Schweizer Cup
Sparflamme statt Feuerwerk: Der FC Basel gewinnt in Wettswil-Bonstetten mit 2:0

Der FC Basel gewinnt gegen den 1. Ligisten FC Wettswil-Bonstetten in der ersten Cup-Runde mit 2:0. Für die Tore im Zürcher Säuliamt sind Xhaka und Zuffi besorgt.

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FCB- Wettswil, Cup, erste Runde, 13.8.17
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Die Mannschaften laufen ein. Die Kulisse ist Super-League-würdig.
Der Uetliberg gab ein gutes Fotosujet ab.
Wettswil-Goalie Luca Thaler steigt zum Ball hoch.
Vor der Kulisse des Uetlibergs standen die Menschen, um den kleinen FC Wettwsil-Bonstetten und den grossen FC Basel zu sehen.
Davide Calla im Zweikampf mit einem Wettswiler.
Wettswil-Torhüter Luca Thaler hatte keine Chance.
Taulant Xhaka erzielte das erste Basler Tor.

FCB- Wettswil, Cup, erste Runde, 13.8.17

Keystone

«Hey, darf ich dein Trikot haben?» ruft ein kleiner Junge seinem Helden zu, der soeben den Platz nach dem Abpfiff verlassen hat. «Tut mir leid, aber das will ich selber behalten. Es kommt nicht so oft vor, dass ich eines trage, bei welchem mein Name hinten drauf steht», entschuldigt sich der Fussballer. Denn dieser Fussballer, der eben einen kleinen Fan enttäuschen musste, heisst nicht etwa Ricky van Wolfswinkel, Renato Steffen oder Taulant Xhaka. Nein, dieser Fussballer heisst Luca Thaler, ist Torhüter des FC Wettswil-Bonstetten und hat soeben das Spiel seines Lebens hinter sich gebracht. Zwar hat sein Team in der ersten Runde des Schweizer Cups eben 0:2 gegen den grossen, übermächtigen FC Basel, den Schweizer Meister und amtierenden Cupsieger verloren. Aber Thaler und sein Mitspieler haben es dem FCB in diesen 90 Minuten schwerer gemacht, als das irgendwer erwartet hatte.

Gleich auf acht Positionen rotiert

Vor dem Spiel schien die Ausgangslage klar. David gegen Goliath. Provinz-Verein gegen Liga-Primus . Alles andere als eine Kanterniederlage hätte überrascht. Weil das Spiel ernst genommen werde, rotierte FCB-Coach Raphael Wicky nicht auf elf, sondern im Vergleich zum Spiel gegen GC vom Donnerstag nur auf acht Positionen. Das Gerüst um Marek Suchy, Eder Balanta und Taulant Xhaka blieb bestehen, darum herum formierte sich eine neue, aber auf dem Papier immer noch beachtliche zweite Garde. Eine schlagkräftigte Truppe mit gestandenen Super-League-Spielern wie Renato Steffen oder Davide Callà, Neuzugang Dimitri Oberlin und den Nachwuchshoffnungen Dominik Schmid und Raoul Petretta.

Petretta und Callà mit zwei guten Chancen

Dennoch war sehr lange sehr wenig von einem Klassenunterschied, der immerhin drei Ligen beträgt, zu sehen. Petretta und Callà vergaben in den ersten fünf Minuten zwei gute Chancen, danach kam lange nichts mehr. «Hätten wir diese beiden Chancen genutzt, hätten wir am Ende vielleicht 3:0 oder 4:0 gewonnen», meinte Wicky im Nachgang. Stattdessen aber kam der FCB trotz Dominanz puncto Ballbesitz nie ganz Spiel. Immer wieder flogen Bälle ins Aus, weil der Platz schmaler als gewohnt ist. Immer wieder waren die Zuspiele zu unpräzise. So war es fast schon symptomatisch, dass der FCB eine Standartsituation benötigte, um in Führung zu gehen. Der gefoulte Taulant Xhaka legte sich den Ball selbst zurecht und verwandelte einen Freistoss aus 25 Metern direkt im linken unteren Eck. Ein schöner, gefühlvoller Schuss, gewiss. Aber auch einer, den Thaler hätte halten können, wie er nach dem Spiel auch selber zugab.

