Leichtathletik
Kugelstossen: Den einstigen Lehrer übertroffen

Kugelstosstalent Gregori Ott aus Liestal brilliert mit einem U20-Schweizer-Rekord. Neu in der Kategorie U20, die ersten Wettkampfstösse mit der 6-kg-Kugel, und gleich der Exploit.

Jörg Greb
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Gregori Ott führt in der Kategorie U18 die Rekordliste mit der Kugel und dem Diskus an.koell/Archiv

Gregori Ott führt in der Kategorie U18 die Rekordliste mit der Kugel und dem Diskus an.koell/Archiv

Bei 17,31m landete das Wurfgerät beim zweiten Versuch des Hallenmeetings vom LC Zürich im Bauch des Zürcher Letzigrundstadions. Freudenschreie, in denen die Überraschung mitschwingt.

Gregori Ott, der noch nicht 18jährige Werfer aus Liestal, überragte alle – nicht nur körperlich. Das war 24 Stunden später in St.Gallen nicht anders. Der 1,93 m grosse und 100 kg schwere Modellathlet, der seit die-
ser Saison für OB Basel startet, wollte es nach den «leider» nur drei Stössen in Zürich nochmals wissen, nun in St.Gallen. Sechsmal tritt er im schmucken Athletic Zentrum in den Ring und setzt zur anspruchsvollen Drehbewegung an. In Schwung kommt er aber nicht wunschgemäss. 15,70 m ist seine beste Weite.

«Ich war mir der Schwierigkeit dieses zweiten Wettkampfes bewusst», sagt der Sportgymnasiast. Eine Erwartungshaltung spürte er in sich nach dem Rekordstoss des Vortages. Nachdoppeln wollte er. Das misslang klar. «Die Spannung im Körper fehlte, ich benötigte länger zum Herunterkommen als erwartet», analysierte er. Signalisieren liess er sich aus seinem Umfeld, dass solches gerade für einen jungen Athleten typisch sei. Er folgerte: «Dieser Misserfolg war eine Erfahrung, die mich ebenso weiterbringt.»

Vergleiche mit Werner Günthör

Mit seinem Stoss am Vortag hat Ott die Lobeshymnen – Vergleiche mit Werner Günthör fallen – bestätigt und sich selber überrascht: «Ich wollte mich ans neue Gewicht herantasten und rechnete mir eine Weite von gut 16 Metern aus», sagte er. In der Kategorie U18 hatte er bis vergangenen Herbst die 5-kg-Kugel weggeschleudert. Die Umstellung glückte ihm vorzüglich. Der Rekordstoss gehörte zu den technisch besten seiner bisherigen Karriere – vergleichbar höchstens mit den 20 Metern, die er anlässlich von «Weltklasse Zürich» vergangenen September im Zürcher Hauptbahnhof mit der leichteren Kugel realisierte. «Vieles passte zusammen, mir erscheint die Weitenskala nach oben offen», sagte er nun zuversichtlich.

Junger Rekordhalter

Zutreffend ist die Aussage gewiss, auch wenn noch etwas Zeit für weitere Topstösse nötig sein könnte. Erreicht hat er bereits einiges. In der Kategorie U18 führt er die Rekordliste sowohl mit der Kugel wie mit dem Diskus an. Und jetzt verbesserte er den alten U20-Hallenrekord von Nico Marty (LC Vaduz) um nicht weniger als 1,46 m. Grössere Relevanz schenkt er aber der U20-Freiluftbestmarke von 17,16 m. Diese hält der Fricktaler Urs Hasler. Der aktuelle Schweizer Hallenmeister vom BTV Aarau erzielte sie vor bald zehn Jahren. Doch damals war das offizielle Gewicht dieser Altersstufe die 6,25 kg, damit kam Hasler auf 17,10 m.

Spannend ist, dass Hasler Ott unterrichtete – während seiner Ausbildung zum Bezirksschullehrer als Vikar in Mathematik und Naturwissenschaften. Nun bahnt sich ein Aufeinandertreffen im Kugelring an. Hasler sinniert bereits: «Wenn Gregori weiter solche Fortschritte macht, bin ich mehr als gefordert.»

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