicht unbedingt willkommene Gäste. Die bescheidenen Zuschauerzahlen und üppigen Löhne waren vielen ein Dorn im Auge. Aber die teuren Zeiten, als mit Pierre Littbarski ein Weltmeister als Trainer an der Linie stand, sind passé. Vor zwei Jahren hat der FC Vaduz strategisch einen neuen Weg mit mehr Bescheidenheit eingeschlagen. Es heisst nun zwar im Ländle nicht gleich «Liechtenstein First», weil das Einzugspotenzial mit 38 000 Liechtensteinern das nicht hergibt. Doch die regionale Ausrichtung mit Einbezug des Rheintals, des Glarnerlandes und des Vorarlbergs wird konsequent umgesetzt. Mit den Brüdern Patrick (Präsident) und Franz Burgmeier (Sportchef) sowie Mario Frick (Trainer) sind drei Liechtensteiner am Ruder, die zusammen mit fünf Landsleuten im Spielerkader dafür sorgen, dass sich die Menschen wieder mit ihrem FCV identifizieren.

Nur das Staatsoberhaupt, Fürst Hans-Adam II., ziert sich weiter. Auf der Tribüne des schmucken Rheinpark-Stadions hat er sich seit Menschengedenken nicht mehr blicken lassen und als Sponsor tritt der steinreiche und der Kunst und Kultur zugetane Landesfürst schon gar nicht auf. Was auch deshalb weniger ins Gewicht fällt, weil das Budget des FC Vaduz von bisher 4,5 Millionen Franken auch in der Super League nicht höher als 6,0 Millionen betragen wird. Und noch eine Zahl, zeigt, dass kleinere Brötchen gebacken werden: Der Durchschnittslohn des Aufstiegskaders liegt unter 4500 Franken. Gar nicht so unsympathisch, diese Vaduzer.

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Autor

Markus Brütsch

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