Biathlon
Ein «Sibirier» schlägt die Oberbaselbieter

Mario Dolder und Lukas Meier erreichen beim Swiss-Cup-Saisonauftakt die Ränge 2 und 4. Die beiden Oberbaselbieter gelten in ihrer Sportart als Exoten: Von ihren Teamkollegen werden sie «Flachländer» genannt.

Von Andreas Fretz, Realp
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Die Biathleten Lukas Meier und Mario Dolder

Die Biathleten Lukas Meier und Mario Dolder

bz Basellandschaftliche Zeitung

Als Mario Dolder am letzten Samstag aus dem Fenster seiner Biathleten-WG blickte, zeigte das Thermometer minus 18 Grad an. Keine idealen Bedingungen zum Saisonauftakt in Realp. Wenn Dolder beim Schiessen den nackten Zeigefinger aus dem Schlitz seines Handschuhs streckt, braucht es viel Gefühl am Abzug. Die kühlen Temperaturen behagen dem Zeglinger nicht. Es verwundert nicht, dass Dolder und sein Kollege Lukas Meier von einem Mann aus La Brévine geschlagen wurden. Im Neuenburger Ort werden regelmässig die tiefsten Temperaturen gemessen. Deshalb wird La Brévine auch «Sibirien der Schweiz» genannt.

Doch zurück zum Thermometer in der Biathleten-WG. «Dieses zeigt immer etwas zu wenig an, wahrscheinlich warens also nur minus 16 Grad», erklärt Dolder mit einem Schmunzeln. Dass sich der 20-Jährige im Haus so gut auskennt, hat einen Grund: Er wird den Grossteil des Winters im nationalen Leistungszentrum der Biathleten in Realp verbringen. Dolder ist eine der ganz grossen Nachwuchshoffnungen der Schweiz. 2009 gewann er bei der Jugend-WM Bronze. Ein Jahr später, bei seiner ersten Junioren-WM, erreichte er die Plätze 7 und 14. Im selben Jahr wurde Dolder zweifacher Schweizer-Junioren-Meister.

Markus Segessenmann ist der Cheftrainer des C-Kaders. Im C-Kader trainiert auch der Nachwuchs. «Mario ist zielstrebig, pflichtbewusst, gut organisiert und fleissig», schwärmt Segessenmann. Bei Lukas Meier sieht er noch Steigerungspotenzial: «Er muss noch einen Gang zulegen, die Trainingsumfänge steigern und fleissiger werden.» Meier ist ein Jahr jünger als Dolder. Für den Mann aus Lausen ist es die erste Saison bei den Junioren.

Meiers Freude über den vierten Platz beim Saisonauftakt war gross. Im Gegensatz zu Dolder, der für die Junioren-WM im Januar fast schon gesetzt ist, muss Meier durch gute Resultate auf sich aufmerksam machen. Sieben Swiss-Cup-Rennen bilden die Grundlage für die Qualifikation. Vier Athleten werden sich qualifizieren. Meier ist nach dem Saisonauftakt also auf Kurs.

Die beiden Oberbaselbieter gelten in ihrer Sportart als Exoten. Von ihren Teamkollegen werden sie «Flachländer» genannt. Beide sind durch den Langlauf zum Biathlon gekommen. «Biathlon bietet eine zusätzliche Herausforderung, die Spannung im Wettkampf ist grösser», sagt Dolder, «man muss beim Schiessen den Puls kontrollieren. Deshalb muss man auch mit Köpfchen laufen.» Auch Meier findet Biathlon «einfach interessanter und abwechslungsreicher als Langlauf».

Dass die beiden Exoten im Doppel auftreten, kommt ihnen, vor allem in den Sommermonaten, sehr entgegen. «Wir pushen uns gegenseitig, trainieren zwei- bis dreimal pro Woche zusammen», sagt Dolder. «Auch für den mentalen Bereich ist es wichtig, dass wir zu zweit sind», sagt Meier, «so macht es einfach viel mehr Spass.»

Meier und Dolder betreiben nicht nur dieselbe Sportart, sie absolvieren auch dieselbe Schule. Sie besuchen die Sportklasse des Gymnasiums in Liestal, Schwerpunkt Wirtschaft. Doch während Dolder mitten in den Abschlussprüfungen steckt, muss der Jüngere noch ein Jahr über die Bücher. Wegen der Schule wohnt Meier auch noch zu Hause in Lausen, während Dolder, der in zwei Wochen mit den mündlichen Prüfungen abschliesst, mehr Zeit in Realp verbringt. Nach der Schule beginnt für Dolder das «Projekt Sotschi 2014». Die Olympischen Winterspiele locken, und so will er voll auf die Karte Spitzensport setzen.

Doch das nächste Ziel ist die Junioren-WM in Tschechien. «Ich strebe einen Platz in den Top 5 an», sagt Dolder, «wenn alles passt, ist das ein realistisches Ziel.» Mit ihrem Formaufbau zeigen sich die beiden Oberbaselbieter zufrieden. Der erste Wettkampf verlief für Dolder indes nicht ganz optimal: «Ich hatte Krämpfe im Schienbeinbereich und konnte nicht recht laufen, deshalb bin ich mit dem zweiten Rang nicht ganz zufrieden.» Meier hat läuferische Fortschritte festgestellt, war aber mit dem Resultat beim Schiessen nicht restlos zufrieden. Doch vom Exoten-Duo darf man auch in Zukunft noch einiges erwarten. Und nicht immer bewegen sich die Temperaturen auf sibirischem Niveau.

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