Swiss Indoors
Die Vorschau zur Jubiläumsausgabe: Macht es Roger Federer zum Zehnten?

Roger Federer bietet sich in der 50. Ausgabe der Swiss Indoors die Chance auf einen runden Triumph. Der Weg zum zehnten Sieg am Heimturnier führt unter anderem über drei Konkurrenten aus den Top 10 sowie Stan Wawrinka.

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Roger Federer schreitet an den Swiss Indoors wieder vor heimischem Publikum zu Werke.

Roger Federer schreitet an den Swiss Indoors wieder vor heimischem Publikum zu Werke.

KEYSTONE/AP/ANDY WONG

Roger Federer und die Swiss Indoors. Was als Symbiose Anlaufzeit brauchte und durch einen Zwist zwischenzeitlich auf die Probe gestellt wurde, verspricht 2019 noch einmal Spektakel. Mit 38 Jahren steigt Federer vielleicht zum letzten Mal als Topfavorit ins Heimturnier. Vier Top-10-Spieler und elf Akteure aus den Top 30 der Weltrangliste, darunter drei Grand-Slam-Sieger (Federer, Stan Wawrinka, Marin Cilic), der Gewinner der letzten ATP Finals (Alexander Zverev) und einer der Aufsteiger des Jahres 2018 (Stefanos Tsitsipas), sind für das 500er-Turnier in der St. Jakobshalle gemeldet.

Federer eröffnet das Turnier am Montagabend nach dem Auftritt der Soul-Sängerin Anastacia abermals als Topgesetzter. In Abwesenheit von Novak Djokovic und Rafael Nadal sind zwei Spieler der "Next Gen" seine ersten Herausforderer, die ihn in dieser Saison schon bezwungen haben. Der 22-jährige Deutsche Zverev (ATP 6) setzte sich zuletzt im Viertelfinal von Schanghai in drei Sätzen durch, der 21-jährige Grieche Tsitsipas (ATP 7) fügte ihm im Achtelfinal des Australian Open eine Viersatz-Niederlage zu.

Wawrinka: Zweimal Halbfinal, achtmal 1. Runde

Roberto Bautista Agut (ATP 10), der vierte Top-10-Spieler im Feld, versuchte sich bislang neunmal erfolglos an Federer. Auch Fabio Fognini (ATP 12/0:4-Bilanz) und David Goffin (ATP 14/1:10) fanden noch kaum Mittel gegen den Schweizer. Zu den Gesetzten gehört nach zweijähriger Absenz auch Stan Wawrinka (ATP 18). Allerdings versprechen dessen bisherige Auftritte am Rheinknie nicht allzu viel. Zwei Halbfinals stehen unter anderem acht Erstrunden-Niederlagen gegenüber. Weil Wawrinka in dieser Woche noch in Antwerpen spielt, ist sein Fitnesslevel beim Turnierauftakt womöglich nicht auf dem höchsten Stand.

