Die Erleichterung an diesem Sonntag Mitte Juni ist grenzenlos. Die Schweiz qualifiziert sich erstmals seit 2006 wieder für ein grosses Turnier. Im Januar 2020 nimmt sie an der Handball-EM teil. Mittendrin: Andy Schmid. Der 35-jährige Superstar ist mit ein Grund für den jüngsten Handball-Aufschwung im Land.

Er führt das talentierte, aber noch unerfahrene Team an. So erfolgreich, dass die Schweiz die EM-Qualifikation hinter Kroatien, aber noch vor Serbien und Belgien abschliesst. Nun spricht Schmid über die grosse Herausforderung, die selbst seine goldene Karriere noch veredeln kann.

Zum ersten Mal in der Geschichte wird die Europameisterschaft im kommenden Januar mit 24 Teams und in drei Ländern ausgetragen. Seit letztem Freitag ist klar, auf wen die Schweiz an der EM trifft: Schweden, Slowenien und Polen heissen die Gegner in der Gruppe F, die ihre Spiele in Göteborg austrägt. Co-Gastgeber Schweden geht dabei als klarer Favorit ins Rennen, dahinter ist Slowenien nominell die zweitstärkste Mannschaft.

Andy Schmid, der Schweizer Superstar, freut sich auf die Gruppenphase: «Das ist ein attraktives Los. Gleich zu Beginn gegen einen der Gastgeber spielen zu dürfen, wird ein absolutes Highlight.» Am 10. Januar treffen die Schweizer im Scandinavium, einer über 12 000 Zuschauer fassenden Multifunktionsarena, auf den EM-Zweiten von 2018.

Deren Trainer ist Kristján Andrésson, der ab der neuen Saison auch der neue Chef an der Seitenlinie der Rhein-Neckar Löwen sein wird – dem Klub von Andy Schmid. Die letzten Duelle mit den Skandinaviern liegen schon über elf Jahre zurück. Im Januar 2008 unterlag die Schweiz in zwei Testspielen mit 26:33 respektive 21:35. Andy Schmid steuerte elf Treffer bei.

Die Statistik aufbessern

Das zweite Gruppenspiel ist für den 12. Januar angesetzt. Die Schweiz trifft dann auf Polen. «Die Polen befinden sich zurzeit im Umbruch und haben ihre Altstars aussortiert. In diesem Duell sind wir sicherlich auf Augenhöhe», analysiert Schmid. Die letzten beiden Duelle im Januar 2019 konnte die Schweiz in Zug für sich entscheiden – und das ohne ihren grossen Star.

Im letzten Gruppenspiel trifft die Schweizer Equipe am 14. Januar auf Slowenien. Es könnte das entscheidende Duell um den Einzug in die Hauptrunde werden. Nur die besten zwei der Gruppe schaffen es dorthin. Die Slowenen sind stärker einzuschätzen als die Schweizer, sind Dauergast an Welt- und Europameisterschaften. An der letzten EM belegten sie Rang acht.

Zudem haben die Schweizer gegen die Slowenen eine ernüchternde Bilanz: Nur gerade einen Sieg und ein Unentschieden stehen elf Niederlagen gegenüber. Zuletzt handelten sie sich in der EM-Qualifikation im Juni 2017 eine regelrechte Klatsche ein und wurden zuhause mit 20:33 abserviert. Dessen ist sich auch Andy Schmid bewusst: «Mit Slowenien haben wir zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht. Aber wir haben uns weiterentwickelt in den letzten Jahren.»

Demut und Selbstvertrauen

Parolen betreffend Überraschungen will er keine verschreien. «Das wäre der falsche Weg», sagt Schmid. Man sei das erste Mal seit langer Zeit wieder einmal bei einem Grossanlass dabei, da müsse man mit dem nötigen Respekt auftreten. Aber trotzdem: «Wir fahren nach Göteborg mit ordentlich Selbstvertrauen aus den letzten Jahren und wissen, dass wir gegen alle Mannschaften bestehen können.»

Andy Schmid ist zufrieden mit dem Los. Nicht nur, weil man auf einen Gastgeber trifft. Er sagt auch, dass man Glück habe, nicht auf zwei absolute Top-Nationen zu treffen. Und nennt gleichzeitig das Beispiel der Gruppe D. Dort werden sich der letztjährige Vize-Weltmeister Frankreich und der WM-Dritte Norwegen duellieren. Da wären die Chancen auf das Weiterkommen sehr gering. «Jetzt haben wir alle Chancen, haben aber grossen Respekt vor allen sich uns stellenden Aufgaben», sagt Schmid.