Doha 2019

Bernerin holt WM-Bronze: Mujinga Kambundji ist doch ein Glückskind

Ein Leichtathletik-Meilenstein für die Schweiz: die Bernerin Mujinga Kambundji nach ihrem WM-Bronzelauf über 200 m. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Doha,  2. Oktober 2019)

Ein Leichtathletik-Meilenstein für die Schweiz: die Bernerin Mujinga Kambundji nach ihrem WM-Bronzelauf über 200 m. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Doha, 2. Oktober 2019)

Die Berner Leichtathletin Mujinga Kambundji nutzt die Gunst der Stunde und gewinnt in Doha in ihrem ersten WM-Final Bronze über 200 Meter.

Mujinga Kambundji ist eine Sportlerin, die neben den Rennen möglichst wenig Energie verbraucht. An diese Eigenschaft erinnert ihre Ehrenrunde nach dem Bronzelauf in Doha. Genüsslich spaziert die 27-jährige Bernerin mit einer übergrossen Schweizer Fahne über den Schultern durchs weite Rund des Khalifa-Stadions, bleibt bei den Schweizer Anhängern, unter ihnen auch ihre Familie und viele Athletinnen und Athleten des WM-Teams, kurz stehen und lässt sich feiern. Die Zugabe nach der ersten Schweizer Sprint-Medaille in der Leichtathletik wirkt wie Wellnessferien im Kurzformat.

Kambundji erinnert dabei mit ihrem Umhang und dem anmutsvollen Gang ein wenig an eine Königin. Die Königin der Schweizer Leichtathletik, die sie mit ihrem einnehmenden Lachen schon immer war. Vor allem aber ist sie, der oft bemühte Pechvogel bei Grossanlässen, eben doch ein Glückskind.

«Ich hatte die Hundertstel nie auf meiner Seite», sagt sie nach dem verpassten Final über 100 m. Vielleicht brauchte es genau dieses Pech, um nun Historisches zu erreichen. «Ich lerne immer etwas aus einer Niederlage», sagt sie. Sie sei mit einer so positiven Energie in das Rennen gestiegen wie vielleicht noch nie.

Doch selbst am Mittwoch hat sie beim Zieleinlauf keine Ahnung, ob es gereicht hat. Nicht, weil die Amerikanerin Anglerne Annelus nur acht Hundertstel hinter Kambundji liegt. Sondern, weil sie bis zuletzt ihre persönliche Vorgabe durchzieht. «Ich wollte mit Freude in dieses Rennen und mich nur darauf konzentrieren. Nie daran denken, was sein wird, wenn . . . »

Es ist eine bemerkenswert stille Freude, die Mujinga Kambundji zeigt, als sie auf der Bahn steht und den Gewinn der Medaille realisiert. Beinahe schon majestätisch. «Ich habe so viel Freude. Ich bin so froh, konnte ich die Ausgangslage ausnutzen», sagt sie. Sieben der zehn Weltbesten des Jahres fehlen in diesem Final. Aber das interessiert nach dem Rennen niemanden mehr.

Lea Sprunger ohne Zittern im Hürdenfinal

Die amtierende Europameisterin über 400 m Hürden nutzt die Gunst der Stunde, über 400 m Hürden die auf dem Papier schwächste Halbfinal-Serie erwischt zu haben. Bereits eingangs Zielgeraden vor dem Ziel realisiert Lea Sprunger, dass sie als Zweite des Rennens «alles unter Kontrolle» und die Finalteilnahme im Sack hat. So muss sie über die letzten drei Hürden – diese Saison des öfteren eine Zitterpartie – kein Risiko nehmen.

Zwar läuft die 29-Jährige trotz Saisonbestleistung (54,52) nur die achtbeste Zeit der Finalistinnen, trotzdem sieht sie das Podest in Sicht. «Die ersten zwei Plätze dürften vergeben sein, aber dahinter ist alles offen. Ich habe im Final meine Chancen», sagt Sprunger. Vor zwei Jahren reichte es an der WM in London zum fünften Platz, mit einer schwächeren Zeit als am Mittwoch. Für eine Medaille am Freitagabend muss sie wohl in den Bereich des Schweizer Rekords von Anita Protti (54,25 an der WM 1991 in Tokio) vorstossen. Ein Ziel, das Lea Sprunger ohnehin zuoberst auf ihrer To-do-Liste hat.

Final auch für Jason Joseph in Reichweite

Als insgesamt 13. beendet der Schweizer Hürdensprinter Jason Joseph seine erste Weltmeisterschaft. «Solid», wie der 20-Jährige bilanzierte. Trotzdem ist Joseph nach dem Halbfinal vor allem enttäuscht. Sein Lauf war nicht optimal, die Zeit von 13,53 entspricht nicht seinen Vorstellungen. Während des Rennens lässt er sich nicht zum ersten Mal zu stark von der Konkurrenz beeinflussen. «Mit der Konsequenz, dass ich unterwegs zu holzen begann.» Drei Hürden touchiert er. 13,35 wären für die Finalteilnahme notwendig gewesen. Jason Joseph weiss, dass er diese Zeit in den Beinen hätte. Aber vielleicht einfach noch nicht im Kopf.

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