Analyse
Aufstockung auf 12 Teams und Einführung von Playoffs: Der neu geplante Modus für die Super League ist ein genialer Wurf

Der neu geplante Modus verspricht Spannung ohne Ende. Auch, weil die Meisterschaft ab der Saison 2023/24 in Playoffs entschieden werden soll.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Der aktuelle Super-League-Modus hat ausgedient. Zu wenige Spannungsfelder, zu repetitiv, wenn sich die Teams viermal pro Saison duellieren und die Liga ist mit nur zehn Klubs eh zu klein. Schliesslich kann man von den Klubs in der Challenge League nicht 1A-Stadien und professionelle Strukturen erwarten, wenn kaum eine Aussicht auf einen Platz in der Super League besteht.

Lange haben sich die Super-League-Klubs gegen die Aufstockung gesträubt, weil sie die TV-Einnahmen lieber durch zehn als durch zwölf Klubs teilen. Nun aber hat ein Umdenken stattgefunden. Das Komitee der Swiss Football League schlägt ab der Saison 2023/24 eine 12er-Liga vor. Die Challenge League hingegen soll weiterhin zehn Teams umfassen. Am 20. Mai wird an der Generalversammlung der Liga über die Modusänderung entschieden.

Dem SFL-Komitee schwebt ein dreistufiges Modell vor: Play-offs sollen für mehr Spannung sorgen.

Dem SFL-Komitee schwebt ein dreistufiges Modell vor: Play-offs sollen für mehr Spannung sorgen.

Swiss Football League

Unter 18 Heimspielen pro Saison läuft nichts

Lange hat man sich aber auch gegen eine Modus-Änderung gesträubt, weil das bestehende Format einfach gestrickt ist und jedem Klub mindestens 18 Heimspiele garantiert. Die Anzahl der Heimspiele ist so etwas wie eine heilige Kuh im Schweizer Klubfussball. Denn im Vergleich zu ausländischen Ligen werden hier die TV-Rechte quasi auf dem Schnäppchen-Tisch gehandelt. Heisst: Die Schweizer Fussballunternehmen sind neben dem volatilen Transfergeschäft auf die Einnahmen aus dem Spielbetrieb angewiesen, um sich über Wasser zu halten. Der Tenor deshalb: Unter 18 Heimspielen läuft nichts.

Das Liga-Komitee schlägt nun einen Modus vor, der mehr als nur eine Reform ist. Es ist eine Revolution. Sicher, nicht jede Revolution hat sich hinterher als Erfolgsgeschichte entpuppt. Denken wir nur an die islamische Revolution im Iran, die das Land wohl Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zurückgeworfen hat. Aber die Fussball-Revolution, die uns in der Schweiz bevorsteht, wird keine Verlierer produzieren. Der neue Modus, wenn er denn auch kommt, ist modern, dynamisch, komplex, sorgt jederzeit und in allen Tabellenlagen für Spannung, bietet den Verlierern eine zweite Chance und lässt die Sieger nie ruhig schlafen. Und er bricht mit dem Tabu Playoff. Kurz: Der neue Modus ist ein ganz grosser Wurf.

Spannung zu jeder Zeit und an jedem Ort

Die zwölf Teams spielen je zweimal gegeneinander. Danach wird geteilt. Ohne Punktehalbierung, wie wir das aus der Jahrtausendwende mit der Auf-/Abstiegsrunde kennen. Genial am neuen Format: Wir haben Spannung in der ersten Phase, wenn es darum geht, wer es in die obere Tabellenhälfte schafft. Und wir haben noch mehr Spannung, wenn es in die zweite und dritte Phase geht.

Künftig soll die Meisterschaft in einem Play-off zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten entschieden werden.

Künftig soll die Meisterschaft in einem Play-off zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten entschieden werden.

Keystone

In der zweiten Phase tragen die sechs Klubs in den beiden Gruppen erneut ein Hin- und Rückspiel gegeneinander aus. In der oberen Gruppe geht es um den Kampf um Platz 1 und 2. In der unteren gegen den Abstieg. Der letzte muss in die Challenge League. Der Zweitletzte spielt gegen den Zweiten der Challenge League eine Barrage. Am Ende dieser Phase haben die Klubs 16 Heimspiele. Fehlen als noch zwei, um den Besitzstand zu wahren.

Playoffs sind kein Tabu mehr

Die dritte Phase ist das eigentliche Meisterstück des neuen Modus. Es ist der Zeitpunkt für den ultimativen Nervenkitzel. Playoff heisst das Zauberwort. Im Schweizer Fussball lange als profane Eishockey-Droge oder als amerikanische Version von «Brot und Spiele» verschrien. Untauglich für den europäischen Fussball. Nun aber die Kehrtwende. Der Erste und der Zweite spielen das Meister-Playoff. Natürlich wird «unfair» geschrien und moniert: Was, wenn der Zweite die reguläre Saison mit 13 Punkten Rückstand abschliesst, das Meister-Playoff aber gewinnt?

Dann ist es halt so. Der Modus des Meister-Playoffs muss noch definiert werden. Deshalb hier schon mal ein Vorschlag: Best-of-Five, also wer zuerst drei Siege hat ist Meister. Und der Erste nach der regulären Saison steigt nicht nur mit einem Heimspiel, sondern auch noch mit einem Bonus-Sieg in die Titelentscheidung

Aber auch für die Teams auf den Plätzen drei bis und mit zehn ist die Saison nach der zweiten Phase nicht vorbei. Sie kämpfen ebenfalls in Playoffs um die Ränge 3 und 4, also um Europacup-Plätze. Heisst: Wer nach der ersten Phase auf dem zwölften und letzten Rang liegt, hat durchaus noch die Möglichkeit, sich für den Europacup zu qualifizieren. Das nennt man Chancengleichheit.