Ein Blick aufs FCB-Matchblatt. Ein Stirnrunzeln. Tatsächlich: Statt Stammtorhüter Tomas Vaclik steht überraschend der erst 19-jährige Djordje Nikolic im Tor der Bebbi. Sein erster Profi-Einsatz für die Basler. Ein Aprilscherz? Mitnichten. Da Vaclik sich einen Grippevirus einfing kam gestern kurzfristig der junge Serbe zum Handkuss. Er sollte seine Aufgabe 90 Minuten später souverän erledigt haben.

Der Reihe nach. Im Vorfeld der Partie waren zweifelnde Stimmen aufgekommen. Wie würde der FCB die Trainingsabsenz von zwölf Nationalspielern während der Länderspielpause verkraftet haben? Könnten die St. Galler dem offensiv schwächelnden Liga-Primus, der in den letzten drei Spielen nur je einmal traf, gar ein Bein stellen?

Manuel Akanji über seinen Doppelpack:

Die Antwort lieferte Rotblau, als wohl noch nicht einmal alle 18509 Fans im Kybunpark Platz genommen hatten. Obschon aus einer Offside-Position gestartet, bugsierte Innenverteidiger Manuel Akanji den Ball nach sechs Minuten erstmals über die Linie. Der vorangegangene Zuffi-Freistoss war überhaupt die erste Chance der Partie gewesen.

Die Entscheidung nach 20 Minuten

Nebst dem Wechsel auf der Goalie-Position musste Urs Fischer auf die angeschlagenen Nationalspieler Traoré, Balanta und Serey Die verzichten. Wer hingegen taufrisch von seiner Landesauswahl zurückkehrte war Marc Janko. Der Österreicher erhielt im Sturm den Vorzug vor Sporar und Doumbia und zeigte in der 20. Minute, warum.

Zunächst leitete er mit einer starken Balleroberung im Routinier-Duell mit Karim Haggui einen FCB-Angriff ein. Dann schlich er sich im Rücken ebendieses Hagguis in den Strafraum und nickte eine Steffen-Flanke via Pfosten ins Tor. Dabei düpierte er nicht bloss irgendeinen Verteidiger. Der St. Galler Abwehrchef Haggui spielte in der Bundesliga bereits für Leverkusen, Stuttgart und Hannover.

Verteidiger Manuel Akanji steuerte beim 3:0-Sieg über St. Gallen zwei Tore bei.

Verteidiger Manuel Akanji steuerte beim 3:0-Sieg über St. Gallen zwei Tore bei.

Mit diesem Treffer war die Spannung raus aus einer Partie, die kaum einseitiger hätte beginnen können. «Heute waren wir effizienter als zuletzt. Wir konnten gleich zwei frühe Tore markieren und das macht das Spiel natürlich einfacher», fasste Luca Zuffi die Startphase treffend zusammen.

Joe Zinnbauer zog die Konsequenzen und ersetzte bereits in der 37. Minute den Ex-Basler Marco Aratore durch Mohamed Gouaida. Ein Wechsel, der die St. Galler etwas stabilisierte. Trotzdem hatten die Hausherren Glück, zur Pause nur mit zwei Toren in Rückstand zu sein. Delgado und Elyounoussi liessen vor dem Tee beste Gelegenheiten aus.

«Zweimal voll gepennt»

Zehn Minuten nach Wiederanpfiff machte es Akanji dann besser. Nach einer Ecke donnerte er das Leder in die Maschen. Es war dies, wie der strahlende Matchwinner nach Spielschluss sagte, sein erster Doppelpack seit der D-Jugend. Die Basler verstanden es, die katastrophale Zuordnung der St. Galler Hintermannschaft bei Standrads auszunützen. Deren Coach Zinnbauer konstatierte nach Spielschluss: «Bei den Standard-Toren haben wir zweimal voll gepennt.»

Dass es letztlich bei diesem Score blieb, lag in erster Linie an den Offensivreihen beider Teams. Die Basler liessen in der Person von Delgado, Zuffi und Akanji noch einige Chancen aus, während die Ostschweizer den jungen Djordje Nikolic erst in der 89. Minute erstmals richtig prüften. Nachdem Yanis Tafer plötzlich in bester Abschlussposition vor Nikolic stand, verweigerte dieser den St. Gallern gekonnt die Resultatkosmetik. Es war dies der Schlusspunkt einer FCB-Leistung, die man getrost als Senkrechtstart in die Schlussphase der Saison bezeichnen darf.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Julian Förnbacher: