Analyse
Ein Wechsel von Yann Sommer zu Bayern München macht für alle Parteien Sinn

Geht er oder muss er in Gladbach bleiben? Diese Frage beschäftigt Fussball-Deutschland. Gut möglich, dass ausgerechnet ein Nati-Kollege Yann Sommer den Transfer zum deutschen Branchenprimus ermöglicht.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Bald Teamkollegen? Gladbachs-Torhüter Yann Sommer (links) stoppt Bayerns Angreifer Leroy Sané.

Bald Teamkollegen? Gladbachs-Torhüter Yann Sommer (links) stoppt Bayerns Angreifer Leroy Sané.

Keystone

Weil sich Manuel Neuer beim Skifahren einen Beinbruch zugezogen hat, sucht Bayern München einen Torhüter. Diese Suche führte den deutschen Branchenprimus schnell einmal zu Yann Sommer. Verständlich. Schliesslich ist der Schweizer Nationalkeeper nicht nur einer der besten in der Bundesliga, sondern brilliert insbesondere in den Partien gegen Bayern München. Zuletzt im August, als er im Kasten von Gladbach 19 Schüsse parierte, was zuvor noch nie einem Torhüter in der Bundesliga gelungen war.

Verständlich auch, dass sie bei Gladbach - Sommer natürlich ausgenommen - alles andere als amüsiert sind ob der Avancen aus München. Unverkäuflich hiess es bald einmal. Aber was ist schon unverkäuflich? Erst recht im Fussball. Kommt dazu, dass Sommers Vertrag im Sommer ausläuft und er dann ablösefrei wechseln könnte.

«Unverkäuflich» beinhaltet einerseits ein Preisschild aber auch die Dringlichkeit, etwas Zeit zu gewinnen. Denn klar ist: Niemand rechnete vor Neuers Skiunfall im Dezember damit, dass Bayern München Yann Sommer verpflichten will. In Gladbach rechnete man damit, frühestens im kommenden Sommer eine neue Nummer 1 zu verpflichten. Weshalb man unabhängig der Ablösesumme unmöglich sofort einem Transfer zustimmen konnte, ohne einen Ersatz für Sommer an der Angel zu haben.

Mittlerweile haben sie diesen: Jonas Omlin. 29, aus Sarnen in Obwalden, die Nummer 3 in der Nati und seit 2020 bei Montpellier unter Vertrag. Die Franzosen sollen Bereitschaft signalisiert haben, Omlin ziehen zu lassen. Also steht einer spektakulären Goalie-Rochade mit zwei Schweizern in der Hauptrolle kaum mehr etwas im Weg.

Bleibt die Frage: Ist es richtig, dass Sommer mit 34 sein gemachtes Nest verlässt, um in einem halben Jahr auf der Ersatzbank zu landen?, Ja, ist es. Sommer ist seit achteinhalb Jahren in Gladbach. Gewonnen hat er in dieser Zeit ausser viel Anerkennung nichts. In München hingegen kann er deutscher Meister werden und in der Champions League für Aufsehen sorgen. Ausserdem: Wer weiss, ob Neuer jemals sein altes Niveau erreichen wird? Und wer behauptet, dass Sommer im Zweikampf mit Neuer, dessen Standing nach dem Skiunfall nicht gestiegen ist, chancenlos ist?

Ein Wechsel Sommers zu Bayern macht für alle Sinn. Die Münchner haben einen grosses Problem weniger, Gladbach einen Torhüter für die kommenden vier, fünf Jahre und Omlin den nächsten Karriereschritt.