Badminton

Asiatische Festspiele und chinesisches Feuerwerk am Swiss Open in Basel

Die Chinesin Chen Yufei an den YONEX Swiss Open in Basel.

Die Chinesin Chen Yufei an den YONEX Swiss Open in Basel.

Am Freitag gab es in den fünf Konkurrenzen in den Viertelfinals zehn Partien mit chinesischer Beteiligung. Und bei allen zehn Duellen behielten diese die Oberhand und zogen in die Halbfinals vom Samstag ein.

Dass Badminton primär eine Sache der Asiaten ist, ist nichts Neues. Und dass das bevölkerungsreichste Land der Welt in Basel derart dominiert, hat zwei Gründe. Erstens hat China heuer fast alle Top-Leute in die St. Jakobshalle delegiert, während Japan nur seine zweite Garde gesandt hat, während Korea den Swiss Open gänzlich ferngeblieben ist. Spitz formuliert kann man somit von einer „chinesischen Meisterschaft mit internationaler Beteiligung“ sprechen.

Dan Lin musste kämpfen

Aushängeschild und Publikumsmagnet ist Lin Dan. Die Turnier-Nummer 1 musste am Freitag bereits um 18.30 Uhr zu seinem Spiel gegen Ihsan Maulana Mustofa, die Nummer 15 des Turnieres, antreten. Und der Indonesier zeigte vor dem wohl besten Badminton-Spieler der letzten zehn Jahre wenig Respekt, spielte offensiv und führte im 1. Satz mit 14:10, um diesen dann doch mit 17:21 zu verlieren.

Auch in Set 2 war - auf den ersten Blick - kein all­zu grosser Unterschied auszumachen. Wohl führte Lin stets mit einigen Punkten, doch Mustofa spielte weiterhin sehr aggressiv und beim Stande von 15:14 hatte man das Ge­fühl, dass der Indonesier den Turnierfavoriten durchaus in einen dritten Satz zwingen könnte.

Das YONEX Swiss Open in Basel:

Doch just in dieser Phase beeindruckte Lin mit angetäuschten Smashes, die alle­samt zu kurzen Bällen wurden, die knapp hinter dem Netz zu Boden gingen. „Dan Lin kann wie kein Zweiter im letzten Moment eine ganz andere Schlagvariante anbringen; bei ihm weiss man nie, ob der Shuttle kurz oder lang, hart oder weich oder der Seitenlinie ent­lang oder diagonal kommt“, so der Tenor unter den Zuschauern, die sich grösstenteils aus Aktiven oder (inter-)nationalen Spitzenspielern zusammensetzen.

Lange «Ball»-Wechsel

Aber nicht nur Dan Lin sorgte für Spektakel beim fachkundigen Publikum. Vor allem in den Doppel-Konkurrenzen erlebten die zahlreichen Besucher Spiele, welche die Zuschauer in den Bann zogen. Lange Ballwechsel (der Shuttle flog manchmal bis zu 25 Mal über das Netz) sorgten für langanhaltenden Szenen-Applaus.

Und man musste bis 19.30 Uhr war­ten, bis sich Europäer gegen Asiaten durchsetzen konnten. Das dänische Frauen-Doppel Maiken Fruergaard/Sara Thygesen (Nummer 7) setzte sich gegen die als Nummer 3 höher eingestuften Vivian Hoo und Khe Wie Woon aus Malaysia in drei Sätzen mit 21:18, 8:21 und 21:15 in 72 Minuten durch.

Das Schlussbouquet war jedoch das Männer-Doppel-Spiel zwischen Marcus Ellis/Chris Langridge (England), die auf der Insel absoluten Kultstatus geniessen, und dem dänischen Duo Mathias Christiansen und David Daugaard. Die als Nummer 4 gesetzten Briten sieg­ten nach 129 Minu­ten (die Partie dauerte also so lange wie ein Fussballmatch!) mit 22:20, 17:21 und 21:19 über die Skandinavier. Es war die bis dato sicher spannendste und emo­tionalste Partie der Swiss Open.

Freier Eintritt, wenn...

Am Samstag geniessen Besucher der Partie FC Basel – Grasshoppers Club Zürich frei­en Eintritt (Jahrenkarten-Besitzer und Tageseintritt). Gut möglich, oder sogar wahrschein­lich, dass man auf den beiden Courts ein grösseres Feuerwerk als auf dem Rasen des „Joggeli“ erleben wird, denn in allen zehn Halbfinal-Partien werden chinesische Shuttle-Virtuosen garantiert für Spektakel sorgen. Als „Exoten“ sind im Frauen-Doppel die bulgari­schen Geschwister Gabriela und Stefani Stoeva sowie die Däninnen Fruergaard/Thygesen und die erwähnten Ellis/Langridge im Einsatz. Und werden versuchen, reine asiatische Endspiele zu verhindern.

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