Ballon d'Or

Ballon d'Or: Eine Party ohne Host bei Messis Inthronisierung

Bereits zum fünften Mal wird Barcelonas Lionel Messi zum Weltfussballer gekürt - Moderator James Nesbitt hält den Moment mit einem Selfie fest.

Bereits zum fünften Mal wird Barcelonas Lionel Messi zum Weltfussballer gekürt - Moderator James Nesbitt hält den Moment mit einem Selfie fest.

Ein Einblick in die Weltfussballerwahl, an der Lionel Messi zum fünften Mal inthronisiert wird und sich gegen seine zwei Kontrahenten Cristiano Ronaldo und Neymar durchsetzen kann.

Kurz vor vier Uhr erklingt diese zauberhafte Melodie. Eine fast schon kitschige Anmeldung, dass sie endlich kommen, die Magier. Im Strassenlook schreiten Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar zum Vorschaugespräch. Noch ist nicht klar, welcher Herrscher, der seit 2008 andauernden Messi-Ronaldo-Dynastie, diesmal zum besten Kicker des Planeten erkoren wird.

Auch wenn eigentlich ein Trio zur Wahl steht, so sprechen alle nur über Ronaldo und Messi. Dass mit Neymar ein weiterer begnadeter Ballkünstler zu den Nominierten gehört, verkommt zur Nebensache. Genauso wie die Arbeit jener, die diese beiden Aushängeschilder zuverlässig mit Flanken und Steilpässen bedienen – und ihnen somit den Weg ins Schaufenster ebnen. Die Statistik kann eben blenden. Auch darum drehen sich die Fragen der Audienz meist um die beiden Lichtgestalten. Diese schmücken ihre Statements mit allen erdenklichen Floskeln und gegenseitigen Lobpreisungen aus.

Ronaldo, Messi und Neymar auf dem roten Teppich

Ronaldo, Messi und Neymar auf dem roten Teppich

Erst als sich das Trio mit der Fifa-Krise konfrontiert sieht, wird es interessanter. «Wir wollen nicht darüber sprechen», sagt Ronaldo erst. Dann stellt der Real-Star doch klar: «Eine Welt ohne Korruption wäre das Beste.» Doch der Korruptionsskandal überschattet diesen Abend im Zürcher Kongresshaus.

Denn die diesjährige Ausgabe des Ballon d’Or ist eine Party ohne Host. Der Fifa-Präsident Sepp Blatter: gesperrt. Uefa-Oberhaupt Michel Platini: ebenfalls gesperrt. Fifa-Generalsekräter Jérôme Valcke: wurde das Handwerk gelegt. Mehrere Fifa-Vizepräsidenten: festgenommen. Der Jahresrückblick der Fifa kontrastiert stark mit jenen von Messi, Ronaldo und Neymar. In einem eingespielten Resümee regieren Pokale und Tore. Die Polizeirazzien fehlen.

Das Spiel mit den Emotionen

Auch die Sportprominenz auf dem roten Teppich wird befragt, was sie zur Krise im Weltfussballverband denken. Viele weichen aus. Viele appellieren, diesen Abend von den Geschehnissen abzutrennen. So auch SRF-Moderator Rainer-Maria Salzgeber. «Es ist der Abend der besten Fussballer und nicht der Funktionäre.»

Dann endlich geht die Show los. Die britische Sportjournalistin Kate Abdo und der britische Schauspieler James Nesbitt führen durch den Abend. Bald wird klar, dass die Veranstaltung mit Emotionen punkten soll. Die Nominierten werden von Freunden beschrieben und vermarktet. Ein Junge, der das Team des Jahres richtig vorhersagte, darf auf die grosse Bühne zu Cristiano Ronaldo, seinem Idol.

Der Fairplay-Award geht derweil an alle Fussballverbände und Klubs der Welt, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Eine Filmsequenz soll das Solidaritäts- und Integrationspotenzial des Fussballs illustrieren.

Weniger Aktivismus betreibt unterdessen der interimistische Fifa-Präsident Issa Hayatou. Bei der als grossen Moment verkauften Wahl zum Fussballer des Jahres ist zwar auch er auf der Bühne. Künstliche Spannung wird aber keine erzeugt. Kaka, letzter Weltfussballer vor der Messi-Ronaldo-Dynastie, kommt, öffnet das Couvert und sagt, jenen Namen, den alle erwarteten: Lionel Messi. Für ihn sei es «unglaublich jetzt hier zu sein», nachdem er letztes Jahr zugesehen habe, wie Ronaldo den Titel gewonnen hat. Und zum Schluss folgt es doch noch, das Dankeschön an alle, die ihn Wochenende für Wochenende in Szene setzen. 

Wer für wen gestimmt hat, lesen sie hier. 

Meistgesehen

Artboard 1