Analyse zum SC Bern
Kaum können die Fans ihr Geld nicht mehr zurückfordern, entlässt der SC Bern seinen Trainer

Noch nie in der Geschichte unseres Hockeys ist ein Meisterteam durch sportliche Misswirtschaft so gründlich ruiniert worden wie jetzt der SC Bern. Das Scheitern von Trainer Don Nachbaur ist ein weiterer Höhepunkt einer Operette, über die inzwischen ganz Hockey-Europa lacht. Eine Analyse.

Klaus Zaugg
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Ist schon wieder weg beim SC Bern: Der ehemalige Trainer Don Nachbau.

Ist schon wieder weg beim SC Bern: Der ehemalige Trainer Don Nachbau.

Claudio De Capitani / freshfocus

Don Nachbaur braucht keinen Wintermantel. Am 1. Dezember, am Tag des ersten Schnees in Bern, ist der SCB-Cheftrainer gefeuert worden. Das Datum ist kein Zufall. Bis zum 30. November hatten die 10 500 SCB-Dauerkartenbesitzerinnen und -Dauerkartenbesitzer Zeit, das Geld für diese Saison zurückzufordern.

SCB-Manager Marc Lüthi.

SCB-Manager Marc Lüthi.

Urs Lindt / freshfocus

SCB-­Manager Marc Lüthi klagt gebetsmühlenartig über Geldknappheit. Dass er nun einen Trainer mit Vertrag bis Ende der nächsten Saison (!) feuert, hätte manchen verärgerten Kunden dazu veranlasst, sein Geld zurückzuverlangen. Die Sache ist so peinlich, dass der SCB die Mär verbreitet, Don Nachbaur habe von sich aus gekündigt. Das ist barer Unsinn. Er ist entlassen worden und muss abgefunden werden.

SCB-Sportchefin Florence Schelling.

SCB-Sportchefin Florence Schelling.

Urs Lindt / freshfocus

In Bern wird eine Hockey-Operette aufgeführt, die es in unserem Hockey so noch nicht gegeben hat. Um Geld zu sparen, hat die neue Sportchefin Florence Schelling im Sommer den billigsten Trainer verpflichtet, der zu haben war.

Autor Klaus Zaugg.

Autor Klaus Zaugg.

Don Nachbaur war der billigste Trainer der neueren SCB-Geschichte und vom ersten Tag an heillos über­fordert. Wie es sich für eine richtige Operette gehört, spielen Österreicher eine zentrale Rolle. Der Nachfolger des gefeuerten österreichisch-kanadischen Doppelbürgers Don Nachbaur wird mit Mario Kogler vorerst ein waschechter Österreicher.

Er ist wahrscheinlich noch unfähiger als sein Vorgänger. Die SCB-Elitejunioren sind unter ihm diese Saison unter den Erwartungen geblieben. Und nun wird er zum Cheftrainer der ersten Mannschaft befördert. Weil zu einer guten Operette ein paar Komparsen gehören, hat sogar die NHL-Legende Mark Streit eine Rolle bekommen. Er ist ab sofort als «Skill Coach» auf dem Eis tätig. Aber an die Bande wird er nicht stehen. Wenigstens das tut er sich nicht auch noch an.

Neuer Trainer des SCB: Mario Kogler.

Neuer Trainer des SCB: Mario Kogler.

Urs Lindt / freshfocus

Wie ist das alles möglich? Ganz einfach: Manager Marc Lüthi hat aus dem SCB einen Gastronomie-Konzern und eine Marketing-Maschine gemacht, die in normalen Zeiten rund 60 Millionen umsetzt. Und dabei vergessen, dass der SCB ein Sportunternehmen ist. Nie zuvor in unserer Geschichte ist durch eine inkompetente sportliche Führung ein Meisterteam so schnell und gründlich ruiniert worden.

Das Chaos in den Büros der Sportabteilung hat dazu geführt, dass eine Mannschaft, die gut genug ist, um in der oberen Tabellenhälfte zu rocken, fast ans Tabellenende gerutscht ist. Inzwischen hat der SCB seit dem Titelgewinn von 2019 mit Mario Kogler schon den vierten Trainer verpflichtet.

Die grösste sportliche Krise seit dem Wiederaufstieg von 1986 ist zu hundert Prozent hausgemacht. Der SCB ist drauf und dran, in wenigen Monaten den Respekt zu verspielen, den er sich über die Jahre landesweit erarbeitet hat. Die Krise kann nachhaltig nur noch durch eine komplette Erneuerung der sportlichen Führung gemeistert werden.