FC Basel
Der FC Basel holt gegen Luzern den ersten Liga-Sieg und schlägt neue Töne an

Der FC Basel bezwingt den FC Luzern zuhause mit 3:2 und feiert damit seinen ersten Sieg in der Meisterschaft. Das goldene Tor von Valentin Stocker durften - erstmals seit Beginn der Pandemie - wieder über 9000 FCB-Fans vor Ort im St. Jakob-Park bejubeln.

Céline Feller
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Der gestrige 4. Oktober wird dem Einen oder Anderen wohl noch ein bisschen im Gedächtnis bleiben. Ciriaco Sforza, weil er mit dem 3:2 über den FC Luzern seinen ersten Sieg in der Meisterschaft als Trainer des FC Basel feiert. Den Basler Fans, weil sie das erste Mal seit dem 27. Februar wieder zahlreich ins Stadion dürfen. Und den Verfolgern des FCB, weil Bernhard Burgener vor dem Spiel überraschende Aussagen tätigt.

Denn als der Präsident des FC Basel vor dem Spiel dem Bezahlsender «Blue TV» Auskunft gibt, schlägt er ganz neue Töne an. Gemeint ist nicht sein Unverständnis bei den Fragen nach den Finanzen. Sondern seine vielversprechende Ankündigung: «Viele Klubs sind in einer Phase, in der sie das Kader reduzieren. Wir haben uns anders entschieden. Wir haben eine riesige Freude an Ciriaco Sforza, und wir wollen investieren. Wir sind gerade dran und werden die nächsten Tage noch die eine oder andere Investition in starke Spieler stecken.»

Einkaufstour statt Sparkurs – ein ganz neues Direktiv beim FC Basel in den vergangenen Monaten und Jahren. Wen die Basler holen, sagt Burgener selbstredend nicht. Man dürfte aber nicht allzu falsch liegen, wenn man auf eine Rückkehr Timm Kloses wetten würde.

Ein Spektakel für die wieder anwesenden Fans

Es ist Burgeners Pech, dass seine Worte nicht im Stadion auf dem Bildschirm eingespielt werden. Denn so gibt es, als man ihn kurz vor Anpfiff einblendet, gellende Pfiffe von den 9257 anwesenden Zuschauern – anstatt Beifall. Es sollten immerhin die letzten Pfiffe das Tages sein. Die Basler Leistung nämlich entlockt den Fans viel mehr Applaus und Gesang.

Wohltuende, sich nach so langer Zeit fast neu anfühlende Geräusche in einem Fussballstadion. Man hat das Gefühl, dass die Spieler entsprechend die Anhänger für ihr Kommen belohnen wollen. Denn was der FCB – und phasenweise auch der Gast aus Luzern – zeigt, ist berauschend. 32 Schüsse geben die beiden sehr offensiv agierenden Teams ab.

Es ist ein stetiges Auf und Ab, ein kleines Spektakel mit einem Hauptdarsteller, der auf den Namen Edon Zhegrova hört. An allen drei Basler Toren ist der Rückkehrer beteiligt. Vor allem beim zweiten, welches der Kosovare selber erzielt, lässt er seine ganze Klasse aufblitzen. Gleich vier Spieler dribbelt er aus, zwei tunnelt er und schliesst dann auch noch schön ab. Es ist die zweite von drei Basler Führungen an diesem Tag.

Der obligate Einbruch nach der Pause kam nicht

Dass die Luzerner überhaupt zwei Mal wieder in die Partie kommen, liegt fast nur am FCB selber – und an einem kleinen bisschen Pech. Einmal ist es der Fuss Andrea Padulas, der den Ball vor dem Gegentor abfälscht, einmal der Rücken Fabian Freis. Ansonsten lässt der FCB dem FCL nicht viel Raum und agiert so überzeugend wie noch nie unter Sforza.

Auch der bislang obligate Einbruch nach der Pause kommt nicht. Zwar schwächeln die Basler kurz und kassieren den 2:2-Ausgleich. Zum ersten Mal aber können sie spät im Spiel noch reagieren – auf einen Ausgleich und gleichzeitig auch auf das Aus in Europa.

Zwar ist beim FCB damit noch nicht alles gut. Die Gegentore fallen noch immer zu einfach, die Physis ist noch immer nicht bei 100 Prozent. Aber es ist ein positives Zeichen. «Dieser Sieg tut enorm gut», sagt Silvan Widmer nach dem Spiel. Auch das sind neue Töne in Basel, so gelöst war zuletzt kaum jemand nach Spielschluss.

