Sport

Bald 100 000 Arbeitsstellen in der Schweiz dank dem Sport

Gianni Infantinos Fifa und das IOC tragen auch ihren Teil dazu bei, dass der Sport in der Schweiz eine jährliche Bruttowertschöpfung von 11,4 Milliarden Franken generiert. (Bild: Laurent Gillieron, Keystone; Lausanne, 10. Januar 2020)

Gianni Infantinos Fifa und das IOC tragen auch ihren Teil dazu bei, dass der Sport in der Schweiz eine jährliche Bruttowertschöpfung von 11,4 Milliarden Franken generiert. (Bild: Laurent Gillieron, Keystone; Lausanne, 10. Januar 2020)

Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung sagt, dass der Sport der Schweiz mehr als doppelt so viel Wertschöpfung bringt wie die Landwirtschaft

Wer ist wichtiger für das Bruttoinlandprodukt der Schweiz: Fifa-Präsident Gianni Infantino oder der Weinbauer aus dem Wallis? Der zugegebenermassen überspitzte Vergleich leitet sich ab aus den Erkenntnissen der neusten Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Schweizer Sports im Auftrag des Bundesamts für Sport (Baspo). Deren Kernzahlen sagen aus, dass der Sport im Jahr 2017 einen Umsatz von 22,2 Milliarden Franken pro Jahr erzielt hat, für eine Bruttowertschöpfung von 11,4 Milliarden sorgt und für 97900 Vollzeitstellen in der Schweiz verantwortlich ist.

Einige Vergleiche zur Einordnung dieser Zahlen. Seit der ersten Studie zum Thema mit Daten von 2005 ist der Umsatz um 31 Prozent gestiegen. Der Sport macht aktuell 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus, was mehr als doppelt so viel ist wie die Landwirtschaft (0,7%). Mit dem baldigen Erreichen der magischen Marke von 100000 Vollzeitstellen steuert man sogar 2,4 Prozent zur Gesamtbeschäftigung in der Schweiz bei.

Neun unterschiedliche Bereiche fliessen in den Begriff der Sportwirtschaft ein. Grösster Faktor für das Gesamtergebnis sind die rund 32000 Sportanlagen (23%), gefolgt von den Sportverbänden und -vereinen sowie dem Sporttourismus und den jährlich 230000 Sportanlässen im Land.

Der ehemalige Olympiasieger Hippolyt Kempf hat die Studie als Leiter Sportökonomie im Bundesamt für Sport verantwortet. Er sagt, die erste Studie von 2005 sei ein Meilenstein für den Schweizer Sport gewesen, welche dessen Bedeutung erstmals in Zahlen ausdrückte und half, den Sport endlich auch als Wirtschaftsfaktor wahrzunehmen. «Dank einer solchen Studie wird man in der Politik ernst genommen», sagt Kempf. Die nun vierte Folgestudie bringe vor allem Erkenntnisse zur Entwicklung und zur Frage, wohin das Geld effektiv fliesse. Nach einer vorübergehenden Baisse wachse der Schweizer Sport wieder. Einzig die Bereiche Sportprodukte und Sporttourismus stagnieren weiterhin.

Fifa und IOC als grosse Wirtschaftstreiber

Beachtenswert ist, dass die Bedeutung der Sportverbände den Sporttourismus 2017 erstmals überholt hat. Dafür verantwortlich sind die internationalen Verbände mit Sitz in der Schweiz, in erster Linie der Weltfussballverband Fifa, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der europäische Fussball-Kontinentalverband Uefa. Sie machen 45 Prozent der Wertschöpfung aller Sportverbände und -vereine in der Schweiz aus, denn sie fallen mit einer sehr hohen Arbeitsproduktivität auf.

Will heissen, auch die Schweiz profitiert vom anhaltenden Anstieg der Marktpreise für Vermarktungsrechte von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. «In die Studie fliesst nur die am Standort Schweiz generierte Wertschöpfung ein», betont Kempf und bezeichnet den Beitrag von Fifa, IOC und Uefa als «substanziell. Die Zahlen zeigen, dass diese Organisationen mit wirtschaftlich guten Konzepten unterwegs sind.» Kempf warnt davor, die Diskussion über den Nutzen der drei Verbände auf die grosszügige Steuerbefreiung zu beschränken. Neben der Verdopplung der Wertschöpfung der «Big 3» seit 2005 und der Steigerung der Anzahl Beschäftigten um 50 Prozent generieren Fifa, Uefa und IOC gemäss Kempf auch Wertschöpfung in anderen Branchen, etwa bei Banken, Versicherungen und Reisen.

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