Badminton

Aufschrei des stillen Inders - Srikanth triumphiert in Basel

Kidambi Srikanth besiegt im Final der Swiss Open Vorjahressieger Axelsen in drei Sätzen. Ansonsten war das Turnier fest in chinesischer Hand - in allen anderen Konkurrenzen triumphierten die Athleten aus dem Reich der Mitte.

Ein schweigsamer Bauernsohn aus Indien gegen einen extrovertierten Hünen aus Dänemark, die Nummer 1 des Turniers gegen den Überraschungssieger aus dem Vorjahr, die Weltnummer 4 gegen die Nummer 6. Zwei 21-jährige Shootingstars der Badminton-Szene also, die im Laufe eines Jahres in der Weltrangliste über 20 Plätze hochgeklettert sind: Die Basler hatten ihn bekommen, ihren Wunschfinal im Männer-Einzel.

So ähnlich ihre Karrieren sein mögen, so augenfällig sind auch die Unterschiede. Während Viktor Axelsen seinem Gegner die Freude über einen Punktgewinn gerne mal ins Gesicht brüllt, entschuldigt sich Kidambi Srikanth lieber einmal zu viel über einen glücklichen Netzroller. Nach seinem bislang grössten Triumph, dem Finalsieg über Badminton-Gott Lin Dan am China Open 2014, wunderte sich Srikanth über die vielen Gratulanten aus seiner früheren Schulzeit. «In der Schule hat mich niemand gekannt, weil ich immer so ruhig war», sagte er damals. Doch wahrgenommen hat man ihn offenbar sehr wohl.

Auch im gestrigen Final der Swiss Open dauerte es lange, bis Srikanth Emotionen zeigte. Ein kurzer Ball Axelsens blieb im Netz hängen. Es stand 17:14 im dritten Satz. Da war er zu hören, der erste Aufschrei des stillen Mannes aus der ostindischen Stadt Guntur. Vier Punkte später hob er die Arme zum Jubel. Bei seiner dritten Teilnahme in Basel kam er erstmals über die erste Runde hinaus und marschierte zum Turniersieg durch.

Umringt von indischen Fans

Was sich danach abspielte, erinnerte an kitschiges Bollywood-Kino. Während das anschliessende Frauenfinal fast schon zu Ende war, wurde Srikanth noch immer von indischen Freunden, Betreuern und Fans umringt. Eine Selfie-Orgie löste die nächste ab. Inmitten des Rummels der höfliche, fast schon überforderte Turniersieger. «Es ist erstaunlich, dass mich so viele Zuschauer in Europa gegen einen Europäer unterstützt haben. Ich habe die Unterstützung von den indischen Fans gespürt», sagte Srikanth, als der Trubel um seine Person allmählich nachliess.

Lange wird es allerdings nicht ruhig bleiben um ihn. Ganz im Gegenteil: In einer Woche beginnen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi die India Open, ein Turnier der höchsten Super-Series-Kategorie. Zeit, um an seinem Wohnort mit seinen Liebsten den Erfolg von Basel auszukosten, bleibt keine. Heute verlässt Srikanth die Schweiz und beginnt dann direkt mit der Turniervorbereitung. Ob es in Basel eine rauschende Partynacht gibt, konnte oder wollte der 21-Jährige gestern nicht beantworten.

Nicht nach Feiern zumute war Viktor Axelsen. «Ich bin ziemlich enttäuscht, ich kann viel besser spielen», sagte er nach dem ersten Direktduell überhaupt mit Srikanth. Das Selbstvertrauen habe ihm gefehlt. Axelsen, der für seine offensive Spielweise bekannt ist, ging in der entscheidenden Phase zu viele Risiken ein und büsste das mit unnötigen Fehlern. Dennoch blickt der Däne auf ein äusserst erfolgreiches Jahr zurück. Vor einem Jahr gelang ihm in Basel der erste Sieg in einem grossen Turnier. Nur fünf Monate später holte er WM-Bronze. «Ich bin auf dem richtigen Weg», sagte er.

Chinas Machtdemonstration

Holten die Europäer 2014 noch zwei Titel in Basel, gingen sie in diesem Jahr komplett leer aus. Die Mixed-Titelverteidiger Chris und Gabrielle Adcock (Gb) scheiterten in den Viertelfinals an den späteren Siegern. Das Jubiläumsturnier war ein regelrechtes China-Festival. Ausser im Männer-Einzel waren die Athleten aus dem Reich der Mitte in jedem Final vertreten. So gingen die Titel im Mixed, Frauen- und Männerdoppel sowie im Frauen-Einzel an China.

Basel. Swiss Open Grand-Prix-Gold-Turnier (120'000 Dollar)
Männer. Einzel. Final: Kidambi Srikanth (Ind/1) s. Viktor Axelsen (Dä/2) 21:15, 12:21, 21:14. - Halbfinals: Srikanth s. Ajay Jayaram (Ind) 17:21, 21:15, 21:18. Axelsen s. Xue Song (China) 21:16, 21:15.
Doppel. Final: Cai Yun/Lu Kai (China/3) s. Goh V Shem/Tan Wee Kiong (Malaysia/6) 21:19, 14:21, 21:17. - Halbfinals: Cai/Lu s. Max Schwenger/Josche Zurwonne (De/8) 21:18, 21:8. Shem/Kiong s. Gideon Markus Fernaldi/Kevin Sanjaya Sukamuljo (Indo/7) 21:19, 21:19.
Frauen. Einzel. Final: Sun Yu (China/6) s. Busanan Ongbumrungpan (Thai/8) 21:16, 21:12. - Halbfinals: Sun s. Sayaka Takahashi (Jap/3) 21:19, 20:22, 21:12. Ongbumrungpan s. Akane Yamaguchi (Jap/5) 24:22, 21:17.
Doppel. Final: Bao Yixin/Tang Yuanting (China/5) s. Ayane Kurihara/Naru Shinoya (Jap) 21:6, 17:21, 21:17. - Halbfinals: Kurihara/Shinoya s. Reika Kakiiwa/Miyuki Maeda (Jap/1) 21:14, 19:21, 21:12. Bao/Tang s. Eefje Muskens/Selena Piek (Ho) 21:12, 19:21, 21:17.
Mixed. Final: Lu Kai/Huang Yaqiong (China/5) s. Liu Cheng/Bao Yixin (China/3) 17:21, 22:20, 21:13. - Halbfinals: Liu/Bao s. Tontowi Ahmad/Liliyana Natsir (Indo/1) 21:19, 21:19. Lu/Huang s. Riky Widianto/Puspita Richidili (Indo/4) 21:16, 21:13.

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