Keiner drängt sich auf

Das schon viel früher erwartete Führungstor der Basler war aber nicht so etwas wie ein Dosenöffner. Viel mehr blieb es bis in die 86. Minute und der kurz zuvor vorgenommenen Einwechslung von Luca Zuffi, einem weiteren gestandenen Spieler und dessen Tor zum 2:0, bei dieser knappen Führung. Zum einen, weil die Basler gegen ein sehr tief stehendes Wettswil-Bonstetten kaum Räume fanden und sich diese auch nicht konsequent genug erarbeitete, wie Wicky zugab. Zum anderen aber kam Basel nicht über mehr als eine erarbeitete Pflichterfüllung hinaus, weil der Gastgeber sich unheimlich gut verkaufte. Sowohl auf dem Platz, wo die Wettswiler in der 79. Minute beinahe noch den Ausgleich geschafft hätten. Als auch neben dem Rasen, wo alles für ein perfektes Cupfest getan wurde. Die Atmosphäre im Stadion Moos, das mit 4257 Zuschauern einen neuen Rekord feiern konnte, war einem grossen Fest würdig. Dass der Spielstand so lange so eng war, verhalf der Stimmung umso mehr, als dass die heimischen Fans lange auf den Lucky Punch hoffen konnten.

Gemischte Gefühle beim FCB

Die Basler hingegen mussten mit gemischten Gefühlen abreisen. Natürlich, man ist weiter, auch wenn man «schon grössere Feuerwerke von meiner Mannschaft gesehen hat», wie Wicky bilanzierte. Es war Fussball auf Sparflamme, ein richtiger Cup-Knorz. Auch eine Systemumstellung in der Pause von einem 3-4-3 auf ein 3-5-2 konnte dem nicht Abhilfe tun. Und auch individuell gab es wenige Glanzmomente. Jene Akteure, die sich hätten aufdrängen können, nutzen ihre Chance nicht. Weder ein Omar Gaber, noch ein Davide Callà oder ein sehr nervös scheinender und fehleranfälliger Pedro Pacheco konnten Wicky Gründe liefern, sie künftig öfter aufzustellen.

So war es für den FCB ein Tag, an dem man mit wenig Aufwand den maximalen Ertrag bekommen hat. Man ist eine Runde weiter und irgendwann fragt niemand mehr, wie dies geschafft wurde. Für den FC Wettswil-Bonstetten aber bleibt es ein Grossereignis, das man nie vergessen wird. Nicht nur wegen den Trikots, die ausnahmsweise mit dem Namen bedruckt waren.

FCB nach Chiasso, Old gegen Young Boys

Bis zum zweitletzten Los musste der FC Basel gestern warten, bis er endlich wusste, wer sein Gegner in der zweiten Cuprunde sein wird: der FC Chiasso. Die Basler Titelverteidiger müssen also im Tessin zum Sechzehntefinal antreten. Bei einem Team, das nur eine Liga tiefer, in der Challenge League, spielt und dort in der letzten Saison den achten Schlussrang in der Tabelle belegte. In der ersten Cuprunde hat sich Chiasso mit einem knappen 1:0 gegen Brühl durchsetzen können. An Zweitrunden-Duelle mit Chiasso hat der FCB aber gute Erinnerungen. In der Saison 2012/2013 mussten die Basler ebenfalls in Chiasso antreten - und bekundeten dort alles andere als Probleme. Mit einem deutlichen 4:1-Sieg schaffte man damals den Einzug in den Cup-Achtelfinal. Die Tore für die damals noch von Murat Yakin trainierten Basler erzielten Fabian Frei, Marcelo Diaz und Jacques Zoua, der gleich doppelt treffen konnte. Von der damaligen Mannschaft gehört heute einzig noch Germano Vailati zum Kader des FCB.

Das spektakulärere Los als der FCB haben hingegen die Old Boys bekommen. Nachdem sie sich in der ersten Runde im Derby gegen Concordia mit einem sehr deutlichen 7:2-Sieg haben weiterqualifizieren können, wartet nun ein ganz grosser Name auf den Basler Quartierverein: die Young Boys. Mit dem Vizemeister hat OB eines der schwerstmöglichen Lose überhaupt gezogen. Für das Basler Team aus der Promotion League dürfte das Duell mit YB zum Spiel des Jahres werden. Aber auch zu einer kaum lösbaren Aufgabe. Ausgetragen werden die Spiele der zweiten Cuprunde am Wochenende des 16./17. September. Genaue Anstosszeiten sind noch nicht bekannt. (cfe)

Telegramm:

Wettswil-Bonstetten - Basel 0:2 (0:1)

4257 Zuschauer (ausverkauft/Stadionrekord). - SR Schärer. - Tore: 38. Xhaka 0:1. 86. Zuffi 0:2.

Basel: Salvi; Pacheco, Suchy, Balanta, Petretta; Gaber, Schmid, Xhaka; Steffen (66. Van Wolfswinkel), Oberlin (83. Zuffi), Callà (66. Kutesa).

Bemerkungen: Basel ohne Bua, Lang, Vaclik, Elyounoussi, Serey Die, Traoré (alle nicht im Aufgebot). 92. Kopfball von Balanta an den Pfosten.

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