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Auch mit 36 Jahren ist Albert Bunjaku noch so torhungrig wie eh und je

Albert Bunjaku (hier im St. Galler Trikot) ist bei Viktoria Köln in Topform.

Albert Bunjaku (hier im St. Galler Trikot) ist bei Viktoria Köln in Topform.

Der frühere Schweizer Internationale Albert Bunjaku stürmt mit beträchtlichem Erfolg für Viktoria Köln in der 3. Liga Deutschlands.

Eigentlich müsste Albert Bunjaku ein rundum glücklicher Fussballprofi sein. Auch als 36-Jähriger ist er so treffsicher wie einst im Mai und belegt mit 14 Toren in Deutschlands 3. Liga die zweite Stelle der Torjägerliste.

Eigentlich. Weil Fussball aber ein Mannschaftssport ist und der FC Viktoria Köln arg schwächelt, kann sich der Stürmer nicht uneingeschränkt über seine schöne Bilanz freuen. Nach einem exzellenten Saisonstart ist der Aufsteiger abgestürzt und steht auf einem Abstiegsplatz. «Für mich ist es unerklärlich, warum wir so nachgelassen haben», sagt Bunjaku. «Wir kassieren zu viele Gegentore.» Auch der vom FC Winterthur verpflichtete Innenverteidiger Seat Hajrovic konnte die Abwehrschwächen noch nicht beheben.

Bunjaku selber erlebt dagegen gerade seinen dritten Frühling. Auch nach 406 Pflichtspielen für Schaffhausen, Paderborn, Erfurt, Nürnberg, Kaiserslautern, St. Gallen, Aue, und Viktoria mit 127 Toren ist er hoch motiviert. «Es macht mir Spass, in dieser Liga mit grossen Vereinsnamen wie Kaiserslautern, Duisburg, 1860 München und Braunschweig zu spielen», sagt Bunjaku. «Oft herrscht eine geile Stimmung in den Stadien.» Im Sportpark Höhenberg, der Heimat von Viktoria, ist diese zwar noch ausbaufähig, mit 2900 Zuschauern wurde jedoch der Schnitt im Vergleich mit der Regionalliga mehr als verdoppelt.

Ein familiärer Verein, mit Leidenschaft geführt

Obwohl es seiner Mannschaft derzeit nicht so gut läuft, fühlt sich Bunjaku gut aufgehoben beim FC Viktoria. Mit Trainer Pavel Dotchev pflegt er seit Erfurter Zeiten ein Vertrauensverhältnis. «Der Klub ist familiär und wird mit Weitsicht geführt. Alle sind mit Herzblut dabei», sagt Bunjaku. «Am Wichtigsten aber ist, dass sich meine Familie in Köln total wohlfühlt.» Seine Frau hat sich selbstständig gemacht und bietet Back- und Koch-Workshops für Kinder an. Die beiden Sprösslinge besuchen bereits die Schule und haben zu verstehen gegeben, dass sie hier nicht mehr wegwollen. «Das will auch ich nicht», sagt Bunjaku und ist betreffend seiner Vertragsverlängerung zuversichtlich. Aufzuhören ist jedenfalls kein Thema. «Ich bin im Vollsaft, weil ich auf meinen Körper schaue und mich gut ernähre», sagt Bunjaku. In 23 Spielen stand er 23 Mal in der Startformation und verpasste bisher ganze zwei Trainings. Er möchte auch deshalb in Köln bleiben, weil er hier seine Trainerausbildung bis hin zum Fussballlehrer ideal fortsetzen könnte.

Noch immer besitzen die Bunjakus ihr Haus in Wittenbach bei St. Gallen. Sportlich war es dem sechsfachen Schweizer Nationalspieler in der Ostschweiz zwar nicht wie erhofft gelaufen, doch er hegt deswegen keinen Groll und sagt: «Ich freue mich brutal, dass der FC St. Gallen ganz oben steht und hoffe, dass es so bleibt.» Und natürlich wird der dreifache kosovarische Internationale auch mitfiebern, wenn Trainer Bernard Challandes im März Kosovo an die EM führen will. «Eigentlich ist meine Karriere im Nationalteam beendet, aber wenn Challandes noch einen erfahrenen Back-up brauchen sollte, würde ich nicht ablehnen», sagt Bunjaku.

Erste Priorität hat aber der Klassenerhalt mit dem FC Viktoria. Ein nächstes Bunjaku-Tor heute in Unterhaching könnte da schon mal weiterhelfen.

Wo spielt eigentlich?
In einer losen Serie berichten wir über Schweizer im Ausland, die nicht in den grossen Klubs spielen und deshalb vielleicht etwas vergessen gegangen sind.

Autor

Markus Brütsch

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