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Beat Hefti: Trotz Ferrari noch keine Speed-Garantie

Beat Hefti steht vor einer Saison voller Fragezeichen, da sich sein Anschieber Alex Baumann leicht verletzt hat. Der zweite Schweizer Bob mit Rico Peter will dagegen im Gesamtweltcup ganz vorne mitfahren.

An diesem Wochenende wird im deutschen Altenberg die Weltcupsaison im Eiskanal eröffnet. Dass mit Beat Hefti sowie dem Aargauer Rico Peter diesen Winter gleich zwei Piloten um die Podestplätze mitfahren können, ist aus Schweizer Sicht die gute Nachricht. Weniger erfreulich ist, dass Hefti dies nur im Zweier und zudem kaum von Anfang an wird tun können. Denn es ist nicht sicher, ob der 37-Jährige bereits heute Samstag auf Alex Baumann zählen kann. Dieser hat sich im Training leicht verletzt und ist zumindest für die Auftaktrennen in Altenberg fraglich. So ist es nicht ausgeschlossen, dass Sandro Ferrari unverhofft früh zu seinem (Weltcup-)Debüt als Anschieber kommt.

Heftis Hilferuf in Form eines Castings

Vorgesehen war das nicht. Denn Ferrari, ein 20-jähriger Innerschweizer, ist erst seit knapp zwei Monaten Mitglied im Bobteam Hefti. Mehr noch: Er hat zuvor vor allem im Kugelstossen mit der Silbermedaille an den Schweizer Meisterschaften der Aktiven für Aufsehen gesorgt. Zum Bobsport stiess Ferrari durch einen veritablen Hilferuf Heftis: Der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2014 im Zweier hat mit akutem Hintermänner-Mangel zu kämpfen. Und so lancierte der Appenzeller diesen Herbst ein Casting für Anschieber.

Eine «allerletzte Möglichkeit» nannte er diesen Versuch, aus anderen Sportarten die nötige Power und Schnelligkeit für seinen Bob zu generieren. «Wenn wir die jetzt nicht finden, bedeutet das nicht bloss mein Karriere-Ende. Es wäre der Tod des Bob-Sports in der Schweiz», liess er sich im August zitieren.

Die Aktion Heftis ist also langfristig angelegt. Im Hinblick auf Olympia 2018 in Südkorea zum Beispiel. «Hätten wir dieses Projekt erst 2016 lanciert, wäre das zu spät gewesen», so Hefti. Sein Ziel war es, nach zwei Qualifikationsläufen im September und einem Finallauf im Oktober schnellkräftige Athleten zwischen 85 und 110 Kilogramm zu finden.

Potenzial gibt Hoffnung für die Zukunft

Das Resultat, bestätigt auch Nationaltrainer Wolfgang Stampfer, kann sich sehen lassen: «Es sind junge Athleten mit Potenzial, vor allem mit Blick auf Olympia 2018. Wir haben sicher die Hoffnung, dass sich der eine oder andere für eine professionelle Laufbahn entscheidet und Feuer fängt für dieses Projekt.»

So reisten Mitte Oktober nebst Sandro Ferrari zwei weitere Kandidaten mit in den hohen Norden nach Lillehammer ins erste gemeinsame Trainingslager – ehe für den Schnellsten unter ihnen an diesem Wochenende womöglich bereits die Feuertaufe erfolgt. Trotz der unsicheren Ausgangslage streckt sich Stampfer nach der Decke und setzt die Messlatte entsprechend hoch an. «Wir möchten sicher die letztjährigen Resultate von Altenberg bestätigen», sagt er ohne Umschweife.

«Die waren ja sehr gut.» Allerdings: Beat Hefti siegte damals mit seinem Standardbremser Alex Baumann, Rico Peter holte sich mit dem Holländer Janne Bror van der Zijde Rang 4 und schaffte im Vierer gar den Sprung aufs Podest (3.). Was er in den ersten Trainings auf der Bahn in Altenberg gesehen habe, so Stampfer, stimme ihn durchaus zuversichtlich.

Peter greift doppelt an

Für Beat Hefti zählt in dieser Saison vor allem die WM in Igls im Februar, wo der gelernte Zimmermann seine erste Goldmedaille als Pilot anstrebt. Auf einer Bahn, welche ihm absolut behagt: «Der Start ist da wichtig, und es braucht gutes Material.» Beides kommt dem Appenzeller, der in dieser Saison voll auf den Zweierbob setzt, entgegen. Etwas andere Prioritäten setzt da der Aargauer Rico Peter.

Er hat das Potenzial, in beiden Schlitten ganz vorne mitzuhalten und kann sich deshalb sogar auch im Gesamtweltcup Chancen ausrechnen. Bereits im letzten Jahr resultierten für den 32-Jährigen die Ränge 3 (Zweierbob) und 6 (Viererbob).

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