Basels Sportvereine
Der Football-Hype um die Ecke: Coach Dwaine Wood und die Gladiators verbinden 30 Jahre

Fast von Beginn an ist Headcoach Dwaine Wood ein Teil der Gladiators beider Basel. In dieser Zeit haben sich sowohl der Sport als auch der Verein verändert.

Esteban Waid
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Angefeuert von Cheerleadern betreten die Gladiators ganz nach amerikanischem Vorbild den Platz.

Angefeuert von Cheerleadern betreten die Gladiators ganz nach amerikanischem Vorbild den Platz.

zVg/Gladiators

Weil ein deutscher TV-Sender regelmässig Spiele aus der amerikanischen NFL überträgt, ist auch hierzulande um die Randsportart American Football ein regelrechter Hype entstanden. Um den Sport geniessen zu können, muss man aber nicht zwingend in die USA blicken. Auch in Basel wird der Vollkontaktsport schon seit vielen Jahre ausgeübt. Nämlich bei den Gladiators beider Basel, deren Mannschaft in der höchsten Schweizer Liga spielt. Was fehlt im Vergleich zu der Topliga aus den USA, sind der Glamour, der Glanz und das grosse Geld. American Football an seiner Basis.

Einer, der fast seit Beginn an dabei ist und die Entwicklung des Sports in der Region durchgemacht hat, ist Headcoach Dwaine Wood. An den Anfang erinnert sich der 55-jährige gebürtige Amerikaner noch gut. 1989 gründete sich der Verein «Raurica Gladiators». Zu dieser Zeit war der Klub noch in Kaiseraugst im Aargau beheimatet. Über einen Bekannten seiner Frau erfuhr Dwaine Wood, dass da ein Verein ist, der seinen geliebten Sport ausübt: American Football.

«Die wollten einen echten Amerikaner als Trainer»,

erinnert sich der Wahl-Rheinfelder. Er selbst spielt Football, seit er zwölf ist, und wollte sein Wissen aus Amerika weitergeben. 1990 wurde er dann sofort Head-Coach der Mannschaft, gleichzeitig verlegte der Verein seinen Sitz nach Pratteln. «Mein Lieblingsplatz auf dieser Welt ist die Hexmatt. Das ist meine Ruheoase», schwärmt Wood über seine sportliche Heimat.

Seine Lebenszeit hat der Coach dem Sport gewidmet

Kein Wunder, denn einen grossen Teil seines Lebens hat Wood an genau diesem Ort verbracht. Zehn Jahre war er Headcoach und Juniorentrainer gleichzeitig. Sechs Tage in der Woche stand er in dieser Zeit auf dem Feld, während er seinem normalen Beruf als Financial Controller in Basel nachging. Er erinnert sich aus dieser Zeit auch an Tage, da verbrachte er auch mal zwölf Stunden auf dem Platz. «Ich war Coach der Junioren am Morgen. Wenige Minuten später stehe ich mit meiner Mannschaft auf dem Platz, um in der NLA und NLB zu spielen und zu coachen», erklärt Wood mit seinem sympathischen amerikanischen Akzent.

Viel könnte er aus den letzten 30 Jahren erzählen, ein Spiel bleibt ihm aber besonders im Gedächtnis. Es war das Finalspiel der NLB und das gegnerische Team setzte zwei Amerikaner ein. Obwohl das eigentlich verboten war, liess das der Verband durchgehen. Sehr zum Unmut der Gladiators und Coach-Wood. Doch der hatte einen Plan: «Wir wollten die Amerikaner jagen. Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn er links steht, rennen wir links und wenn er rechts steht, rennen wir rechts», erzählt Wood, immer noch emotional, als wäre es erst gestern gewesen. Und am Ende gewinnen die Gladiators das Spiel sogar.

Dwaine Wood steht an der Seitenlinie und das schon seit einer langen Zeit.

Dwaine Wood steht an der Seitenlinie und das schon seit einer langen Zeit.

Robert Varardi / SPO (2012)

Die Gladiators und der Sport haben sich mit der Zeit verändert

Seitdem hat sich der Sport aber gewandelt. Damals war Football in der Schweiz brachialer, «Running-Game pur», schwärmt er fast ein bisschen. Heute bewegt sich der eiförmige Ball beim Passspiel öfter durch die Luft. Spektakulärer eben, fast ein bisschen wie in der NFL.

Doch nicht nur das Spiel hat sich verändert. Auch die Gladiators. Seit einigen Jahren dürfen sie ihre Spiele im Rankhof austragen, haben dort einen neuen Garderobentrakt mit Meetingraum für Videoanalysen. Bis heute ist der Verein zusätzlich der einzige in der NLA, der seinem Trainerteam kein Geld zahlt. «Wir sind finanziell gesund, weil wir niemanden bezahlen», sagt Wood. Das hat aber auch zur Folge, dass es um einiges schwieriger geworden ist, oben mitzuspielen.

