FC Basel

Ein Gerüst für den FCB - eine Kaffeemaschine von daheim für Davide Callà

FCB Training (2)

FCB Training (2)

Seit sechs Jahren kommen die FCB-Stars an den Tegernsee. Man nennt sie Freunde – nicht bloss Gäste. Davide Callà bringt trotzdem die Kaffeemaschine von daheim mit.

Als die FCB-Stars am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr beim Park-Hotel Egerner Höfe ankommen, erwartet sie Page Horst Krusche freudig. Natürlich im FCB-Shirt, geziert mit zahlreichen Unterschriften der Fussballer. Jeden einzelnen begrüsst er und irgendwann meint Krusche: «Das sind nicht Gäste, das sind Freunde.»

Luca Zuffi über das perfekte Wetter fürs Training und die Trainingsmethoden des neuen Trainers

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Genau so werden die Basler hier am Tegernsee behandelt. Bereits zum siebten Mal kommen sie in die Bayrischen Alpen, um sich auf die Mitte Juli beginnende Meisterschaft vorzubereiten. 2011 kamen sie unter Thorsten Fink erstmals an den Fuss des Mangfallgebirges 50 Kilometer südlich von München. Kein Zufall, bis Jürgen Klinsmann 2008 Trainer des FC Bayern wurde, kam der deutsche Rekordmeister jahrelang hierher, um sich auf die Saison vorzubereiten. Mit dabei einst auch Bayern-Spieler Fink.

Auch Gladbach und Liverpool

So freundlich die Begrüssung am Samstagnachmittag, so garstig das Wetter am Sonntagmorgen als die FCB-Spieler erstmals mit Ball trainieren. Tief hängen die Wolken in den Tälern. Die Segelschiffe bleiben in den Häfen. Der Regen gibt plätschernd den Ton an. Trotzdem wird trainiert, doch ausnahmsweise wird das Team von Trainer Raphael Wicky mit dem Mannschaftsbus zur Sportanlage Birkenmoos chauffiert.

Für den FC Basel scheut der FC Rottach-Egern keine Mühe: Damit Mauro Vivarelli die FCB-Trainingseinheiten auf Video aufzeichnen kann, wurde eigens ein Gerüst gebaut.

Für den FC Basel scheut der FC Rottach-Egern keine Mühe: Damit Mauro Vivarelli die FCB-Trainingseinheiten auf Video aufzeichnen kann, wurde eigens ein Gerüst gebaut.

Der FC Rottach-Egern spielt zwar in der drittuntersten Liga, doch Rasen genügt internationalen Ansprüchen, ist hergerichtet für die Fussball-Stars. Jetzt Basel, Ende Juli Gladbach und gleich darauf der FC Liverpool.

Die Gemeinde hält etwas auf ihrer Sportanlage, beschäftigt während der Hochsaison seit Jahren zwei Personen, um beste Bedingungen garantieren zu können. Das ist zum einen Hannelore Hirschmann, sie putzt die Kabinen und hat privat das Vereinsheim gepachtet. «Unsere Teams trainieren sowieso erst am Abend, aber während dieser Tage hat sowieso der FC Basel Priorität», sagt sie. Und der Platzwart neben ihr nickt zustimmend.

FCB-Trainer Raphael Wicky über das Wetter und den Gesundheitszustand von Zdravko Kuzmanovic

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Er ist der Meister des Grüns, sie die Gastfreundschaft in Person. Zusammen sind sie verantwortlich dafür, dass Trainer Wicky ins Schwärmen gerät: «Die Bedingungen hier sind wirklich hervorragend.» Tropfend kleben ihm die Haare im Gesicht, er lacht. Der Regen hat auch sein Gutes: «Zum Trainieren ist es schön, wenn der Platz ein bisschen nass ist. Da läuft der Ball besser.»

Der Wetterumschwung hat nicht nur Nachteile. So sieht das auch Davide Callà: «Das ist angenehmer als zuletzt in der Schweiz. Von mir aus kann es so bleiben.» Die Temperaturen sind im Vergleich zum Trainingsauftakt in der Brüglinger Ebene um die 15 Grad tiefer. Wenigstens am Morgen. Die Spieler sind gefordert.

Auch Basels Neuverpflichtung Ricky van Wolfswinkel ist mit von der Partie.

Auch Basels Neuverpflichtung Ricky van Wolfswinkel ist mit von der Partie.

Unter Aufsicht von Leistungsdiagnostiker Michael Müller rennen sie im Zickzack um den Platz. Sprint, lockeres Joggen, Sprint. Konditionstraining. Schwitzen im Regen. Daneben wird taktisch trainiert. Trainingsspiel auf verengtem Feld. Schnelles Umschalten, aggressives Pressing. Auf einem Gerüstturm am Rand des Platzes filmt Mauro Vivarelli die Einheit. Eigens für ihn haben sie das Gerüst aufstellen lassen. «Wir wissen ja, was sie brauchen», sagt Klubwirtin Hirschmann.

Der Schweizer Meister ist hier mehr als bloss Gast. Ja, da scheint so was wie Freundschaft zwischen diesem Klub und den Menschen im Süden Bayerns. Ganz allen können sie es aber nicht recht machen. «Ich habe meine Kaffeemaschine dabei. Das muss sein, damit es ein gutes Trainingslager werden kann», gesteht Callà und lacht. Den italienischen Kaffee bringt er auch gleich selbst mit. Sicher ist sicher. Und als 32-jähriger Routinier überlässt er so etwas ungern dem Zufall.

Ankunft im Hotel: Page Horst Krusche begrüsst alle persönlich.

Ankunft im Hotel: Page Horst Krusche begrüsst alle persönlich.

Eine Glace für den Sieger

Zum Mittagessen gehts zurück ins Park-Hotel. Essen, schlafen, Einzelgespräche und schon gehts mit dem Mountainbike zurück auf den Fussballplatz. Die zweite Trainingseinheit an diesem Tag steht an. Kein Regen mehr und langsam lichtet sich das Grau. Wieder wird viel mit dem Ball gearbeitet. Das Feld jetzt nicht nur schmaler, sondern auch wesentlich kürzer. Schnell in den Abschluss gehen, das ist das Ziel.

Vier Mannschaften wechseln sich ab. Die Intensität ist zentral. Und Wicky motiviert die Teams, ruft: «Die Gewinner kriegen eine Glace.» Und wenige Minuten später bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Nach knapp einer Stunde ist Schluss und die beiden Routiniers Taulant Xhaka und Renato Steffen sowie die Jungstars Raoul Petretta, Dominik Schmid und Afimico Pululu freuen sich auf ihr wohlverdientes Eis.

«Das Allerwichtigste ist, dass ich meine Kaffeemaschine dabei habe. Das muss sein, damit es ein gutes Trainingslager werden kann.»

Davide Callà, FCB-Spieler

«Das Allerwichtigste ist, dass ich meine Kaffeemaschine dabei habe. Das muss sein, damit es ein gutes Trainingslager werden kann.»

Manchmal braucht es nicht mehr als das – selbst bei Profis. Da hat Wicky schon recht, wenn er sagt, dass es für ihn keinen grossen Unterschied mache, ob er Talente oder gestandene Fussballer trainiere. Aber was sagen diese eigentlich über ihn? «Wir arbeiten viel mit dem Ball. Und er schaut sehr genau, dass der Rhythmus stimmt, dass wir aktiv sind im Spiel», sagt Luca Zuffi. Und dann gehts zurück ins Luxushotel. Da, wo er und seine Team-Kollegen mehr sind als Gäste.

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