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Aargauer Balljungs: Schulfrei für Roger Federer

Joel (links) und Cyril Kunz werden am Laver Cup Roger Federer und den anderen Stars Handtücher reichen und Bälle zuspielen.

Joel (links) und Cyril Kunz werden am Laver Cup Roger Federer und den anderen Stars Handtücher reichen und Bälle zuspielen.

Wenn am Wochenende der Laver Cup über die Bühne geht, stehen auch zwei Aargauer im Einsatz. Den Zwillingen Cyril und Joel Kunz wird als Ballboys eine delikate Aufgabe zuteil.

Die gelben Filzbälle rollen und hüpfen über den grünen Belag, der aufgrund seiner Oberfläche an einen Fussballplatz auf einem Schulareal erinnert. Sekunden später verschwinden die kleinen Bälle in den Händen und hinter dem Rücken der Ballkids, um kurz darauf wieder zum Vorschein zu kommen.

An jenem Samstag trainieren 33 Ballkids im Sportzentrum «Bout-du-Monde» für den Laver Cup – darunter die beiden in Auenstein wohnhaften Zwillinge Cyril und Joel. Sie wurden aus rund 120 Bewerbern ausgewählt, im prestigeträchtigen Duell «Europa gegen Welt» den Tennis-Stars die Handtücher zu reichen und die Bälle vor deren Aufschlägen zuzuwerfen.

Die Zwillinge stehen kurz vor ihrer Pensionierung

Was augenscheinlich ist: Die Zwillinge gehören zu den Routiniers unter den Ballkids, sie sind fast die Ältesten. Nach mehreren Einsätzen an den Swiss Indoors, am Davis Cup und dem WTA-Turnier in Biel steht ihre Pensionierung kurz bevor. Nach dem 16. Geburtstag sind sie zu alt für das Amt als Ballboys. Der Laver Cup ist daher ihr zweitletztes Turnier. «Als wir gehört haben, dass der Laver Cup in die Schweiz kommt, war für uns sofort klar, dass wir diese einmalige Chance ergreifen und als Ballboys dabei sein wollen», sagt Joel. Trotz ihrer Erfahrung in dieser Funktion seien sie keineswegs «gesetzt» gewesen, denn aus der ganzen Schweiz habe es starke Bewerber gegeben. Deshalb seien sie umso glücklicher, dass sie sich einen der begehrten Plätze sicher konnten.

Ihr Lieblingsspieler? Natürlich Roger Federer. «Es bedeutet mir extrem viel, mit ihm auf dem Court zu stehen», sagt Cyril. «Roger Federer ist ein grosses Idol, der beste Spieler der Welt. Es ist eine grosse Ehre, gemeinsam mit ihm auf dem Platz zu stehen.» In Basel haben sie Federer auch schon treffen dürfen, der «Maestro» habe ihnen und ihren Ballkids-Kollegen Pizza spendiert. Sogar für Selfies war Zeit, die Bilder hängen zu Hause in den Zimmern an der Wand. Neben dem Schweizer Superstar Federer sehen die Zwillinge auch Stefanos Tsitsipas aus Griechenland gerne. Er steht am Wochenende ebenfalls im Einsatz.

Ein Star zum Anfassen: Roger Federer isst nach den Swiss Indoors in Basel mit den Ballkids Pizza. In diesen Genuss sind auch Cyril und Joel Kunz schon gekommen.

Ein Star zum Anfassen: Roger Federer isst nach den Swiss Indoors in Basel mit den Ballkids Pizza. In diesen Genuss sind auch Cyril und Joel Kunz schon gekommen.

Die Episode mit dem Cola trinkenden Chiudinelli

Was fasziniert die beiden am Tennissport und an der Tätigkeit als Ballboys? «Tennis ist sehr abwechslungsreich und spannend. Es gibt nie zweimal die gleiche Situation und das Momentum kann sehr schnell kippen. Das gefällt mir», sagt Joel. Auch deshalb muss die Konzentration bei den Ballkids immer hoch sein. Sofern ihnen keine Fehler unterlaufen, seien die Profis nett zu ihnen, sagen sie einstimmig. Sie seien glücklicherweise noch nie angeschrien worden, wenn sie im Einsatz standen. Eine lustige Episode gibt Cyril zum Besten – geschehen am ATP-Turnier in Basel vor zwei Jahren: «Marco Chiudinelli wollte in seinem letzten Spiel eine Cola trinken». Eine echte Seltenheit

Für den Laver Cup sind sie insgesamt vier Tage im Einsatz. Am Donnerstag und Freitag werden sie deshalb nicht in der Berufsschule erscheinen. Die Freistellungsgesuche der beiden KV-Lernenden wurden bewilligt. So müssen sie sich nur darum kümmern, wann sie den verpassten Schulstoff aufarbeiten. Daran verschwenden sie aber derzeit keine Gedanken. Vielmehr wollen sie fokussiert sein, damit sie auch ihr zweitletztes Turnier erfolgreich über die Bühne bringen. Wenn sie auch hierbei fehlerfreie Auftritte hinlegen, müssen sie sich nicht vor wütenden, schreienden Tenniscracks fürchten.

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