Das erste Interview

Das sagt der neue Präsident Andy Kistler zu seinen kommenden Aufgaben beim CSI Basel

Andy Kistler wird ab Februar das Amt des Präsidenten des CSI Basel übernehmen.

Andy Kistler wird ab Februar das Amt des Präsidenten des CSI Basel übernehmen.

Am Mittwoch gab der CSI Basel bekannt, dass Andy Kistler die Nachfolge des abtretenden Präsidenten Willy Bürgin übernimmt. Einen Tag später erklärt der aktuelle Schweizer Equipenchef, warum er vom Angebot überrascht war, warum er es annahm, obwohl er kein Basler ist, und was seine Pläne sind.

Andy Kistler, Glückwunsch zur neuen Funktion. Wie kam es, dass Sie der neue Präsident des CSI Basel werden?

Andy Kistler: Im September bekam ich eine Einladung von Thomas Straumann. Ich dachte: Lässig, vielleicht reden wir über dieses oder jenes. Beim Mittagessen hat er mich dann gefragt, ob das Präsidentenamt nicht etwas für mich wäre. Ich war völlig baff. Damit hatte ich Nullkommanull gerechnet.

Straumann wusste natürlich, dass Sie als Schweizer Equipenchef aufhören.

Ja. So kam er auf die Idee und dann hat eines zum anderen gefunden. Es freut mich ungemein, dass ich in Zukunft Chef von einem der grössten Schweizer Sportanlässe sein darf. Es ist fantastisch, dass mir die Stadt Basel und Herr Straumann diese Möglichkeit gaben, obwohl ich kein Basler bin (Andy Kistler kommt aus dem Kanton Schwyz, Anm. d. Red.).

Wie haben Sie auf die überraschende Anfrage von Straumann reagiert?

Ich war sehr erfreut und sagte: "Du überfällst mich. Ich muss mir das zu Hause durch den Kopf gehen lassen." Bei mir reden alle mit: meine Frau, meine Kinder und mittlerweile auch die Schwiegersöhne. Was nicht heisst, dass ich immer auf sie höre (lacht).

Wie lief es diesmal ab?

Eine meiner Töchter schrieb mir: „Papi, ich bin froh für dich, wenn dich die neue Aufgabe glücklich macht.“ Auch meine Frau hat ziemlich schnell positiv reagiert, natürlich mit der Hoffnung, dass es in diesem Job etwas weniger zu tun gibt als zuletzt.

Ist die Hoffnung gerechtfertigt?

Das weiss ich nicht, aber ich hoffe natürlich auch, dass es ein bisschen weniger ist. Ich weiss aber ehrlich gesagt noch nicht ganz genau, was auf mich zukommt. Doch ich weiss, dass Christoph Socin und René Vögtli sackstark sind und viele Dinge schon von alleine laufen.

Wann haben Sie zugesagt?

Ich habe Herrn Straumann zuerst ein Mail geschrieben, dass ich ihn gerne noch einmal sehen würde, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich seinen höchsten Ansprüchen, genüge. Zum Treffen nahm er seine Frau mit. Das fand ich super, denn meine wichtigste Frage war: Wollt ihr wirklich, dass Andy Kistler diesen Job macht? Beide sagten: "Ja!" Diese Rückendeckung ist mir sehr wichtig. Ich weiss, dass ich auch mal einen Fehler machen kann.

Ihre Entscheidung fiel im Oktober. Warum warteten Sie so lange mit der Bekanntgabe?

Das lag am Schweizer Verband. Dort war meine Nachfolge als Equipenchef noch nicht geregelt.

Wieso wollen Sie diesen Job nicht weiter ausüben?

Das lag an verschiedenen Dingen. Ich war drei Jahre Stellvertreter und sieben Jahre Chef. Zehn Jahre sind eine lange Zeit und jeder Chef läuft sich irgendwann ein bisschen tot. Wir haben in der Equipe jetzt einen Generationenwechsel und ich finde, es ist gut, wenn es einen Wechsel gibt und ein Jüngerer kommt. Ausserdem sind mir die vielen Reisen ein bisschen zu viel geworden und der Job als Equipenchef war auch ein bisschen belastend. Du hast Druck, musst harte Entscheidungen fällen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, aber das alles hat letztendlich dazu geführt, dass ich entschieden habe aufzuhören.

Mit Michel Sorg ist Ihr Nachfolger mittlerweile bekannt.

Ja. Er wird dieses Jahr erst 35. Er ist ein supergeschickter Kerl, spricht viele Sprachen. Ich habe das Gefühl, dass er eine super Lösung ist. Wenn du so jemanden in der Hinterhand hast, kannst du auch nicht ewig warten.

Bevor Sie sich voll und ganz dem CSI Basel widmen, kommen im Sommer noch die Olympischen Spiele in Tokio. Ein würdiger Abschied?

