28. August 2002

Gänsehaut trotz Corona: Gimenez und Yakin schiessen den FC Basel gegen Celtic in die Champions League

Am 28. August 2002 besiegte der FC Basel Celtic Glasgow im Joggeli mit 2:0 und zog erstmals in die Champions League ein.

Am 28. August 2002 besiegte der FC Basel Celtic Glasgow im Joggeli mit 2:0 und zog erstmals in die Champions League ein.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Den Anfang macht das 2:0 im Joggeli gegen Celtic Glasgow. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Der international grösste Erfolg des FCB

Lead: Mit einem 2:0-Sieg, zu dem er die Tore schon in den ersten 22 Minuten schoss, machte der FCB gegen Celtic Glasgow das 1:3 aus dem Hinspiel wett und qualifizierte sich als zweites Schweizer Team für die Champions League.

von Hansjörg Schifferli (AZ vom 29.8.2002)

C. Jäggi hat heute einen Termin in Monaco. Nicht als schlagzeilenumrauschter Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, der er wohl bald sein wird, sondern als stolzer Präsident des FC Basel, der er noch ist. Im Fürstentum wird Jäggi an der Auslosung der Champions-League-Gruppen den Schweizer Meister repräsentieren dürfen, der dem ganzen Schweizer Fussball gestern den grossen Dienst erwiesen hat, sich für die viele Millionen schwere Königsklasse zu qualifizieren. Als zweiter Verein aus der Nationalliga A nach den Grasshoppers 1995 und 1996.

Mit einer kämpferisch beeindruckenden, in der ersten Halbzeit auch spielerisch überzeugenden Leistung schafften es die Basler, das 1:3 aus dem Hinspiel wettzumachen. Nach dem 2:0 war nicht mehr der dritte Gegentreffer, den sie in Schottland kassiert hatten, das «eine Tor zu viel», wie sie befürchtet hatten. Jetzt war das Auswärtstor, das sie damals schon nach zwei Minuten geschossen hatten, das entscheidende Plus im Duell zweier weitgehend ausgeglichener Teams.

30 000 Zuschauer im ausverkauften St.-Jakob-Park feierten diesen Sieg überschwänglich auch als das, was er in der Geschichte des Vereins ist: der gröste internationale Erfolg. Im Abwehrkampf der zweiten Halbzeit hatten die Basler gewiss auch ein wenig Glück; noch in der Nachspielzeit flog ein 16-m-Ball Chris Suttons, für Pascal Zuberbühler unerreichbar, nur um Zentimeter am Pfosten vorbei. Aber das war nichts als gerechte Kompensation für die Ereignisse von Glasgow, als die Schotten mit zwei Toren Differenz im Verhältnis zu den Leistungen über Gebühr gut bezahlt worden waren. Deshalb auch ist dieser Erfolg des FCB durchaus verdient.

Das Handicap von Glasgow in einen Vorteil umgewandelt hatten die Basler vor eigenem Publikum schon nach 22 Minuten, mit einem jener Starts, wie sie für Mannschaften von Christian Gross an guten Tagen so typisch sind. Ja, solche Auftritte scheinen geradezu vom Reissbrett des FCB-Trainers aus Zürich-Höngg zu kommen, des einzigen Schweizer Fussballlehrers, der es bisher geschafft hat, seine Mannschaft(en) in die Champions League zu führen.

Seine Basler bekamen den Gegner nämlich von der ersten Minute an in den Griff; sie schafften schon nach acht Minuten, was ihr primäres Ziel gewesen war, ein frühes Führungstor. Christian Gimenez konnte nach einem sagenhaften Pass Hakan Yakins allein auf Torhüter Robert Douglas zulaufen und schob den Ball kühl an ihm vorbei. Und erst 22 Minuten waren gespielt, als es schon 2:0 stand, als gar alle Vorteile beim FCB lagen: Mario Cantaluppi trat einen Eckball, Murat Yakin setzte ihn mit einem seiner typischen Kopfbälle, als Aufsetzer, ins Tor.

Mit einem Blitzstart also hatte der FCB die Wende erzwungen, obwohl sich Gross doch nicht hatte dazu durchringen können, drei Stürmer aufzustellen. Er blieb beim üblichen 4-3-1-2 mit Carlos Varela als rechtem Mittelfeldspieler statt Hervé Tum als drittem Angreifer. Obwohl Varela eher wenig Dienste leistete, ging des Trainers Rechnung auf. Sie ging auch auf, weil jeder seine Pflicht erfüllte, weil alle auch mental bereit waren, wie der Trainer vor allem gefordert hatte. Und weil einzelne gar noch mehr boten.

Das galt beispielsweise für Zuberbühler, den Goalie, der in zwei, drei Szenen brillant reagierte - vor allem in der 72. Minute, als er einen Kopfball Johan Mjällbys aus wenigen Metern abwehrte. «Aber ich muss die Komplimente an die Mannschaft weitergeben, die grossartig kämpfte», sagte Zuberbühler am Ende, «und jetzt werden sie in Basel alle sehen, wie schön es sein wird, in der Champions League zu spielen.» Der Goalie weiss es als einer der wenigen Basler, denn er stand, wie Murat Yakin und Toni Esposito, in jenem GC-Team Gross’, das Mitte der Neunzigerjahre die Schweizer Fussballgemeinde so verzückt hatte, wies gestern der FCB tat.

Andere, die besonders gut spielten, waren die Brüder Murat und Hakan Yakin, waren die erstaunlichen Walliser Verteidiger Alexandre Quennoz und Grégory Duruz, waren Mario Cantaluppi und Gimenez. Da half den Schotten auch nichts mehr, nach der Pause vom 4-4-2, das sie möglicherweise in Erwartung dreier Basler Stürmer anfangs gewählt hatten, zum 3-5-2 zurückzukehren, mit zwei offensiv stärkeren Männern auf den Flanken. Denn es blieb dabei: Ihr wichtigster Mann, Topskorer Henrik Larsson, konnte sich nicht durchsetzen. Und ohne seine Tore gehts bei den Schotten offensichtlich nicht. «Wir wollten am Anfang kein Tor kassieren und führten stattdessen 2:0», staunte Cantaluppi, «es war auch ein wenig Glück dabei, aber jetzt warten sechs grosse Spiele.» Sie warten auch auf Christian Gross. Denn ad acta zu legen ist nun wohl, was sonst Thema der nächsten Tage gewesen wäre: dass Jäggi seinen Erfolgstrainer, wie er offensichtlich vorgesehen hätte, nach Kaiserslautern mitgenommen hätte.

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