Eishockey-WM

Ab jetzt ist Perfektion gefragt: Die Schweizer Eishockey-Nati unterliegt Tschechien 4:5

Die Schweiz erlitt an der WM in der Slowakei mit dem 4:5 gegen Tschechien die dritte Niederlage in Serie und beendete die Gruppe B im 4. Rang. Der Viertelfinalgegner am Donnerstag (16.15 Uhr) heisst Kanada.

4 Stunden und 30 Minuten dauert der Transfer per Zug von Bratislava nach Kosice. Dort, an der Ostgrenze der Slowakei, 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, wird die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft am Donnerstag gegen Kanada ihren WM-Viertelfinal austragen. Ab dann heisst es: Verlieren verboten.

Dass für die Schweiz nicht die bequemere Variante mit dem Verbleib in Bratislava zum Zug kommt, muss man sich am Ende selber zuschreiben. Nach den vier Siegen in den ersten vier WM-Spielen (gegen Italien, Lettland, Österreich und Norwegen) ging man gegen die drei «Grossen» der Vorrundengruppe dreimal als Verlierer vom Eis.

Fischer setzt alles auf eine Karte

Während die Niederlage gegen die starken Russen (0:3) einer gewissen Logik gehorchte, so gehörten die Verlustgänge gegen die Schweden (3:4) und Tschechien (4:5) eher zu der Kategorie «unnötig».

Wobei anzumerken ist, dass man gegen die Tschechen nur deshalb nicht punktete, weil Nationaltrainer Patrick Fischer am Ende alles auf eine Karte setzte und beim Stand von 4:4 den Goalie herausnahm, um den für einen Verbleib in Bratislava benötigten Sieg mit zwei Toren Unterschied zu erzwingen. Jakub Rutta traf schliesslich für die Tschechen in den verwaisten Kasten der Schweizer und machte damit deren dritte Vorrundenniederlage perfekt.

Der Bruch nach 10 Minuten

Dabei haben sich die Schweizer den negativen Lauf der Dinge im Fall des Tschechen-Spiels selbst zuzuschreiben. Sie starteten sehr gut in Partie und gingen durch Lukas Frick (nach herrlicher Vorarbeit von Lino Martschini) schon in der dritten Minute in Führung. Doch nach zehn Zeigerumdrehungen, und einem längeren Unterbruch wegen einer defekten Plexiglasscheibe, verloren die Schweizer komplett den Faden.

Es folgten, wie es Fischer beschrieb, «die schlechtesten 30 Minuten des Turniers.» Einerseits liess man sich auf die Provokationen der Tschechen ein und verlor sich zunehmend auf Nebenschauplätzen. Andererseits hatte man immer wieder ungewohnte Puckverluste zu beklagen und liess sich mehrmals auf geradezu naive Art und Weise auskontern.

Die cleveren Tschechen nahmen diese Einladungen dankend an und zogen bis zum Ende des zweiten Drittels auf 4:2 davon. WM-Debütant Nino Niederreiter, der angesichts seiner hektischen Anreise aus Nordamerika eine ordentliche Leistung ablieferte, fand ebenso kritische Worte: «Wir waren viel zu hektisch und zu fehlerhaft. Damit sind wir den Tschechen ins offene Messer gelaufen.»

Desolates Powerplay

Es spricht für den Charakter und die intakte Moral der Schweizer Mannschaft, dass sie sich im letzten Drittel nochmals ins Spiel zurück kämpfte. Scherwey und Niederreiter gelang für die nun leidenschaftlich und entschlossen agierenden Fischer-Boys der Ausgleich.

Dass es nicht zu mehr reichte, war unter anderem auch dem einmal mehr desolaten Powerplay geschuldet. Die Schweiz schloss die Vorrunde mit einer miserablen Erfolgsquote von 11.43 Prozent ab. Nur die Teams aus Grossbritannien, Italien und Österreich schnitten noch schlechter ab. Was tun, damit sich dieser notorische Schwachpunkt beseitigen lässt?

Minimalziel erreicht

«Wenn es im Powerplay nicht läuft, dann fängt man an, zu viel nachzudenken. Man will unbedingt alles richtig machen. Wir müssen versuchen, instinktiver zu agieren. Mal den Kopf ausschalten und einfach spielen», ortet Verteidiger Roman Josi die Blockade im mentalen Bereich. Man kann es auch positiv sehen: der beste Moment, das Überzahlspiel wieder flott zu kriegen, ist die jetzt anstehende, wichtigste Turnierphase.

Denn letztlich entscheidet das, was jetzt noch kommt darüber, ob diese WM für die Schweizer – neben der Erfüllung des Minimalziels Viertelfinal-Qualifikation – zu einer weiteren Erfolgsgeschichte wird. Im Viertelfinal ist Perfektion gefragt. Der wirre Auftritt gegen die Tschechen war hoffentlich der Warnschuss zum richtigen Zeitpunkt für die Nationalmannschaft. Will man den Exploit des letzten Jahrs wiederholen, als man in den Viertelfinals die Finnen mit 3:2 besiegte, dann braucht es eine Steigerung. Ohne wenn und aber. 

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