Die Teilnehmer der Swiss Indoors 2019

Roger Federer (SUI, ATP 3): Der Baselbieter hat an seinem Heimturnier bereits 80 Spiele bestritten. Dabei hat er genauso viele Turniersiege wie Niederlagen gesammelt: neun.
32 Bilder
Alexander Zverev (GER, 6): Der Weltmeister des letzten Jahres befindet sich in der Krise. Das zeigt auch der Blick auf das Doppelfehler-Ranking 2019. Hier ist Zverev hinter Benoit Paire die Nummer 2 der Welt.
Stefanos Tsitsipas (GRE, 7): Der Blondschopf besiegte an den Australian Open Roger Federer, schied aber in vier seiner letzten fünf Turniere in der ersten Runde aus. Das macht dem Shootingstar zu schaffen. In New York wetterte er gegen Schiri Damien Dumusois: «Ihr Franzosen seid alle Spinner.»
Roberto Bautista Agut (ESP, 10): Er stand in Wimbledon in diesem Jahr zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Halbfinal. Völlig unerwartet, denn eigentlich hätte er zu diesem Zeitpunkt auf Ibiza seinen Junggesellenabschied feiern sollen. Der fiel ins Wasser. Die Hochzeit findet im November trotzdem statt.
Fabio Fognini (ITA, 12): Mit 32 enterte er 2019 erstmals die Top 10. Der Italiener ist immer für einen Spass oder einen Ausraster zu haben. In Basel schlug er bislang noch nie auf.
David Goffin (BEL, 14): Der 1,80 Meter kleine Belgier spielte schon dreimal in Basel gegen Roger Federer. Er verlor immer brav, gewann nur einen einzigen Satz und machte ansonsten nie mehr als drei Games.
Stan Wawrinka (SUI, 18): Seine Beziehung zu den Swiss Indoors ist wahrlich keine Liebesgeschichte. Achtmal scheiterte er bereits in der Startrunde. Im letzten Jahr sagte er kurz vor seinem ersten Spiel mit Rückenproblemen ab.
Benoit Paire (FRA, 23): Vor zwei Jahren liess sich der exzentrische Franzose vor dem Spiel gegen Roger Federer mit einem Läckerli im «Läckerli Huus» ablichten. Anschliessend wurde er vom Schweizer selbst vernascht.
Marin Cilic (CRO, 25): Der baumlange Kroate ist seit vier Jahren Stammgast in der St. Jakobshalle und gewann das Turnier 2016.
Wildcard: Alex de Minaur (AUS, 26) Mittlerweile steht der 20-jährige Australier sogar wieder auf Rang 26 der Rangliste. Das auch, weil er Ende September das Turnier in Huajin gewann.
Taylor Fritz (USA, 29): Der heute 21-jährige Amerikaner heiratete bereits mit 18 und wurde wenige Monate später auch Vater. Der erste ATP-Titel kam erst diesen Sommer.
Dusan Lajovic (SRB, 32): Der Serbe schied letztes Jahr in Basel eigentlich bereits in der Quali aus, gewann aber als Lucky Loser im Hauptfeld danach doch noch ein Spiel.
Reilly Opelka (USA, 37): Der 2,11 Meter-Riese stellte im Februar gemeinsam mit Landsmann John Isner einen ATP-Ass-Weltrekord auf. Opelka servierte 43 Asse, Isner 38.
Cristian Garin (CHI, 38): Das Jahr 2019 wird als Durchbruch in die persönliche Geschichte des Chilenen eingehen. Mit zwei Turniersiegen reist der 23-Jährige nach Basel.
Laslo Djere (SRB, 39): Der Serbe sorgte für einen der emotionalsten Momente in dieser Saison. Nach seinem überraschenden ersten Turniersieg in Rio widmete er diesen seinen verstorbenen Eltern. Seinen Vater verlor er nur zwei Monate vor seinem bisher grössten Erfolg.
Jan-Lennard Struff (GER, 41): Für den 29-jährigen Deutschen läuft es 2019 auf un d neben dem Platz. Sohn Henri kam im Frühling zur Welt. Im Juli erreichte Struff mit Rang 33 in der Weltrangliste eine neue Karrierebestleistung.
Albert Ramos-Vinolas (ESP, 42): Der Spanier kommt mit ausgezeichneten Schweizer Erinnerungen nach Basel. Im Sommer feierte er in Gstaad seinen zweiten Karrieretitel.
Daniel Evans (GBR, 43): Der Brite wurde 2017 positiv auf Kokain getestet und war ein Jahr lang zum Zuschauen verdammt. In dieser Saison startete er durch und verbesserte sich im Ranking um 144 Positionen.
Pablo Cuevas (URU, 45): Der Uruguayer spielte einen der schönsten Punkte des Jahres. Im Estoril punktete er gegen Tsitsipas am Netz mit einem No-Look-Stop durch die Beine.
Radu Albot (MDA, 46): Er ist ein wahrer Spätzünder. Der 29-Jährige, der laut eigener Aussage den Spitznamen «Machine» besitzt, wurde im Februar 2019 der erste moldawische ATP-Turniergewinner.
Miomir Kecmanovic (SRB, 49): Der Serbe ist einer der jungen Wilden auf der Tour. Der 20-Jährige soll einst nichts Geringeres als der Nachfolger von Novak Djokovic werden.
Juan Ignacio Londero (ARG, 51): Der Argentinier rückt nach, weil Basel nur drei und nicht vier Wildcards verteilt, und spielt deshalb zum ersten Mal in Basel.
Frances Tiafoe (USA, 53): Der junge Amerikaner schlief als Kind auf Klapptischen in einem Tenniszentrum, wo er mit seinen aus Sierra Leone geflüchteten Eltern lebte. Als Tennis-Profi stürmte er dieses Jahr an den Australian Open in die Viertelfinals und feierte seine Siege, indem er sich auf die entblösste Brust klopfte.
Richard Gasquet (FRA, 57): Er war Teil von gleich zwei grossen Tennis-Comebacks in diesem Jahr. Zuerst gewährte der Franzose Federer eine erfolgreiche Rückkehr auf Sand. Danach vereitelte er aber einen Erfolg von Andy Murray bei dessen Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause.
Filip Krajinovic (SRB, 60) Der Serbe darf als "Special Exempt" in Basel antreten, weil er in dieser Woche in Stockholm den Halbfinal erreichte.
Pablo Andujar (ESP, 63): Der Spanier ist der letzte Spieler, der es ohne Qualifikation in das Startfeld schafft. Das Teilnehmerfeld wird mit vier Wildcards, vier Qualifikanten und einem «Special Exempt» komplettiert.
Wildcard: Marius Copil (ROM, 92) Der Rumäne spielte im vergangenen Jahr in Basel das Turnier seines Lebens und stürmte als Qualifikant bis in den Final. Dafür wird er mit der Wildcard in diesem Jahr belohnt.
Wildcard: Henri Laaksonen (SUI, 103) Die Nummer 103 der Welt ist auch 2019 dank einer Wildcard direkt im Hauptfeld. Letztes Jahr stand er im Achtelfinal.
Ricardas Berankis (LTU, 67) Der 29-jährige Litauer profitierte in der zweiten Qualirunde von der Aufgabe des Franzosen Gregoire Barrere.
Hugo Dellien (BOL, 79) Der 26-jährige Bolivianer trifft in Runde 1 am Montag auf Alex de Minaur aus Australien.
Alexei Popyrin (AUS, 90 ) Der 20-jährige Australier spielte bereits vor einem Jahr in Basel und kam bis in den Achtelfinal. Auch 2019 überstand er die Quali.
Qualifikant: Peter Gojowczyk (GER, 111) Der Deutsche musste in beiden Aufeinandertreffen mit Roger Federer dem Schweizer zum Sieg gratulieren. In Basel ist er Federers Erstrundengegner.

