Badminton

Swiss Open: Der Basler Leuchtturm ohne Lichtgestalt

Das Badminton Swiss Open gibt Schweizer Athleten, hier Marion Gruber (links) und Sanya Herzig (rechts), immer wieder die Chance, sich mit der Weltspitze zu messen.

Das Badminton Swiss Open gibt Schweizer Athleten, hier Marion Gruber (links) und Sanya Herzig (rechts), immer wieder die Chance, sich mit der Weltspitze zu messen.

300 Millionen Haushalte weltweit können am Fernseher die Swiss Open in Basel verfolgen. Doch vor Ort kämpfen die Organisatoren um jeden Top-Spieler, Zuschauer und Rappen.

Eine Studie des Bundesamts für Sport kommt zum Schluss, dass in der Schweiz jährlich 230 000 Sportveranstaltungen durchgeführt werden. Vom 5.-Liga-Kick bis zur Champions-League-Gala, vom Nachwuchs-Schwingfest bis zum Senioren-Boccia. 47 Prozent dieser Veranstaltungen entfallen auf die Sportart Fussball. Badminton schafft es auf 2 Prozent. Eine Randsportart im klassischen Sinn. Umso erstaunlicher, beherbergt Basel mit den Swiss Open (10.–15. März) eines der weltweit führenden Turniere. Zumal die Schweiz im Badminton maximal Mittelmass darstellt und eine Figur wie Roger Federer an allen Ecken und Enden fehlt. Die Swiss Open: ein Leutturm ohne Lichtgestalt.

Kein Federer, Cologna oder Ammann

«Ich wünschte mir einen wie Federer, Dario Cologna oder Simon Ammann fürs Schweizer Badminton», sagt OK-Präsident Christian Wackernagel, und fügt mit einem leicht gequälten Lächeln an: «Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald hat unfassbares Glück.» Selbst starke Europäer oder Amerikaner würde Wackernagel mit Handkuss nehmen. Doch die Weltspitze kommt aus China, Indonesien, Malaysia, trägt Namen, die selbst der Platzspeaker kaum aussprechen kann, spricht bestenfalls gebrochen Englisch und ist hierzulande nicht vermarktbar.

Renommiertes Turnier

Dennoch: Dank der Verbreitung der TV-Bilder durch IMG Media erreichen die Swiss Open 300 Millionen Haushalte. «Alleine in China erreicht eine Station 80 Millionen», sagt Wackernagel fast ungläubig. Diese Einnahmen sind für das Turnier überlebenswichtig. 1,3 Millionen Franken beträgt das Budget der Swiss Open, 120 000 US-Dollar das Preisgeld. Das Turnier geniesst Grand-Prix-Gold-Status und gehört damit der zweithöchsten Kategorie an. Acht Olympia- und WM-Medaillengewinner hauen sich in diesen Tagen in der schnellsten Rückschlagsportart die Shuttles um die Ohren.

Kampf um Hauptsponsor

Dass das Turnier seit 1991 zum 25. Mal in der St. Jakobshalle über die Bühne geht, ist der Badminton-fanatischen Crew um OK-Präsident Wackernagel zu verdanken. Der Allschwiler sitzt seit der Geburtsstunde am Steuer. Damals übernahmen und retteten die Basler das finanziell angeschlagene Turnier von Lausanne. 3000 Zuschauer wohnten der Premiere bei. Als 1998 der damalige Titelsponsor Ciba wegen der Fusion mit Sandoz zu Novartis ausstieg, stand das Turnier auf der Kippe. Doch Wackernagel und sein Team gaben, angetrieben von Enthusiasmus und Durchhaltewille, nicht auf. Mit Wilson als Sponsor stieg das Turnier ab 2006 zu neuem Glanz auf, schüttete 200 000 Dollar Preisgeld aus, zählte 20 000 Zuschauer und gehörte der höchsten Kategorie mit weltweit 12 Turnieren an.

Spottpreis 25 Franken für Weltelite

«Doch die Anforderungen des Weltverbandes stiegen stetig», sagt Wackernagel. Unnötige Risiken wollte man keine eingehen. Denn auch heute noch kämpfen die Organisatoren fast täglich ums Überleben. Im letzten Jahr kamen knapp 15 000 Zuschauer. «Die gleichzeitig stattfindende Fasnacht, zwei FCB-Heimspiele und das gute Wetter setzten uns zu», sagt Wackernagel. Für das Jubiläumsturnier ist er optimistisch, sagt aber: «Wir müssen schauen, dass wir die Leute in die Halle bringen.» An den ersten zwei Tagen war der Eintritt gratis, danach sieht man die Weltelite zum Spottpreis von 25 Franken pro Tag.

Weiterer Schritt: WM in Basel

Erste Gespräche mit Hauptsponsor Yonex (2011–2016) über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit haben stattgefunden. Auch der Zustupf aus dem Swisslos-Sportfonds, der jährlich neu beantragt werden muss, ist überlebenswichtig, um die Ausgaben für Preisgeld, Halle, Infrastruktur und Logistik berappen zu können. Immerhin: Antrittsgagen für die Stars müssen im Badminton nicht bezahlt werden – dank einem Verbot des Weltverbands. Geld verdienen die Organisatoren mit ihrem Turnier trotzdem nicht. Sie sind froh, dass sie mittlerweile eine Aufwandsentschädigung kassieren. Von Lawrence Chew, Geschäftsführer von Swiss Badminton, erhalten die Basler für ihren Einsatz ein dickes «Bravo». Er wünscht sich, dass Wackernagel und Co. nach dem Umbau der Halle (ab 2020) die Durchführung einer WM ins Auge fassen.

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