Keine Panik, aber viele offene Fragen bei den Starwings

Die Starwings sind momentan weit weg von einem Playoff-Platz. Vier Siege und sieben Niederlagen ergeben im Achterfeld momentan Rang 6. Mit dieser ersten Zwischenbilanz ist beim einzigen Deutschschweizer Nationalliga-A-Klub niemand zufrieden.

Georges Küng
Merken
Drucken
Teilen
In Schieflage geraten: Justin Rutty (22) und die Starwings. zvg

In Schieflage geraten: Justin Rutty (22) und die Starwings. zvg

zvg

Viktor Mettler (42), der seit Sommer neue Teammanager der «Wings», ist nicht nur ein imposanter Zweimeter-Mann, sondern auch ein Mann der klaren Worte. «Hätte ich Möglichkeiten, in Form von Mittel, würden heute einige ihre Koffer packen». Diese markigen Worte sprach der frühere Nationalliga-Basketballer am Sonntag um 17.45 Uhr aus – zehn Minuten nach Abpfiff der 69:91-Heimspiel-Niederlage der Baselbieter gegen den Monthey.

«Not very amused»

Das Kofferpacken war primär auf Rokas Uzas bezogen. Der vermeintliche Leader und Punktegarant war ein Ausfall. Wie so oft in dieser Saison. 48 Stunden später, und nach profunder Analyse und vielen Einzelgesprächen, ist Mettler zwar weiterhin «not very amused», hat aber auch Erkenntnisse gewonnen, die bisher nie thematisiert wurden. Meist wurde, auch medial, auf die Mannschaft eingeschlagen (so nach den Kanterniederlagen auswärts bei den führenden Lugano und Neuenburg). Der Trainer blieb unbehelligt.

«An den technischen Qualitäten von Marko Simic gibt es keine Zweifel. Auch sein Engagement ist vorbildlich. Aber er ist ein sehr junger Trainer und muss noch lernen, wie man eine Mannschaft, in der einige Akteure älter sind, führt. Auch der Dialog ist verbesserungsfähig», so Mettler und Pascal Donati, der Vize-Präsident der Starwings. Aussagen eines (verletzten) Spielers, wonach «wir kein strukturiertes Basketball spielen» und Leistungsträger, die auf falschen Positionen spielen (Uzas, Arunas Vasiliauskas) sind Zeichen dafür, dass es zwischen Mannschaft und Trainer vielleicht nicht Dissonanzen, aber doch gewisse «atmosphärische Störungen» gibt.

Mannschaft ist «gefesselt»

Weil Simic (26), wie alle Schweizer Spieler, berufstätig ist und in dieser Woche an einem Kurs weilt, haben Mettler und Donati das Training übernommen. «Mit dieser Mannschaft müssten wir mit an der Spitze sein», sagt Routinier Povilas Cukinas (30), der stets solide Leistungen zeigt und wenigen Schwankungen unterlegen ist. Aufmerksamen Matchbesuchern ist aufgefallen, dass während der Partie die «Wings» oft untereinander diskutieren. Und Akteure führen mit dem Trainer einen steten Dialog (oder Diskussionen), der wiederum jeden Spielzug anzeigt und durch eifrigen Aktionismus auffällt. Man erhält das Gefühl, dass die Mannschaft «gefesselt» ist – oder zumindest aber in einem Korsett steckt – und wenig Spielfreude hat.

«Es fehlt auch am Selbstvertrauen. Nach der superben Vorbereitungsphase - trotz Verletzungen und Absenzen - mit lauter Siegen, auch gegen einen Erst-Bundesligis- ten, waren die Erwartungen sehr hoch», so der Tenor in der Equipe. Vielleicht haben alle, die Media inklusive, die Realität verkannt. «Mit der unnötigen Startniederlage in Genf gegen den Meister Les Lions begann das Malheur. Seit diesem Spieltag hinken wir den Erwartungen hinterher», so Mettler.

«Müssen uns alle hinterfragen»

Andererseits muss man sich bewusst sein, dass die Starwings das kleinste Budget (400’000 Franken) aller acht NLA-Vereine haben. Und in technischen Sportarten wie Basket-, Hand- oder Volleyball ist die Finanzkraft fast immer auch das Ebenbild der Rangliste. Und dennoch haben die Starwings angedeutet, dass sie das Potenzial und die Substanz besitzen, um zumindest um Rang 4 mitzuspielen. «Wir müssen uns alle hinterfragen und gewisse Anpassungen vornehmen», ist Manager Mettler überzeugt. Doch die nächste Aufgabe wird nicht einfacher. Am Samstag gastieren die Starwings beim Rekordmeister Fribourg, das in der Vorrunde das epische Duell gegen die Starwings in der Sporthalle Birsfelden nach drei (!) Verlängerungen mit 111:102 für sich entschieden hatte. Auch dort war Manager Mettler alles andere als «amused» gewesen.