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Beat Feuz am Lauberhorn auf dem Weg zum dritten Sieg

Ist heiss auf den Lauberhorn-Sieg: Ski-Crack Beat Feuz.

Ist heiss auf den Lauberhorn-Sieg: Ski-Crack Beat Feuz.

Speed-Crack Beat Feuz gehört in der Lauberhorn-Abfahrt am Samstag in Wengen zu den Topfavoriten.

Am Lauberhorn fühlte sich Beat Feuz gleich auf Anhieb wohl. Als Junior trainierte der Emmentaler regelmässig im Berner Oberland. Er habe gute Erinnerungen an diese Zeit, auch wenn eine gewisse Rivalität der Oberländer mit ihm, dem Fahrer aus einer tieferen Region, zu spüren gewesen sei, erzählt Feuz.

Knapp 20 Jahre später haben sich alle Fragen erübrigt – Feuz ist Abfahrt-Weltmeister geworden, hat zwei Olympiamedaillen gewonnen und im Weltcup 44 Podestplätze geholt.

Rennmässig kam der mittlerweile zwölffache Weltcupsieger im Januar 2003 erstmals mit der Strecke am Lauberhorn in Kontakt. «Ich startete damals mit der Nummer 100 oder noch höher und kam recht weit nach vorne.» Mit den Plätzen 15 und 26 liess der damals noch nicht einmal 16-Jährige in diesen FIS-­Rennen viele ältere Fahrer hinter sich. 2010, bei seinem ersten Auftritt in Wengen im Weltcup, war das anders. «Da unterlief mir nach dem Hundschopf ein Fehler. Danach sagte ich mir, dass ich jetzt auch nichts mehr riskieren müsse, denn unten geht mir eh die Luft aus. Und ob ich 40. oder 50. werde, spielt keine Rolle.» Nicht viel besser lief es ihm ein Jahr später. «Da haute es mich im Ziel-S wie einen Mehlsack um.» Doch schon 2012 resultierte für den Schangnauer sensationell der erste Sieg am Lauberhorn, 2018 sollte der zweite folgen. Dazu gab es noch zwei 2. Ränge.

Siegerehrung in Wengen im Jahr 2012

Siegerehrung in Wengen im Jahr 2012

Über eine Woche nicht auf den Ski gestanden

Nach den zwei Podestplätzen vor Neujahr in Bormio stand Feuz über eine Woche nicht mehr auf den Ski. Diese Pause tat gerade auch der zuvor in Gröden verletzten linken Hand gut. Aber diese beschäftigte ihn schon noch eine Weile. «Schliesslich handelt es sich um einen Knochenbruch», sagt der Berner, der die Verletzung auch in anderen Situationen spürt. «Ich habe schon geschmeidiger ein- und ausparkiert.» Auf den Ski, das haben die Abfahrten in Bormio gezeigt, konnte Feuz die Verletzung – auch dank einer Spezialschiene und mittels Tape fixiertem Stock – komplett ausblenden.

Beat Feuz über Mythos «Lauberhorn»

Beat Feuz über den Mythos «Lauberhorn»

  

Skitage, drei insgesamt, gab es erst Mitte letzter Woche im Südtiroler Sarntal wieder, wohin Feuz etwas später anreiste als seine Teamkollegen. «Für mich stimmt es auch mit dem einen oder anderen Skitag weniger.» Mit dem Wissen, dass nun ein «wie immer sehr intensiver Januar» folgt, waren ihm die Ruhepause und die gemeinsame Zeit mit Freundin Katrin und Töchterchen Clea wichtig. Deshalb verbrachte er auch das Wochenende vor Wengen nochmals daheim in der Nähe von Innsbruck, ehe er am Montag mit dem Helikopter nach Wengen anreiste. Dort stand heute das erste Abfahrtstraining an.

Im Berner Oberland stehen die Aussichten bestens, dass der 32-Jährige seine beeindruckende Konstanz weiterziehen kann. In allen 21 Abfahrten seit November 2017 klassierte er sich in den ersten acht, 17-mal gar in den ersten drei. Es gebe durchaus Strecken, «die ich nicht so gut mag wie die in Wengen. Doch ich konnte mir in den letzten Jahren etwas erarbeiten, so dass ich überall und bei fast allen Bedingungen den Weg zum Erfolg fand.» Die dabei wohl wichtigste Bezugsperson war in den letzten Jahren Trainer Manfred Widauer. «Er ist für die Video-Analyse zuständig und auch auf den Ski mein erster Ansprechpartner», sagt Feuz über den Österreicher.

Ein enges Rennen mit Dominik Paris

Nach vier von zehn Abfahrten liegt Feuz in der Disziplinenwertung vier Punkte hinter Dominik Paris zurück. Der gut zehn Zentimeter und wohl 15 Kilogramm schwerere Italiener, zuletzt Sieger der beiden Abfahrten in Bormio, ist im Kampf um die kleine Kristallkugel Feuz’ härtester Gegner.

© CH Media

«Wir sind zwei grundsätzlich verschiedene Fahrer. Bei uns ist wohl nicht eine Sache gleich», vergleicht der Schweizer. «Er ist einer, der es mit viel Kraft macht und probiert, jeden Schwung voll durchzudrücken. Ich hingegen versuche eher, den Berg runterzuschleichen, und attackiere nicht wie er die Tore, als gebe es kein Morgen.»

Obwohl Paris in Wengen noch nie auf dem Podest stand, gelte es ihn zu beachten, warnt Feuz.

Einen Trumpf haben Feuz und sein Servicemann noch in der Hinterhand: den ihrer Meinung nach besten Ski für Wengen. «Den habe ich zuletzt in Bormio nicht eingesetzt, sondern lieber aufgespart. Mir war auf der vereisten Piste das Risiko zu gross, dass der Ski vielleicht kaputt geht.» Bei der Frage, ob ihm in diesem Winter ohne Grossanlass ein gutes Abschneiden am Lauberhorn oder vielleicht doch eher auf der Streif wichtig sei, weiss Feuz sofort, worauf diese abzielt. Und sagt dann: «Keinesfalls. Beides sind Klassiker und in jeder Saison die für mich wichtigsten Rennen. Obwohl ich in Kitzbühel noch nie gewonnen habe, stimmt es für mich, was ich dort bislang erreicht habe.» Er verweist auf die fünf Podestplätze auf der Streif, davon drei 2. Plätze in der Abfahrt. «Ich bin mit der Piste im Reinen.» Feuz betont speziell, dass er auch nicht dem Rennen von 2017 nachtrauere, als er sich auf Siegeskurs befand und dann rausflog.

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