Super League
Wer steht im Tor? Wer fehlt? Kann der FCB YB einholen? Die wichtigsten Fragen vor Wiederbeginn der Liga

Der FC Basel startet am Samstag mit dem Heimspiel gegen den FC Zürich wieder mit dem Ligabetrieb. Die "Schweiz am Wochendene" liefert im Vorfeld die wichtigsten Antworten auf die drängendsten Fragen.

Céline Feller
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Vorbereitung mit Sicht auf die Schweizer Hügel statt auf spanisches Meer.

Vorbereitung mit Sicht auf die Schweizer Hügel statt auf spanisches Meer.

Keystone (6. Januar 2021

Genau einen Monat ist es diesen Samstag her, seit der FC Basel sein letztes Spiel absolviert hat. Das erkrampfte 2:1 über den FC Luzern setzte den Schlusspunkt hinter ein denkwürdiges Jahr. Danach verabschiedeten sich alle für die kürzeste Winterpause der Geschichte in den Urlaub, tankten Kräfte, kriegten den Kopf frei. Jetzt geht es wieder los – nach einer Vorbereitung, in der das Team so isoliert war wie ebenfalls kaum zuvor. Was ist seit dem letzten Wettkampf und dem Trainingsstart am 6. Januar passiert? Genug, damit der FC Basel die Berner Young Boys angreifen kann? Die «Schweiz am Wochenende» liefert die wichtigsten Antworten auf die drängendsten Fragen vor dem Wiederbeginn der Super League, an dem der FCB am Samstag um 20.30 Uhr im Joggeli auf den FC Zürich trifft.

Wie war die zweieinhalbwöchige Vorbereitung für den FC Basel?

Allem voran: ungewöhnlich. Nachdem das Trainingslager im Sommer am Tegernsee der nicht vorhandenen Pause zwischen den beiden Spielzeiten zum Opfer gefallen war, ist es beim traditionellen Winter-Trip ins andalusische Marbella die aktuelle Pandemielage. Statt Trainings unter den Palmen gab es eine Vorbereitung unter Schneeflocken auf dem Nachwuchscampus. Rein resultatmässig kann der FCB zufrieden sein. In seinen zwei Testspielen – das dritte konnte aufgrund des Schneefalls nicht stattfinden – erreichten die Basler ein 2:2 gegen Thun sowie ein 5:0 über Aarau. Anstelle des ausgefallenen Testkicks gegen Chiasso wurde noch ein internes Spiel über zwei Mal 30 Minuten absolviert. Trainer Ciriaco Sforza zeigte sich am Freitag bei der erstmals virtuell abgehaltenen Pressekonferenz sehr zufrieden, allen Umständen zum Trotz: «Wir konnten ruhig, gezielt und konzentriert trainieren. Da wir einen beheizten Platz haben, konnten wir jeden Tag das umsetzen, was wir wollten.»

Wo steht die Mannschaft und wie nimmt der Trainer sie wahr?

In solchen Zeiten etwas für die gute Stimmung zu tun, ist schwer. Team-Events sind tabu, gemeinsame Essen mit allen an einem Tisch eben so. Es gebe keine Alternative, als sich daran zu halten, sagt Sforza. «Wir haben in diesen Tagen aber sehr intensiv trainiert, fast täglich zwei Trainings absolviert. Das gibt auch einen Spirit.» Sforza spürt «eine sehr gute Energie» in der Mannschaft.

Woran wurde seit dem Trainingsstart gearbeitet?

Dass die Vorrunde nicht perfekt war, ist allen beim FC Basel bewusst. Da wurden Punkte teilweise zu einfach verschenkt, Leistungen nicht über die volle Dauer einer Partie durchgezogen. «Deshalb haben wir gewisse Dinge aus der Vorrunde analysiert und daran gearbeitet», so Sforza. Ausserdem wurde im konditionellen und Kraft-Bereich gearbeitet. «Für mich war es wichtig, die Mannschaft im athletischen Bereich ein erstes Mal in einer Vorbereitung näher begleiten zu können», erklärt Sforza. An seiner Seite hat er dafür seit dem Abgang von Nacho Torreño nun Luis Suarez. Er übernimmt vorerst die Aufgaben Torreños und geniesst das vollste Vertrauen Sforzas. Letzterer verweist überdies auf den Verein, sollte für Torreño doch noch ein Ersatz eingesetzt werden. Neben dem athletischen Bereich sei aber auch das Spiel mit dem Ball in dieser Vorbereitung selbstverständlich nicht zu kurz gekommen, wie Sforza betont.

Welche Probleme gab es im neuen Jahr im Trainingsbetrieb?

Weder das Wetter noch das ausgefallene Spiel gegen Chiasso erachtet der Trainer als problematisch. «Was mich aber gestört hat, waren die vielen verletzten Spieler. Ich hatte damit gerechnet, dass ich alle (ausser den am Kreuzband verletzten Jorge, Anm.d.Red.) am ersten Tag zur Verfügung haben werde.» Doch dem war nicht so. Beim Auftakt und bis vor wenigen Tagen fehlten diverse, namhafte Spieler wie Pajtim Kasami, Valentin Stocker, Heinz Lindner oder krankheitsbedingt kurzzeitig auch Silvan Widmer. Und natürlich: Taulant Xhaka, der sich Anfang Februar doch noch am Knie operieren lassen muss.