Dass er nun schon über 30 Jahre mit Leidenschaft dabei ist, macht Wood nicht des Erfolges oder des Geldes wegen. Er liebt es, mit Junioren zu arbeiten, die, seit der Sport im TV läuft, zahlreicher ins Training kommen. Er weiss, dass es viele Jugendliche nicht einfach haben. Sein Training sieht als eine Art Therapie. Es stört ihn, dass viele ein negatives Bild haben: «Ich höre immer wieder, wie schlecht die Jugend sei, aber das stimmt nicht.» Er ist stolz auf seine Jungs, mit ihnen gebe es keine Probleme. Kein Rauchen, keine Party, kein Müll. «Wenn wir die Kabine verlassen, ist immer alles geputzt», sagt Wood.

Vereinssteckbrief Gladiators beider Basel

Gründung: 1989.

Anzahl der Mitglieder 2019: 156

Vereinsfarben: Purple/Violett.  

Motto/Leitspruch: Once a Gladiator, always a Gladiator.  

Heimstätte: Rankhof Basel / Sandgrube Pratteln.  

Ligahöhe: 1. Mannschaft: NLA.  

Grösste Rivalen: Luzern Lions.  

Grösste Erfolge: Schweizer Meister 2014, U19 Schweizer Meister, 18 Spiele ungeschlagen 2016-2017

Bekannte (Ex-) Spieler: Urs Schnyder, Claudio Meier, Ben Schumann, Rene Fink, Kevin Baumgartner, BJ Denker, Evan Harrington, Dwaine Wood, Jaromir Buess.

Auch seine Frau Bärbel, die Präsidentin des Klubs, ist stolz auf die Entwicklung der jungen Menschen und der Gladiators. Auch wenn die NFL am Ende weit entfernt ist, hat sie doch einen Einfluss auf die Arbeit des Ehepaars. Denn wenn sich die Superstars um Tom Brady und Patrick Mahomes messen, wie zuletzt im Superbowl, spürt man den Hype auch in Basel, einfach in einem viel kleineren Rahmen.

Nachgefragt bei Vereinslegende Claudio Meier, der früher Linebacker der Gladiators war und jetzt Assistant-Coach bei der U19 ist

Viele Jahre lang hat Claudio Meier selbst das Trikot der Gladiators getragen.

Viele Jahre lang hat Claudio Meier selbst das Trikot der Gladiators getragen.

zVg

Wie sind Sie zum Verein gekommen?

Claudio Meier: Durch Kollegen und vor allem durch meinen Bruder, der zu dieser Zeit schon bei den Gladiators Football gespielt hat.

Warum stehen Sie wie kein anderer für den Verein?

Herz, Hingabe und die Liebe zum Spiel.

Was macht die Gladiators für Sie so speziell?

Man kann es für mich fast schon die erste und einzige grosse Liebe zum Sport nennen. Es ist wie eine grosse und perfekte zweite Familie im Leben. Warum das so ist, ist schwierig zu erklären. Es ist der Sport, das Ambiente. Für mich ist ab dem ersten Moment klar gewesen: einmal Gladiators, immer Gladiators.

Welches Spiel werden Sie nie vergessen?

Das war die Swiss-Bowl-Championship, als wir endlich Schweizer Meister geworden sind. Das müsste 2014 gewesen sein. Nach so vielen Jahren ist das schwer, weil wir in so vielen Finals gestanden haben und immer wieder verloren haben. Das YB von früher des Footballs sozusagen (lacht).

Warum hat es nicht für die NFL gereicht?

(lacht) Erstens Schweizer, zweitens zu klein, drittens zu dick. Ich habe von der Athletik all das verkörpert, was einen Profi-Footballspieler nicht ausmacht.

Warum ist Ihre Mannschaft so besonders?

Weil jeder, der dabei ist, hundert Prozent Herz reinsteckt und für den Football lebt, Football denkt, Football schläft und Football spürt. Wir nehmen nur Leute in das Team, die diesen Spirit mitbringen.

Wie muss jemand drauf sein, wenn er zu euch will?

Er muss wissen, auf was er sich einlässt. Er muss einfach die Liebe und die nötige Hingabe mitbringen, sonst funktioniert das nicht. Und diese Art von Lebensschule muss man annehmen. Football ist nicht nur ein Sport. Er ist eine Philosophie und eine Lebenseinstellung.

Warum Football und kein Fussball?

Football ist die viel grössere Herausforderung. Nichts gegen den Fussball, ich bin selbst grosser FCB-Fan. Aber beim Football braucht es viel mehr. Man muss sich viel mehr auf das Ganze einlassen und es leben. Für mich ist er eine grössere Abwechslung und der kompletteste Sport, den es auf der Welt gibt.

Haben Sie selbst mal Fussball gespielt?

Ja, zwischen 12 und 14 habe ich mal kurz hier in der Region in einer Juniorenliga gespielt. Aber ich habe dann schnell mit meinen roten Karten gemerkt, dass ich wahrscheinlich einen anderen Sport brauche. (lacht)

Was würden Sie sich für den Verein wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Dass die Gladiators lange und erfolgreich bestehen bleiben.

So sieht ein Training bei den Gladiators aus: