CSI Basel
Pferdeflüsterer Hans-Dieter Dreher: Der Fachmann für schwierige Pferde

Der bodenständige Reiter, der sich aus dem Nichts an die Weltspitze katapultierte, begeistert am CSI Basel das Publikum. Hans-Dieter Dreher liess bei einem Weltcupspringen erst kürzlich sogar Olympiasieger Steve Guerdat hinter sich.

Daniel Weissenbrunner
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Star mit Bodenhaftung: Hans-Dieter Dreher kam aus dem Nichts und reiht seither Erfolg an Erfolg.Katja Stuppia

Star mit Bodenhaftung: Hans-Dieter Dreher kam aus dem Nichts und reiht seither Erfolg an Erfolg.Katja Stuppia

Katja Stuppia

Wenn Hans-Dieter Dreher in die St. Jakobshalle einreitet, gibt es schon mal Sonderapplaus oder ist ein «Hopp Hansi» zu hören. Überraschend ist das nicht: Erstens kommt «Hansi», wie er von allen genannt wird, mit seiner bodenständigen Art beim Publikum gut an. Und zweitens ist der CSI Basel für den 41-Jährigen ein Heimspiel. Dreher wohnt nur unweit der Grenze in Eimeldingen.

Aus dem Nichts ganz nach oben

Noch vor zwei Jahren fragte sich die breite Öffentlichkeit, wer dieser Hans-Dieter Dreher ist. Aus dem Nichts katapultierte er sich 2011 dann an die Weltspitze und verharrt seither beharrlich dort. Seinen grössten Erfolg feierte der zweifache Familienvater vor zwei Monaten. An seinem anderen Heimturnier, dem CSI von Stuttgart, gewann der Südbadener mit dem Hannoveraner Hengst Embassy sein erstes Weltcupspringen, vor Olympiasieger Steve Guerdat. «Keine Frage, das war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere», ordnet Dreher den Triumph in der Hans Martin-Schleyerhalle ein.

Hans-Dieter Dreher ist nicht der grosse Stilist, er ist ein Instinktreiter. Ihm wird attestiert, ein Fachmann für schwierige Pferde zu sein. Ein Pferdeflüsterer. Seine vorhandenen Fähigkeiten wurden bei der Arbeit mit seinem Top-Pferd Magnus Romeo sichtbar. Clarissa Crotta und später Beat Mändli kamen mit dem argentinischen Hengst nicht zurecht, ehe Mändli den Besitzern empfahl, das Pferd in die Obhut Drehers zu geben. Der Rest ist bekannt: Mit Magnus Romeos Besänftigung begann auch Drehers Höhenflug.

Die Unterstützung des Förderers

Wer Hans-Dieter Drehers Werdegang studiert, stellt fest, dass die Beziehung zu den Tieren organisch gewachsen ist. Mit acht Jahren bestritt er seine erste Springprüfung. Die Lehre absolvierte er auf dem elterlichen Hof. Und seit bald 20 Jahren lebt Dreher mittlerweile mit Ehefrau Marion und den Kindern Jonas und Ben auf dem Gestüt Grenzland, kurz «GG».

Besitzer der grosszügigen Anlage ist Hans Brändlin, der Arbeitgeber von Dreher. «Er ist wie ein zweiter Vater für mich, wir sind ein super Team», beschreibt er seinen grössten Förderer. Die aktuelle Weltnummer 19 weiss sehr wohl, was er Brändlin zu verdanken hat. «Er stellt mir hervorragende Pferde zur Verfügung, mit denen ich in Ruhe arbeiten kann. Dieses Vertrauen kommt mir im Parcours zugute.»

Das jüngste Familienmitglied heisst Colore mit dem er auch in Basel am Start steht. «Er ist eine klare Verstärkung.» Der zwölfjährige Holsteiner Hengst springt in der St. Jakobshalle für Magnus Romeo in die Bresche, der wegen eines Faserrisses mehrere Wochen ausfällt.

Weltcupfinale und WM

Spätestens am Weltcupfinale will Dreher wieder in Bestbesetzung antreten können. Es ist neben den Weltmeisterschaften eines seiner erklärten Saisonziele. Mit dem Sieg in Stuttgart ist er einer Teilnahme schon sehr nahe gekommen. Die 30 besten Europäer qualifizieren sich für den Event von Mitte April in Lyon. Dreher liegt momentan an elfter Stelle. Das Drehbuch stimmt.