Handball

Trainer weg, Abstiegssorgen da: Der RTV Basel befindet sich auf einer schwierigen Mission

Triste Aussichten: Ex-RTV-Trainer Christian Meier und Neuzugang Srdjan Predragovic schauen bei der Niederlage gegen Aarau bedröppelt von draussen zu.

Triste Aussichten: Ex-RTV-Trainer Christian Meier und Neuzugang Srdjan Predragovic schauen bei der Niederlage gegen Aarau bedröppelt von draussen zu.

Der RTV Basel hat Abstiegssorgen und muss einen neuen Trainer finden. Alex Ebi, der Präsident des Tabellenletzten ist trotzdem optimistisch.

Eine Niederlage folgt aktuell auf die nächste. Tabellenletzter in der Nationalliga A. Auch durch die drei Winterneuzugänge gab es bislang nur eine bedingte Besserung. Die sportliche Situation beim RTV Basel ist bereits seit mehreren Monaten schwierig. Seit Samstag steht die 1. Mannschaft nun auch noch ohne  Trainer da. RTV-Trainer Christian Meier erklärte seinen Rücktritt. Er spüre das Vertrauen der Mannschaft nicht mehr und wolle den Weg für einen Neuen freimachen, so die Begründung. Die Kommunikation des Vereins und die Reaktionen lassen die Vermutung zu, dass die Verantwortlichen vom Rücktritt Meiers überrascht wurden, diesen aber letztendlich nicht mehr umstimmen konnten.

Dabei hatte der Verein trotz der punktemässig mageren Saison stets am Trainer festgehalten. Im oft so schnelllebigen Sport sicher eine löbliche Vorgehensweise. Durch den Rücktritt steht der Verein nun vor einer neuen, zusätzlichen Herausforderung. RTV-Präsident Alex Ebi sagte gestern am Telefon: «Im Sport kann es schnell gehen und man steht vor einer neuen Situation. Das macht auch die Faszination des Sports aus. Es bringt nichts mehr zurückzuschauen.»

Die neue Strategie wurde im Winter teilweise überworfen

Um die Zusammenhänge beim RTV besser zu verstehen, lohnt es sich aber, zumindest ein paar Monate zurückzugehen. In die aktuelle Saison startete der RTV mit einer neuen, regionalen «Basler»-Strategie. Viele, vorwiegend junge Spieler aus der Region wechselten zu den Realturnern. Darunter Talente wie Jannis Voskamp oder gestandene Spieler wie Luca Engler. Dazu kam mit Christian Meier ein Trainer, der grosse Erfolge im Juniorenbereich vorweisen konnte und bewiesen hat, dass er Spieler entwickeln kann. «Wir hatten natürlich die Überzeugung, dass das gut passt», sagt Ebi.

Als primäres Ziel wurde bewusst der Klassenerhalt ausgegeben. Denn es war allen klar: Das neue Team und der neue Trainer benötigten Zeit, um sich einzuspielen und um die notwendige Sicherheit zu finden. Die vielen Niederlagen sorgen aber dafür, dass die Sicherheit in dieser Saison nie wirklich Einzug erhielt. Die Verantwortlichen und die Spieler appellierten immer wieder an die Geduld. Doch insgesamt blieben die Leistungen der Mannschaft schwankend. Auf tolle Phasen, mit spielerisch hochstehendem Handball folgte oft ein unerklärlicher Einbruch.

Der Verein liess sich von der sportlichen Misere nicht aus der Ruhe bringen, hielt an der Mannschaft und am Trainer fest. Auch brenzlige Situationen, beispielsweise das verlorene Kellerduell zu Hause gegen Endingen, führten zumindest vor der EM-Pause nicht zu Kurzschlussreaktionen.

Die drei Neuen blieben unter den Erwartungen

Kurz vor Weihnachten reagierte der Verein dennoch. Er verpflichtete insgesamt drei neue Spieler, die helfen sollen, den drohenden Abstieg abzuwenden. Der Grund für den kurzfristigen Strategiewandel war die aktuelle sportliche Situation mit dem drohenden Abstieg. Das bestätigt auch Alex Ebi. Er sagt: «Was wir natürlich nicht wollen, ist abzusteigen. Darum sind dann auch drei Verstärkungsspieler gekommen.»
Gleich im ersten Spiel der Neuzugänge Jonas Dell und Srdjan Predragovic überzeugte der RTV. Die Basler gewannen die Partie zu Hause gegen Bern völlig verdient. Auch in der letzten Partie vor der EM-Pause spielte der RTV gegen Thun, trotz Niederlage, eine gute Partie. Es schien, als sei die Wende erfolgreich eingeläutet worden. Doch es sollte anders kommen.

Nach der Europameisterschaftspause schwankten die Leistungen wieder sehr, obwohl der Tabellenletzte mit Aleksander Spende einen weiteren Neuzugang verpflichtet hatte. Die Neuen konnten in den bisherigen Spielen zu selten als Leistungsträger vorangehen. «Es ist auch immer ein bisschen Glückssache, ob Verstärkungen sofort einschlagen», sagt Ebi. Viele Faktoren müssten im Mannschaftsport zusammenpassen, damit die optimale Leistung eines Spielers abgerufen werden könne.

Die Finanzierung ist kein einfaches Unterfangen

Die Finanzierung der Neuzugänge und auch der 1. Mannschaft, sei laut Ebi im Spitzenhandball kein einfaches Unterfangen. Im Schatten des grossen FC Basel sei es für den RTV schwierig, Gelder zu generieren. «In Randsportarten, wie dem Handball, muss jeder Verein um Gelder kämpfen», sagt Ebi und fügt an: «Den RTV gibt es seit 140 Jahren und wir geben alles, dass der Verein auch die nächsten 140 Jahre noch existiert.»

So wird auch die aktuelle Herausforderung mit dem Rücktritt von Christian Meier optimistisch angegangen. «Wir stehen vor einer sehr interessanten Aufgabe, kurzfristig eine tolle Lösung zu finden», sagt Ebi. Von der Mannschaft ist der Präsident weiterhin überzeugt. Der neue Trainer müsse es vorrangig schaffen, das Feuer im Team wieder zu entfachen. Dass Ebi selber wieder als Coach an der Linie stehen könnte, sei zwar nicht angedacht. Als erfahrender Handballfunktionär will er dies jedoch nicht ausschliessen.

Über mögliche Trainer-Kandidaten kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Berücksichtigt man verschiedene Faktoren, wie die Verfügbarkeit oder eine RTV-Vergangenheit, könnte man jedoch schnell auf Namen wie Arno Ehret, Silvio Wernli oder auch Florian Blumer kommen. Egal, wer auf Meier folgen wird: Die kommenden Wochen dürfen mit Spannung erwartet werden. In den beiden nächsten Spielen gegen Endingen und GC Zürich kann die Mannschaft das Vertrauen des Präsidenten rechtfertigen. Alex Ebi jedenfalls geht kämpferisch an die Sache heran: «Wir geben weiterhin alles, um den Abstieg zu verhindern.»

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