Leichtathletik
Gregori Otts erstes Rendezvous mit Europas Elite

Der Liestaler Kugelstösser Gregori Ott will an der Hallen-EM in Prag (5.–8. März) mehr als nur Erfahrungen sammeln, auch wenn die Vorbereitung alles andere als optimal verlaufen ist.

Cedric Heer
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In Form: Gregori Ott aus Liestal.

In Form: Gregori Ott aus Liestal.

KEYSTONE

Krank, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Was Normalsterblichen nur allzu gut bekannt ist, trifft hin und wieder auch Spitzensportler. So geschehen bei Gregori Ott, dem Kugelstösser der Basler Old Boys, der unlängst den Schweizer U23-Hallenrekord von Werner Günthör um 63 Zentimeter auf 18,64 m verbessert hat. Heute fliegt der 20-Jährige nach Prag, um an seinem ersten grossen internationalen Einzelevent der Elite mitzumischen, noch am Sonntag lag er aber mit grippeähnlichen Symptomen im Bett.

«Das kam wie angeschossen, gleich schnell war es dann zum Glück aber auch wieder weg», sagt Ott. Angst, etwas von seiner herausragenden Form eingebüsst zu haben, hat er keine. «Klar waren im ersten Moment gewisse Gedanken da, ob Prag nun gefährdet sei, ich bin mir meiner Form aber bewusst. Und mit den 18,64 Metern ist mein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft», sagt Ott.

Ungewohnte Voraussetzungen

Sich keinen Stress machen und nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen, nennt Ott den Schlüssel zum Erfolg. «Ich bin der Typ, der relativ schnell nervös wird und sich zu viele Gedanken macht.» Deshalb kommt es dem 1,96 Meter grossen Hünen entgegen, dass der Wettkampf für ihn bereits am Donnerstagabend (18 Uhr) mit der Qualifikation startet. «Nach meiner Ankunft stehen die Erholung und Fokussierung auf den Wettkampf im Vordergrund», sagt Ott vor er Abreise.

Trainiert hat er in der letzten Zeit sowieso genug. Durch die Qualifikation für Prag hat eine grosse Umstellung stattgefunden. Da die Hallensaison normalerweise nur bis Mitte Februar dauert und mit den Schweizer Meisterschaften abgeschlossen wird, musste Ott seine Planung auf den neuen Saisonhöhepunkt ausrichten. «Ich trainierte mehr als sonst, vor allem die Kraft und der mentale Bereich standen im Fokus», sagt Ott.

Dass sich Ott in beneidenswerter Form befindet, zeigen die Zahlen der vergangenen zwölf Monate. An den Schweizer Hallenmeisterschaften 2014 stiess er die Kugel auf eine Weite von 16,05 Meter und holte mit 71 Zentimetern Vorsprung Gold. Ein halbes Jahr später an den Schweizer Meisterschaften draussen erreichte der damals 19-Jährige bereits eine Weite von 17,33 Metern. Und vor knapp einem Monat an einem Hallen-Event im deutschen Rochlitz standen 18,64 Meter auf dem Weitenmesser – Schweizer U23-Hallenrekord und Platz 3 in der Schweizer HallenBestenliste. Mit einer Steigerung um 2,6 Meter im vergangenen Jahr ist Ott auf den Spuren des vierfachen Weltmeisters Werner Günthör.

Die nächsten Rekorde scheinen nicht mehr fern und lediglich eine Frage der Zeit. «Für mich ist es eine gewaltige Leistung, dass ich mich überhaupt für Prag qualifiziert habe», stapelt Ott zunächst tief. Dennoch will er nicht nur nach Tschechien, um Erfahrungen sammeln zu können. «Ich habe klare Ziele und will mein Bestes zeigen», sagt er. In Weite ausgedrückt ist die 19-Meter-Marke anvisiert: «Ich bin gespannt, wie das rauskommt.»

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