Roger Federer (SUI, ATP 3): Der Baselbieter hat an seinem Heimturnier bereits 80 Spiele bestritten. Dabei hat er genauso viele Turniersiege wie Niederlagen gesammelt: neun.

Keystone

Auch Federer bekundete in Basel anfangs Schwierigkeiten. Erst 2006, mehr als zweieinhalb Jahre, nachdem er den Thron in der Weltrangliste bestiegen hatte, glückte ihm der erste Heimsieg. Inzwischen liefert der 20-fache Grand-Slam-Sieger vor heimischem Publikum aber so zuverlässig ab wie sonst nirgends in den letzten Jahren. Mit Ausnahme von 2016, als er verletzt fehlte, stand er an den Swiss Indoors seit 2006 stets im Final, seit 2014 ist er ungeschlagen. Nun greift er nach dem zweiten Hattrick und dem insgesamt zehnten Triumph. Nur auf dem Rasen von Halle hat er die Marke von zehn Titeln schon geknackt.

Ob Federer sein Territorium gegen die heranrückende nächste Generation noch einmal erfolgreich verteidigen kann, ist eine der Fragen vor dem Turnierstart. Djokovic, Nadal und Federer liegen in der Weltrangliste nach wie vor geschlossen vorne, in Schanghai standen aber vor einer Woche zum ersten Mal in diesem Jahrtausend vier Spieler in den Halbfinals eines Masters-1000-Turniers, die jünger als 24 Jahre sind. Der aktuelle Vorreiter der jungen Garde, der Russe Daniil Medwedew, ist in Basel indes nicht am Start. Nach sechs Finaleinzügen in Serie legt der US-Open-Finalist, der ursprünglich für das zeitgleich stattfindende Turnier in Wien gemeldet war, eine Pause ein.

Während für das Hauptturnier nur noch wenige Tickets erhältlich sind, kann sich auch ein Besuch der Qualifikationsspiele an diesem Wochenende lohnen. Das Level ist so hoch, dass der letztjährige Swiss-Indoors-Finalist, der Rumäne Marius Copil (ATP 92), selbst dort nur auf der Warteliste figuriert und auf Absagen oder den Goodwill der Organisatoren angewiesen ist. Die zwei ersten Wildcards für das Haupttableau sind an Henri Laaksonen und den 20-jährigen Australier Alex de Minaur gegangen.