Swiss Indoors

So regen sich die Tennisfans über Wawrinkas Absage und das verpasste Spiel gegen Federer auf

Nein, Schnupfen hat Roger Federer nicht. Doch weil Stan Wawrinka nicht zum Schweizer Viertelfinal antrat, konnte der Lokalmatador am Freitag nur trainieren.

Nein, Schnupfen hat Roger Federer nicht. Doch weil Stan Wawrinka nicht zum Schweizer Viertelfinal antrat, konnte der Lokalmatador am Freitag nur trainieren.

Da Stan Wawrinkas Rücken streikt, fehlt den Swiss Indoors am Freitag auch Roger Federer. Das verursacht bei vielen Zuschauern Frust. Eine Entschädigung erhalten sie vom Turnier aber nicht.

Der Tickethändler vor der St. Jakobshalle wedelt mit zwei Billetts. Verzweifelt sucht er Abnehmer. «Ohne Federer und Wawrinka ist mein Job sehr schwierig», sagt er und läuft genervt davon. Eigentlich wäre es ein Leichtes gewesen, die Tickets am Viertelfinal-Freitag loszuwerden. Nach Stan Wawrinkas Krimi-Sieg gegen Frances Tiafoe könnte die Welt für die Swiss Indoors am Donnerstagabend nicht besser sein. Für knapp eine Stunde sieht es so aus, als würde es zum Schweizer Duell zwischen Roger Federer, dem filigranen Tenniskünstler, und Stan Wawrinka, dem kämpfenden Arbeiter, kommen. Doch die Glückseligkeit ist schnell vorbei. Wawrinka lässt an der Pressekonferenz die Träume der Schweizer Tennisfans wie eine Seifenblase platzen – wegen Rückenproblemen, die er sich im allerletzten Game zuzog.

Der Kater, der Wawrinkas Rückzug verursachte, ist am Freitag spürbar. Auch wenn einzelne Fans mit Federer-Shirts durch die Gänge laufen, gibt es den Tennisstar nur am frühen Nachmittag bei seinem Training auf dem Center Court zu sehen. «Es ist scheisse», sagt Marco Vesti, der zwei Stunden angereist ist, um den Schweizer Knüller zu bestaunen. «Das Duell wird es nicht mehr so oft geben, wenn überhaupt. Stan ist verletzungsanfällig und Federer wird nicht jünger», sagt er und fügt an, dass er immerhin gerne Fabio Fognini gesehen hätte. Doch der Italiener flog genau dann aus dem Turnier, als Wawrinka seinen Rückzug vermeldete.

Historische Absage löst Frust bei den Fans aus

Zum ersten Mal seit 2010 muss ein Spieler in Basel vor dem Beginn eines Spiels Forfait geben. Vor neun Jahren sagte Paul-Henri Mathieu sein Spiel gegen Viktor Troicki vorzeitig ab. Während dies damals kaum einen schockierte, ist die Absage Wawrinkas ein Stich ins Schweizer Tennisherz. «Donnerstagabend ging ich ins Bett und freute mich, Federer erstmals live spielen zu sehen. Am Freitagmorgen war plötzlich alles anders», nervt sich Francisco Otal, der zusammen mit einem Kollegen extra wegen Federer angereist ist. Seine Enttäuschung ist riesig: «Ich kaufe es Stan nicht hundertprozentig ab, dass er wegen seiner Rückenprobleme nicht spielen konnte.» Vielmehr hätte, so Otal, auch die absehbare Unterstützung im Spiel für Federer eine Rolle gespielt.

Entschädigung gibt es von den Swiss Indoors keine

Die Fans lassen ihrem Frust aber vor allem in den sozialen Netzwerken freien Lauf. Das persönliche Vergnügen wird über die Gesundheit des Spielers gestellt. «Wawrinka hätte es zumindest für die Fans versuchen können», heisst es in den Kommentarspalten. Aber auch die Organisatoren müssen sich einiges anhören. Aufgebrachte Nutzer fordern ihr Geld zurück. Von diesen Rückmeldungen zeigen sich die Organisatoren unbeeindruckt. Rückerstattungen gibt es keine, mit Absagen müsse man bei einem Sportanlass leider rechnen. Auch die formulierte Forderung, dass Frances Tiafoe, der gegen Wawrinka den Kürzeren zog, gegen Federer antreten solle, ist nicht realisierbar. Die ATP verhindert ein Nachrücken von Spielern, die im Hauptfeld verloren haben. Die sogenannte «Lucky Loser»-Regelung findet nur in der Qualifikation Anwendung.

Die Fans bleiben enttäuscht zurück. Francisco Otal wünscht sich ein «Alternativprogramm». Aber schon bei der Frage nach der Umsetzung entstehen Diskussionen. Otal schlägt ein Juniorenspiel vor, sein Kollege meint: «Da würde keiner zuschauen.» Letzten Endes müssen sich alle damit abfinden, dass es weder zu einem Schweizer Duell noch zu einer Entschädigung kommt. «Wir bedauern den verletzungsbedingten Rückzug ausserordentlich und wünschen Stan eine rasche und vollständige Genesung», lässt Turnierpräsident Roger Brennwald via Communiqué vermelden.

Auch ohne die beiden Schweizer Tennisstars ist das Stadion sehr gut gefüllt. Die Zuschauer klatschen artig, schöne Punkte entlocken begeistertes Gejohle. Der Viertelfinaltag wird den Fans jedoch ohne ein packendes Duell zwischen Federer und Wawrinka nicht über Jahre hinweg in Erinnerung bleiben.

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