Der erste Dreier kommt vor der Natipause und sorgt so vielleicht für etwas Ruhe. Dass vielleicht zum ohnehin schon grossen, 31 Mann umfassenden Kader weitere Akteure dazu kommen am heutigen Deadline-Day, ist eine Hektik und Unruhe, die man hingegen gerne hinnehmen dürfte.

Die Noten:

Djordje Nikolic: Note 5 Er bekommt zwei unhaltbare Gegentore. Ganz früh gegen Schulz und ganz spät gegen Ndiaye pariert er aber vorzüglich.
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Silvan Widmer: Note 4 Bevor er mit der Schweizer Nati drei Länderspiele bestreitet, schont er sich ein wenig und sichert hinter Zhegrova gut ab.
Eray Cömert: Note 5,5 Antizipiert sehr stark und stibitzt sich viele Bälle. Dazu frech mit einem überraschenden direkten Freistoss von der Mittellinie.
Omar Alderete: Note 4,5 War das heute sein letztes Spiel für den FCB? Mit Klose und Badstuber werden schon potenzielle Nachfolger gehandelt.
Andrea Padula: Note 5 Kaum übertönen die Zuschauer Sforzas «Andrea!»-Schreie, läuft er zu Höchstform auf. Der Pfosten verhindert sein erstes Tor.
Fabian Frei: Note 4 Macht ein gutes Spiel. Vor allem sein langer Ball vor dem 1:0 ist erste Sahne. Ein Ballverlust und ein Rückenabfälscher führen dann aber zu zwei Gegentoren. Und nach einem üblen Tritt aufs Knie muss er verletzt raus.
Orges Bunjaku: Note 5,5 Ganz starke Leistung. Läuft jedes Loch zu, gewinnt sehr viele Zweikämpfe, verteilt die Bälle im Spielaufbau sehr gut und leitet das 2:1 durch Zhegrova ein.
Edon Zhegrova: Note 5,5 Tankt sich vor Cabrals 1:0 bis zur Grundlinie durch, vernascht vor seinem 2:1 vier Luzerner, zwei davon per Beinschuss, und ist auch sonst eine Freude.
Valentin Stocker: Note 5,5 Sein Siegtreffer ist drei Punkte wert. Zuvor punktet er mit dem Assist zum 1:0 und gutem Pressing nach Ballverlusten.
Afimico Pululu: Note 5 Dass er den Ball gut behaupten kann, ist nichts Neues. Kommt heute aber auch immer wieder per Dribbling am Gegner vorbei und sorgt so für viel Gefahr.
Arthur Cabral: Note 4,5 Macht sein Tor, doch bei seiner Vielzahl an Abschlüssen hätten es auch gerne noch mehr werden können.
Samuele Campo: Note 4,5 Kommt in der 66. für Frei. Kämpft mit dem Assist zum 3:2 um seinen Stammplatz, den er an Bunjaku verloren hat.
Julian von Moos: keine Note Kommt in der 74. für Pululu. Zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.
Blas Riveros: keine Note Ersetzt Bunjaku in der 87. Minute. Zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.
Aldo Kalulu: keine Note Darf ab der 87. Minute ran. Zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.
Ricky van Wolfswinkel: keine Note Ersetzt ab der 87. Stocker. Zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.

Djordje Nikolic: Note 5 Er bekommt zwei unhaltbare Gegentore. Ganz früh gegen Schulz und ganz spät gegen Ndiaye pariert er aber vorzüglich.

Freshfocus

Das Telegramm:

FC Basel - FC Luzern 3:2 (2:1)

St.-Jakob-Park. – 9257 Zuschauer. – SR: Bieri. – Tore: 11. Cabral 1:0 (Stocker). 34. Schaub 1:1 (Ugrinic). 36. Zhegrova 2:1 (Cabral). 58. Lucas 2:2 (Schürpf). 77. Stocker 3:2 (Campo).

Basel: Nikolic; Widmer, Cömert, Alderete, Padula; Frei (66. Campo), Bunjaku (87. van Wolfswinkel); Zhegrova (87. Kalulu), Stocker (87. Riveros), Pululu (75. von Moos); Cabral.

Luzern: Müller; Sidler, Knezevic, Lucas, Bürki; Ndenge, Schulz; Ugrinic (70. Ndiaye), Schaub, Schürpf; Alounga (62. Sorgic).

Bemerkungen: Basel ohne Isufi, Marchand, Petretta, Xhaka, Zuffi (alle verletzt), van der Werff (gesperrt), Jorge (noch nicht qualifiziert), Ademi und Oberlin (beide ohne Aufgebot). – Verwarnungen: 15. Ndenge. 21. Zhegrova. 35. Sidler. 42. Knezevic. 60. Bürki. 70. Pululu. 70. Ugrinic. 73. Bunjaku.