Special Youth Camp

In diesem Training machen behinderte Jugendliche den FCB-Stars Konkurrenz

FCB-Spieler leisteten am Mittwochnachmittag einen Trainingseinsatz der speziellen Art. Zusammen mit behinderten Jugendlichen gingen Valentin Stocker und Co. auf Torejagd.

«Lattenschuss!», entfährt es George Marx. Der 16-Jährige jubelt begeistert und zappelt aufgeregt hin und her. Fragen beantworten behagt ihm nicht. George, der an Hemiparese leidet, einer unvollständigen Lähmung einer Körperseite, will Fussballspielen, sich bewegen - ganz einfach austoben.

Der Reinacher ist einer von rund drei Dutzend Jugendlichen, die in dieser Woche ans Special Youth Camp nach Basel angereist sind. Das Projekt wurde vor sechs Jahren von der Basler Stiftung Scort ins Leben gerufen und bietet Jugendlichen mit einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung die Möglichkeit an diesem Feriencamp teilzunehmen.

Valentin Stocker und Fabian Frei trainieren mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung

Valentin Stocker und Fabian Frei trainieren mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung

Zu ihnen zählt auch Monika Gomes. Die 29-Jährige ist wie George Marx begeisterter Fan des FC Basel. Beide schwärmen für Yann Sommer und Marco Streller.

Im Fall von Monika Gomes rürt die Sympathie von ihrem eigenen sportlichen Werdegang. Die psychisch und körperlich behinderte Baslerin spielt seit ihrem 13. Lebensjahr Fussball. «Zunächst im Tor und mittlerweile als Stürmerin.» Während sie Yann Sommer nur von den Matchbesuchen kennt, ist sie Marco Streller schon persönlich begegnet. Ihre Augen strahlen. Ihre zarte Stimme gewinnt an Kraft. Der Stolz ist unüberhörbar. «Ich glaube, er würde mich erkennen, wenn wir uns auf der Strasse begegnen würden.»

Neu auch eine Trainer-Ausbildung

Stolz sind auch jene Jugendlichen, die bei Scort eine Trainer-Ausbildung machen dürfen. Scort bietet diese seit 2012 an. Dies, nachdem Behinderte nach einem Fussball-Camp gefragt hatten, ob sie den auch Trainer werden können. Auf Seiten der Stiftung Scort schaute man damals nach Möglichkeiten.

Nun gibt es eine Lösung, die sich Tandem Young Coach-Ausbildung nennt. Dabei werden je ein Jugendlicher mit und ohne Behinderung zu einem Tandem zusammengeführt. Gemeinsam bilden sie ein Trainergespann. Bis die beiden Jugendlichen allerdings ein Gespann sind, braucht es Zeit. In einer achttägigen Ausbildung werden die Teams von Sonderpädagogen und klassischen Fussballtrainern betreut.

Das Camp ist denn auch die erste Reifeprüfung, welche die Tandems zu absolvieren haben, bevor sie in ihren jeweiligen Klubs - wie beispielsweise ins Dream Team von den Old Boys Basel - eingegliedert werden.

Valentin Stocker im Interview mit bz-Redaktor Daniel Weissenbrunner zu seinem Trainingseinsatz mit behinderten Kindern

Valentin Stocker im Interview mit bz-Redaktor Daniel Weissenbrunner zu seinem Trainingseinsatz mit behinderten Kindern

Die ersten Erfahrungen aus den Pilotversuchen im Jahr 2012 seien gut, sagt Projektleiterin Kristina Bohnstedt von Scort. Rekrutiert werden die Auszubildenden an Schulen oder bei Klubs, die eine Behinderten-Mannschaft führen. Oft seien es Sportstudenten oder junge Lehrer, die sich für die Tandem-Ausbildung anmelden, weiss Bohnstedt. «Von den Nicht-Behinderten braucht es eine noch grössere Flexibilität als es bei normalen Fussballtrainern der Fall ist. Und sie müssen lernen, wie sie sprachlich mit ihren Co-Trainern und den Spielern umgehen.» Oft brauche es noch eine klare Zeichensprache zusätzlich.

Momentan gibt es die Möglichkeit, sich als Tandem ausbilden zu lassen, nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz (dies im Rahmen der Football Club Social Alliance, welche von Scort koordiniert wird. Dazu gehören der SV Werder Bremen, Bayer 04 Leverkusen, FK Austria Wien und der FC Basel). Gemäss Bohnstedt will Scort aber das Engagement auf die weiteren Partnerklubs wie die Queens Park Rangers ausbauen.

Tipps von den Stars

Anweisungen und Tipps erhalten die Teilnehmer des Special Youth Camps nicht nur von ihren Tandem-Coaches, sondern auch von gestandenen FCB-Profis. Nicht Yann Sommer und Marco Streller tauchen am Mittwochnachmittag auf der Sportanlage St. Jakob auf. George Marx und Monika Gomes müssen sich mit Arlind Ajeti, Taulant Xhaka, Fabian Frei und Valentin Stocker «begnügen».

Fabian Frei im Interview mit bz-Redaktor Daniel Weissenbrunner

Fabian Frei im Interview mit bz-Redaktor Daniel Weissenbrunner

Die FC Basel-Akteure wohnen dem Training bei und nehmen sich für die Teilnehmer Zeit. «Es ist wunderbar zu sehen, mit wie wenig man im Grunde genommen jemanden eine Freude machen kann», sagt Valentin Stocker. Es sei alles andere, als eine mühsame Pflichtaufgabe. Fabian Frei pflichtet seinem Teamkollegen bei. Der Mittelfeldspieler ist bereits zum zweiten Mal am Camp als «Ratgeber» dabei.

Tipps und Tricks nimmt Monika Gomes von Valentin Stocker im gemeinsamen Kurzpassspiel sichtlich aufgeregt entgegen. «Deine Bälle kommen ja genauer, als die von Streller», lobt der Siegtorschütze des Champions League-Qualimatchs gegen Maccabi Tel Aviv und schmunzelt. Monika Gomes lacht verlegen zurück. Sie hat einen neuen Basler- Liebling gefunden - sicher.

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