Was bedeutet das für die Personalsituation? Wer fehlt alles?

Im ersten Spiel gegen den FC Zürich am Samstag fehlen verletzungsbedingt mit Sicherheit nur noch die erwähnten Langzeitverletzten Xhaka und Jorge. Kasami und Stocker sind zwar seit zirka vier Tagen wieder zu 100 Prozent im Mannschaftstraining eingebunden. Sforza sagt aber: «Da werden wir aber noch schauen, wie weit wir mit ihnen schon gehen können.» Ihre Einsätze gelten daher als fraglich. Fit genug dafür wären zwei andere, die jedoch gegen den FCZ und auch später nicht mehr im Kader stehen werden: Samuele Campo und Aldo Kalulu. Beide sind für Sforza weiterhin keine Option und müssen sich einen neuen Verein suchen. Neu mit dabei könnte dafür Kaly Sene sein. Der Flügelspieler, der im letzten Halbjahr an Omonia Nikosia ausgeliehen war, ist seit Donnerstag im Training des FCB. Seine Arbeitserlaubnis ist ebenfalls eingetroffen, er ist folglich eine neue Option. Sforza zeigt sich bereits begeistert vom neusten Gesicht in seinem Kader: «Er ist sehr dynamisch, jung, talentiert und körperlich auf einem guten Weg für seine erst 19 Jahre. Da ich ihn noch nicht kannte, war es mein Wunsch, dass er bei uns bleibt. Ich will ihn kennen lernen.»

Campo und Kalulu müssen gehen – werden Neue kommen?

Eher nicht. Eigentümer Bernhard Burgener kündigte an, dass er nur dann neue Spieler holen wolle, wenn Schlüsselakteure gehen sollten. Dazu zählen die beiden nicht. Und auch Sforza sieht keine Not, neue Spieler zu holen: «Wir haben bereits hervorragende Spieler und müssen nichts machen. Ich habe Vertrauen in jene, die da sind.» Ausserdem sei das Kader auch so schon gross. Eine Erweiterung würde nur zu einem Fokusverlust in den Trainings führen. Sforza sagt: «Wir müssen mit dem leben, was wir haben.»

Heinz Lindner ist wieder fit – wer steht in Zukunft im FCB-Tor?

Beim Trainingsauftakt bezeichnet Sforza das Rennen um die Nummer 1 im Basler Tor als offen. Dies, nachdem Heinz Lindner der eigentlichen Nummer 1, Djordje Nikolic, vor der Winterpause den Platz mit überragenden Leistungen weggeschnappt hatte. Auch ins neue Jahr starten die Basler mit dieser Rollenverteilung, wie Sforza erklärt:

Ich habe gemeinsam mit Goalietrainer Massimo Colomba mit beiden Torhütern geredet. Gegen Zürich wird Heinz Lindner im Tor stehen.

Dass dies auch weiter so bleiben wird, bekräftigt er mit der Aussage, dass diese Entscheidung nun Ruhe bringen werde und ein ganz klares Zeichen sei. Details über die Entscheidung oder die Gespräche wollte der Cheftrainer nicht Preis geben. Nur so viel: «Es ist nie einfach, wenn du gesagt bekommst, dass du nicht spielst. Vor allem, wenn du im Kopf die Nummer 1 bist. Es ist jetzt unsere Aufgabe, das in Ruhe mit Djordje zu analysieren. Klar ist Enttäuschung da, aber es liegt an ihm, was er daraus macht.» Für Nikolic ist es in seiner jungen Karriere bereits das zweite Mal, dass er den Posten als Nummer 1 verliert. Bereits bei seinem Leihgeschäft in Thun wurde er degradiert.

Wie stehen die Chancen des FCB, YB doch noch gefährlich zu werden?

Die Ausgangslage ist auf jeden Fall keine einfache. Bereits acht Punkte beträgt der Rückstand der Basler auf die Berner, nachdem Letztere ihr Nachholspiel am Mittwoch gegen Lugano gewinnen konnten. Das Gute ist, dass noch nicht die halbe Saison durch ist, sondern erst 14 Spiele. Bleiben also noch 22 für eine Aufholjagd. Einfach wird das aber mit Sicherheit nicht. Gerade in der Breite hat YB ein beneidenswertes Kader, mit dem ligaweit niemand mithalten kann. Aber: Sind beim FC Basel alle fit und auf der Höhe ihres Schaffens, kann der Spielplan endlich 90 Minuten durchgesetzt werden und auch ein schlechtes Spiel in Meistermanier mal dreckig gewonnen werden, dann ist noch Vieles möglich. Vor allem dann, wenn der FCB jene Punkte gegen die vermeintlich kleineren Teams holt, die er zuletzt so tragisch wie zuverlässig oft hat liegen lassen.

Was ist das interne Ziel für den Rest der Saison?

Noch immer das genau gleiche, wie am ersten Tag der Saison. Sforza hält fest: «Ich habe gesagt, dass ich um den Meistertitel mitspielen will. Das ist unser Ziel, da so lange wie möglich mit dabei zu sein. Wir sind Zweiter in der Tabelle und daher dabei.» Nicht betont hat Sforza das Abschneiden im Cup. Dort ist der Finaleinzug jedoch ein klares Ziel. Den ersten Schritt müssen die Basler am 11. Februar in der zweiten Runde gegen Winterthur machen.