YONEX Swiss Open

In Basel trifft die Badminton-Weltelite aufeinander – doch fast keiner weiss davon

Mit Lin Dan spielt in der Joggelihalle der Roger Federer des Badminton-Sports.

Mit Lin Dan spielt in der Joggelihalle der Roger Federer des Badminton-Sports.

Trotz 300 Millionen Fernsehzuschauern sind die Swiss Open in Basel so gut wie unbekannt.

Die Saiten seines Rackets sind gerissen. Gleich mehrere. Doch anstatt dass der junge Indonesier einen seiner Betreuer herbeiruft, packt er die Zange und flickt es selber. Bescheiden, unaufgeregt, ohne Allüren.

Es ist eine Szene, die auf den Trainingsplätzen des Badminton Swiss Open beobachtet werden kann. Und dieses Turnier in seiner Eigenheit zeigt. Seit Dienstag gastieren in der Joggelihalle zahlreiche Weltklasse-Spieler. Doch wirklich präsent ist dieser Anlass in Basel nicht. Die Erlaubnis für die Beflaggung der Stadt wäre da.

Und dennoch: Keine Fahnen sind zu sehen. Keine Plakate. Dazu fehlt den Organisatoren um Turnier-Präsident Christian Wackernagel das Geld. Der Druck der Fahnen ist schlicht zu teuer. Das Leben als Organisator ist alles andere als einfach. Missen würde ihn Wackernagel trotzdem nicht wollen. Zu deutlich wird seine grosse Liebe zum Badminton-Sport, wenn man sich mit ihm unterhält. Mitten in einem Wettkampftag. Spontan. Eine alles andere als selbstverständliche Situation. Schliesslich ist er der Chef eines Anlasses, der am Wochenende von 300 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt werden wird. Der aber dennoch kaum Beachtung findet ausserhalb seiner Szene.

Hoffen auf schlechtes Wetter

Auf dem Weg in die Joggelihalle an diesem Donnerstagnachmittag wird umso deutlicher, wie stark unter dem Radar dieser Weltanlass in Basel fliegt. Es ist der Tag der Achtelfinals. Davon zu spüren ist aber nichts. Das Fieber, das während der Tage der Swiss Indoors jeweils in der Luft liegt, sobald man beim Aeschenplatz das Drämmli 14 besteigt, existiert nicht.

Der Bereich vor dem Eingang ist vereinsamt.

Der Bereich vor dem Eingang ist vereinsamt.

Der 14er ist beinahe leer. Und auch bei der Ankunft wird deutlich: Viele Andere haben sich an diesem herrlichen Frühlingstag nicht zur Joggelihalle verirrt. Ohnehin ist das schöne Wetter ein Fluch für das Turnier. Die Leute bleiben lieber draussen. So hofft man bei der Turnierleitung, dass es am Wochenende wie prognostiziert regnen wird. «Dann kommen die Leute vielleicht eher noch spontan her», sagt Wackernagel.

Der Eingang – an einem vergleichbaren Tag der Swiss Indoors schon Stunden vor den grossen Spielen vor lauter Leuten kaum zu sehen – er ist leer. Komplett. Securitas gibt es an den Swiss Open genau so wenig wie Bodyguards. Am Empfang stehen einzig einige der insgesamt 200 Helfer, die allesamt ehrenamtlich arbeiten, und begrüssen jeden, der hereinkommt.

Auch sie wissen, dass der Ansturm überschaubar bleiben wird. Im Innenraum begegnet man Spielern. Sie bewegen sich frei, geniessen ihr Essen in einem Restaurant neben Besuchern und Medienschaffenden, zeigen keine Berührungsängste. Eine Situation, die bei den Swiss Indoors undenkbar wäre. Genau so, wie dass der Spielereingang nicht bewacht wird. An den Swiss Open ist aber eben alles familiärer, unkomplizierter. Sowohl auf als auch neben den Plätzen. Der grosse Andrang bleibt an diesem Nachmittag aus.

Auf den Rängen sitzen Spieler, Ex-Spieler, Trainer, Schiedsrichter. Und, wenn überhaupt, zwei Handvoll Zuschauer. Dass mit Lin Dan in wenigen Stunden der Roger Federer des Badminton-Sports hier spielen wird, muss man dem Programm entnehmen, sonst würde man kaum darauf kommen. Aber genau dazu passt auch ins Bild, dass der chinesische Superstar, der sich in Asien nirgends unerkannt bewegen kann, mit dem Drämmli in die Joggelihalle fährt. Einfach, weil es ihm Spass mache.

Basels Namen nach Asien tragen

Bleibt Lin Dan noch länger im Turnier, dann rechnet Wackermann vor allem am Samstag mit vollen Rängen. Dann kommen die Badminton-Fans aus der ganzen Schweiz und dem grenznahen Ausland nach Basel. Sie werden dann sehen, wie ein Turnier, das in seinem Sport vergleichbar ist mit der Champions League, den Namen Basel in die vorwiegend asiatische Welt tragen wird und Millionen vor dem Fernseher fesseln wird. Derweil wird der FC Basel nur wenige Meter weiter im Joggeli GC empfangen. In einem Spiel, in dem es gemessen daran um weniger geht. Und dennoch werden dieses gut 25 000 Fans live mitverfolgen. Etwas, wovon der Weltanlass Swiss Open nur träumen kann.

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