Selbstverständlich wollen wir dort erfolgreich sein, aber niemand weiss, ob es auch klappt. Viele haben mir jetzt gesagt, dass es zum Abschied besonders gut werden muss, aber das muss ich sofort relativieren. Ersten reite nicht ich, sondern meine Reiter. Zweitens kann man Erfolg nicht erzwingen und drittens bin ich sicher, dass Steve Guerdat, Martin Fuchs, Bryan Balsiger und Co, wenn sie jetzt nicht erfolgreich sind, die Erfolge dann halt zu einem späteren Zeitpunkt feiern werden. Wir sind auf einem so guten Weg, da brauche ich kein Abschiedsgeschenk. Dieser Wunsch macht nur noch mehr Druck. Das bringt nichts. In zehn Jahren werden wir uns sowieso nur noch an die Olympiasieger und die Medaillengewinner erinnern, nicht mehr an den Equipenchef (lacht).

Was haben Sie für Ziele mit dem CSI Basel?

Er soll auf unserem Gebiet ein Weltklasse-Event sein und er soll sich weiterentwickeln. Auch bei der Equipe hatten wir das Motto: Stets besser werden. Du darfst heutzutage nicht stehenbleiben. Das gilt für Spitzenreiter wie Martin Fuchs, aber auch für Turniere.

Ist ihr Job auf dem Papier eine Hunderprozentstelle?

Das weiss ich nicht (lacht).

Aber ehrenamtlich machen Sie den Job auch nicht.

Nein. Ich habe eine Abmachung mit Herrn Straumann. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Ziehen Sie nach Basel?

Nein. Der Fahrweg beträgt nur etwas mehr als eine Stunde. Das ist kein Problem.

Ihr Vorgänger Willy Bürgin sagte in seinem Abschiedsinterview, dass es ihm wichtig war, dass das Turnier in Basel für alle erschwinglich ist und nicht nur an die doch eher elitäre Reitszene gedacht wird. Sehen Sie das ähnlich?

Das ist eine lustige Aussage von Willy. Ich empfinde Basel vom Stil her nämlich eher relativ gehoben. Ich hätte gedacht, dass sie auch anstreben, relativ gehoben zu sein. Die Ausrichtung ist sicher ein Thema, das wir im OK ausdiskutieren müssen. Denn es ist wichtig, zu wissen, welchen Stil man pflegen will. Die St. Jakobshalle ist eine der schönsten auf der Welt. Die TV-Bilder, die wir transportieren, sind relativ stilvoll. Von dem her ist die Stilfrage eine interessante Frage, über die wir reden müssen.

Was wäre Ihnen persönlich am liebsten?

Ich finde, dass zu unserem Sport ein gewisser Stil gehört. Der ist wichtig und der muss gepflegt werden. Das Pferd ist ein edles Tier, das ebenso zu unserem Sport gehört wie das Geld, die Besitzer und das Prestige. Das müssen wir auch so verkaufen. Entscheidend ist aber, dass wir das grosse Ziel von Willy Bürgin, ausverkauft zu sein, auch in Zukunft anstreben. Vielleicht schaffen wir es ja bereits am Sonntag zum ersten Mal.

Wie wollen Sie die Halle in Zukunft füllen?

Es ist noch zu früh, um etwas Konkretes zu sagen. Ich kenne die Fakten noch nicht gut genug. Aber vielleicht kann man die oberen Plätze noch etwas billiger verkaufen. Die teuren Plätze bis zu Reihe 12 sind am Samstag und Sonntag ja bereits ausverkauft. Das müssen wir diskutieren. 

Was war Ihr prägendstes Erlebnis hier am CSI Basel?

Das Warten auf den ersten Schweizer Grand Prix Sieg. Jahrelang sind wir hier mit einer grossen Equipe an den Start und nie hat ein Schweizer gewonnen. Erst 2018 hat uns Martin Fuchs erlöst und im Folgejahr mit dem Weltcupsieg gleich noch einen draufgelegt. Etwas was mich unheimlich beeindruckt, ist auch Willy Bürgin. Wie ein Mensch in diesem Alter (83, Anm. d. Red.) noch diese Energie und Freude aufbringen kann, um diesen Anlass auf die Beine zu stellen, finde ich abnormal.

Sie treten in grosse Fussstapfen. Was ist Ihre grösste Herausforderung?

Den ersten Concours unter meiner Leitung zu organisieren. Das beschäftigt mich schon. Wenn man hier herkommt und sieht, wie gut hier alles funktioniert, denkst du dir schon: Wer hat denn hier alle Fäden in der Hand. Das macht Respekt. Dazu kommt, dass ich kein Basler bin. Ich kenne die Leute hier viel weniger als Willy. Seine Beziehungen werden uns fehlen, aber ich bin überzeugt, dass er mit helfen wird, wenn ich ihn brauche.

Was wird Ihre erste Amtshandlung im Februar sein.

Ich werde mich mit den anderen OK-Mitgliedern zusammensetzen und diskutieren, was unsere Ziele sind, wie wir zusammenarbeiten und gleichzeitig will ich noch ein wenig von Willy lernen und ihm beim Jahresabschluss über die Schulter schauen.

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