2. Liga inter
«Wir können mit Geld keine Spieler anlocken» – warum der SC Schöftland ein Vorbild ist

Der SC Schöftland hat sich im Mittelfeld der 2. Liga inter etabliert, obwohl der Klub nur wenig Geld für Spieler ausgibt. Der Verein könnte damit zum Vorbild für eine Spielklasse werden, die zuletzt strukturelle Probleme aufwies.

Nik Dömer
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Der SC Schöftland ist für seine gute Teamchemie bekannt.

Der SC Schöftland ist für seine gute Teamchemie bekannt.

Chris Iseli

Diese Liga hat es in sich. Mit den Eagles Aarau, dem FC Wettingen und dem FC Olten haben sich zuletzt gleich drei Mannschaften aus dem Spielbetrieb der 2. Liga interregional verabschiedet, weil sie den Ansprüchen der Spielklasse nicht mehr gerecht werden konnten oder wollten.

Eine Arbeitsgruppe soll nun eine zeitgemässere Struktur für die Liga ausarbeiten. Gut möglich, dass diese sich dabei auch den SC Schöftland genauer anschauen wird. Namhafte Spieler wie Renato Steffen oder Kevin Spadanuda fanden hier den Tritt, um den Sprung in den Profifussball zu realisieren.

Renato Steffen kickte einst im Dress des SC Schöftland.

Renato Steffen kickte einst im Dress des SC Schöftland.

Otto Lüscher

Es sind zwei Aushängeschilder, die als Paradebeispiel für das erfolgreiche Modell des SCS gelten. Mit geringem Budget und günstigem Kader ist es dem Verein in den letzten Jahren gelungen, sich im Mittelfeld der 2. Liga inter zu etablieren: «Zu uns kommen Spieler, weil sie hier kicken wollen. Es hat sich in der Region rumgesprochen, dass wir eine tolle Chemie haben», erklärt Sportchef Manuel Moor.

15 Spieler aus dem Nachwuchs des FC Aarau

«Unser Fundament besteht immer noch aus der Aufstiegsmannschaft von 2016», sagt Moor. «Wir waren schon damals eine eingeschworene Truppe mit vielen jungen Spielern, die einst beim Nachwuchs des FC Aarau gekickt haben.» Seither gab es für die Mannschaft noch weiteren Zuwachs aus Aarau: «Aktuell sind es 15 Spieler im Kader, die einst im FCA-Nachwuchs gespielt haben», betont Moor.

Die Spieler verdienen beim SCS lediglich ein bisschen Feriengeld.

Die Spieler verdienen beim SCS lediglich ein bisschen Feriengeld.

Chris Iseli

Ein weiterer Faktor beim SCS: Die Hauptmotivation der Spieler muss rein sportlicher Natur sein, die Verdienste sind nämlich gering. «Wir können mit Geld keine Spieler anlocken, bei uns bleibt nach der Saison lediglich ein Ferienbatzen übrig. Einige haben vor ihrem Wechsel nach Schöftland besser verdient.» Ganz ohne Spesen und Punkteprämien gehe es jedoch auch nicht, muss sich Moor eingestehen. Ein bisschen Geld brauche es, um Teil der Liga zu sein. «Würden wir nur mit unserem Nachwuchs agieren, wären wir mindestens eine Stufe tiefer, da auch wir junge Talente früh verlieren. Wir sind deshalb auf eine Zwischen­lösung angewiesen.»

Manuel Moor ist sich sicher, dass die Junioren das Gerüst für jede Mannschaft sein sollten.

Manuel Moor ist sich sicher, dass die Junioren das Gerüst für jede Mannschaft sein sollten.

Chris Iseli

Trotzdem ist für Moor klar, dass die Nachhaltigkeit der Vereine in dieser Liga oberstes Gebot sein sollte. «Die Junioren sollen das Gerüst sein, auf dem die Mannschaften der Liga aufgebaut werden.» Die Realität sieht anders aus: «Gefühlt haben mehr als die Hälfte der Klubs Spieler, die mehrheitlich wegen des Geldes kicken. Das hat allerdings auch etwas Positives an sich, denn solche Akteure heben das Niveau der Liga. Die würden sonst woanders spielen.»

Belohnung für Nachhaltigkeit

Dass eine Veränderung der Liga gut tun würde, will der Sportchef aber nicht bestreiten: «Wenn man sich die verschiedenen Budgets anschaut, dann hat diese Liga ziemlich heftige Kontraste. Der finanzielle Anreiz darf auf dieser Stufe nicht im Vordergrund stehen.»

Auch in Schöftland ist bei der Juniorenförderung noch Potenzial vorhanden.

Auch in Schöftland ist bei der Juniorenförderung noch Potenzial vorhanden.

Chris Iseli

Eine entsprechende Regelung sieht Moor nicht als optimale Lösung: «Wenn man eine Gehaltsobergrenze für die Teams einführen würde, passieren die Zahlungen einfach verdeckt.» Viel eher solle die zuständige Amateur-Liga den Klubs, die nicht nachhaltig arbeiten, den Weg erschweren. Dass beispielsweise Ersatzabgaben für eine fehlende Junioren-Abteilung nicht mehr länger akzeptiert werden, sieht er als Schritt in die richtige Richtung.

Ein anderer Ansatz könnte gemäss Moor ein Prämiensystem aus einem Zusatzpott sein, bei dem Nachhaltigkeit belohnt wird. Soll heissen, je mehr U21-Spieler eingesetzt werden, desto grösser ist die Ausschüttung für den Klub am Ende der Saison. Ähnlich, wie es zurzeit ja bereits bei der Fairplay­trophy gehandhabt wird.

Trainer Sven Osterwalder will mit seiner Equipe um die vorderen sechs Ränge kämpfen.

Trainer Sven Osterwalder will mit seiner Equipe um die vorderen sechs Ränge kämpfen.

Chris Iseli

Mehr Feuerpower in der Offensive

Der SC Schöftland setzt sich für die kommende Saison ambitionierte Ziele: «Wir geben uns nicht noch einmal mit dem 7. Rang zufrieden. Wir konnten uns individuell auf vier Positionen verstärken und haben dadurch mehr Feuerpower in der Offensive. Auch für mehr Breite im Kader ist gesorgt. Dementsprechend muss eine Top 5 Platzierung das Ziel sein», sagt Sportchef Manuel Moor.

Umsetzten soll dieses Ziel Sven Osterwalder, der SCS hat schon frühzeitig zu Beginn des Jahres mit dem Trainer um ein weiteres Jahr verlängert. Zudem soll der Fokus auf den eigenen Nachwuchs grösser werden: «Wir würden in Zukunft gerne mehr auf Eigengewächse setzen können, bisher waren sie meist nur Ergänzungsspieler in der 1. Mannschaft», erklärt Moor.

Finanzielle Folgeschäden befürchtet Moor derzeit keine. Im Gegenteil: «Staff und Spieler kamen uns schon früh entgegen, ausserdem sind wir von den Sponsoren her breit abgestützt. Kommt noch dazu, dass wir weiterhin die Chance haben, uns für das Hauptfeld des Schweizer Cups zu qualifizieren. Mit etwas Glück erwartet uns in diesem Jahr noch ein Fussballfest in Schöftland gegen einen Verein aus der Super League.»

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