FC Basel
«Ich traue uns den Exploit zu» - Streller bleibt vor dem Spiel gegen Manchester zuversichtlich

Für Marco Streller ist das Duell gegen Manchester United Debüt, Chance und Rückkehr zugleich. 2011 trat der Ex-FCB Stürmer in der Champions League im Old Trafford auf - und feierte dort mit Basel das unerwartete Unentschieden

Céline Feller
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Ex-Stürmer und jetziger Sportchef des FC Basel Marco Streller gibt sich vor dem Spiel im Old Trafford, in dem er einst selbst für den FCB auflief, optimistisch

Ex-Stürmer und jetziger Sportchef des FC Basel Marco Streller gibt sich vor dem Spiel im Old Trafford, in dem er einst selbst für den FCB auflief, optimistisch

KEYSTONE

Wenn Marco Streller an Manchester denkt, hat er beinahe ausschliesslich positive Erinnerungen. Als Spieler konnte er United im Joggeli mit 2:1 besiegen und aus der Champions League werfen – und im Old Trafford rangen die Basler in einem sensationellen Spiel dem englischen Rekordmeister ein 3:3 ab. Jetzt geht es für Streller in neuer Funktion zurück an jene Stätte, an der er einen seiner Karrierehöhepunkte hatte erleben dürfen. Das erste Spiel als Sportchef absolviert er ausgerechnet hier. Trotz Formkrise seines Teams will er versuchen, sich seine durchweg positiven Gedanken an das «Theatre of Dreams» zu bewahren. Vor dem grossen Spiel spricht Streller über ...

... die Ausgangslage: «Die Vorzeichen waren vor sechs Jahren ähnlich. Auch damals sind wir erschwert in die Saison gestartet, dann kam das Spiel in Manchester und auch da hat uns kaum jemand etwas zugetraut. Solche Spiele muss man immer als Chance sehen. Und genau das machen wir jetzt. Vor allem wir, die wir in der Verantwortung stehen. Wir sind uns aber alle bewusst, dass der vergangene Samstag wahrscheinlich der Tiefpunkt dieser Saison gewesen ist. Selbstvertrauen haben wir nicht holen können.»

Vor sechs Jahren war die Ausgangslage in der Champions League beinahe die selbe, wie heute Manchester United - Basel 3:3 (2:0)

Vor sechs Jahren war die Ausgangslage in der Champions League beinahe die selbe, wie heute Manchester United - Basel 3:3 (2:0)

Keystone

... die Chancen in diesem Spiel: «Es wäre vermessen zu sagen ‹die hauen wir weg›. Aber es ist eine Chance nach diesem Saisonauftakt. Ein Spiel kann alles ändern. Es kann zu einem Türöffner in der Meisterschaft werden. Ich traue den Jungs absolut einen Exploit zu, sonst hätten wir gar nicht herkommen müssen.»

... die Hoffnung, unterschätzt zu werden: «Klar haben wir diese Hoffnung. Wenn du gegen ein Team wie Manchester United spielst, hast du von zehnmal vielleicht zweimal eine Chance – wenn überhaupt. Aber das musst du auf dem Feld spüren als Spieler, wenn du merkst, dass dir der Gegner etwas gibt, dann musst du zupacken. In diesem Moment musst du Spieler haben, die vorne weg gehen. Und ich habe das Gefühl, die haben wir.»

... ebendiese Spieler, die zu Leadern werden müssen: «Einer muss das Zepter übernehmen und die anderen anstacheln. Da sind die zentralen Positionen sehr wichtig. Es passt zur momentanen Situation, dass wir Serey Die auch noch verloren haben. Er wäre einer gewesen, der in solchen Spielen wichtig gewesen wäre. Jetzt aber fokussiert sich sehr viel auf Tauli (Xhaka), weil er auch dieser Leader sein kann. Neben sich hat er Luca Zuffi, der sehr viel Erfahrung hat. Und hinten haben wir sowieso grosse Qualität, und beispielsweise mit Marek (Suchy, d. Red.) auch grosse Erfahrung. Michi Lang und Renato Steffen sind ebenfalls schon lange dabei und müssen ebenfalls Verantwortung übernehmen. Und Ricky (van Wolfswinkel, d. Red.) hat diese Erfahrung ebenso, er ist ein Leader. Ausserdem werden in solchen Spielern auch immer neue Leader geboren.»

Tauli wird immer mehr zu einem Führungsspieler beim FCB

Tauli wird immer mehr zu einem Führungsspieler beim FCB

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

... den Mangel an physischen Spielern im Kader: «Es stimmt tatsächlich, dass wir physisch im Moment nicht sehr stark aufgestellt sind. Hinten haben wir grosse Spieler, aber vorne fehlen diese. Wir haben neben van Wolfswinkel vor allem Spieler, die über die Geschwindigkeit kommen und nicht über die Physis. Dieses Profil, vom physischen und grossen Spieler, haben wir nicht. Vielleicht geht ja heute oder morgen noch etwas auf dem Transfermarkt – in der Schweiz, anders wird es ja schwierig. Ich kann es aber erst erzählen, wenn es so weit ist. Aber wir machen uns schon Gedanken. Nach dem Rücktritt von Matías Delgado noch mehr. Seine Position muss nicht zwingend ein Mittelfeldspieler übernehmen, sondern da machen auch zwei Stürmer Sinn.»

... den Gegner: «Sie stehen relativ hoch, lassen handkehrum den Gegner aber auch spielen. Was mich sehr beeindruckt, ist, wie unglaublich variabel sie sind. Sie könnten gegen uns ein komplett anderes System spielen, als sie dies gegen Stoke getan haben. Und wenn sie einen Konter fahren, dann tun sie das in einem Tempo und mit einer Masse, das ist unglaublich. Hinzu kommt, dass sie glaube ich sechs Spieler haben, die über 190 Zentimeter gross sind (United ist das zweitgrösste Team der Premier League, hinter West Bromwich, d.Red.). Ich habe aber auch gesehen, dass sie sich in der Defensive bei ruhenden Bällen sehr auf ihre Grösse verlassen. Das kenne ich von mir selber. Das wird oft sehr statisch. So haben sie gegen Stoke auch den Gegentreffer per Kopf bekommen. Aber man muss schon sehen, dass wir gegen eine unglaubliche Mannschaft spielen die wahrscheinlich noch stärker ist als jene, gegen die wir 2011 gespielt haben.»