Kunstturnen
Viel Training, Wettkämpfe und kaum Ferien: Hinter Oliver Hegi liegen intensive Monate

Der Schofiser Kunstturner Oliver Hegi blickt vor der heute beginnenden EM im polnischen Stettin auf eine intensive Zeit zurück - und richtet den Fokus bereits nach vorne.

Andrea Meili
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Oliver Hegi blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Oliver Hegi blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Keystone

Der Reck-Europameister Oliver Hegi hat sich beim Sturz vom Barren ein schmerzhaftes Hämatom im Rippenbereich zugezogen. Aus diesem Grund ist fraglich, ob er seinen Titel am Reck im polnischen Stettin überhaupt verteidigen kann.

Die Titelverteidigung ist eigentlich auch nicht das Ziel des Aargauers, sein Fokus liegt schon jetzt bei der Weltmeisterschaft im Oktober und der damit verbundenen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio. «Die EM ist die Hauptprobe für die WM. Wir können uns da mit den Russen, den Deutschen und anderen starken Turnern messen und einschätzen, wo wir im Vergleich stehen», sagt der 26-Jährige.

Seit den beiden Medaillen – Gold am Reck und Bronze am Barren – ist knapp ein Jahr vergangen. Ein Jahr mit einem vollgepackten Programm: «Nach der EM hatten wir keine Pause, da wir uns sogleich auf die WM vorbereiten mussten», erzählt Hegi. «Ich muss zugeben, wir waren nicht mehr ganz frisch an den Weltmeisterschaften, deshalb konnten wir auch unsere Ziele nicht erreichen.» Der sechste Rang mit der Mannschaft war dann auch das beste Resultat in Doha.

Sponsorensuche gestaltet sich schwierig

Ruhiger wurde es wettkampfmässig auch danach noch nicht. Es folgten die Schweizer Meisterschaften im Einzel und der Mannschaft im September. Erst Ende des vergangenen Jahres konnte der Schofiser ein wenig Pause machen. Der Ausgleich neben den Wettkämpfen und dem Training ist Hegi sehr wichtig. «Reisen ist meine Leidenschaft. Vergangenes Jahr hat es leider nur für Städtetrips gereicht.»

Barren, Sprung, Boden und der Traum vom Final

Das Verletzungspech bei den Kunstturnern setzt sich fort. Nach den Ausfällen von Leonie Meier und Pablo Brägger hat es nun auch noch Oliver Hegi erwischt. An den Europameisterschaften im polnischen Stettin nehmen trotzdem vier Aargauer Turnerinnen und Turner teil.

Neben Hegi tritt auch Christian Baumann bei den Männern an. Er ist nun der Einzige für den Mehrkampf nominierte Turner. Sein Ziel ist aber vor allem, den Final in seiner besten Disziplin, dem Barren, zu erreichen. Bei den Frauen sind Anina Wildi und Anny Wu nominiert.

Wu ist kurz vor der Abreise für die verletzte Leonie Meier ins EM-Kader nachgerückt. Sie träumt von einer Finalteilnahme an ihren beiden Lieblingsgeräten Stufenbarren und Sprung. Wildi hat ihre Fussbeschwerden inzwischen überwunden und erhofft sich bei ihrer ersten EM-Teilnahme einen Platz im Sprung- oder Bodenfinal.

Auf die Frage, wohin er denn gereist sei, zögert er etwas mit der Antwort. «In Wien und in Porto war ich. In der Schweiz sind wir noch an ein paar Orten gewesen und auf Fuerteventura, aber das war noch vor den Wettkämpfen. Für mehr hat es wirklich nicht gereicht.»

Eine grosse Auszeichnung war für Oliver Hegi die Wahl zum «Aargauer des Jahres». Eine Ehre, mit der er überhaupt nicht gerechnet hatte. «Dass man mich auch über den Sport hinaus so sehr wahrnimmt, habe ich gar nicht gewusst», erklärt er stolz. Trotz guter Ergebnisse in seinem Sport und der Auszeichnung von den Aargauern ist es für Hegi nicht einfach, einen Sponsor zu finden: «Das Kunstturnen hat nur selten genug Aufmerksamkeit, um es vermarkten zu können.»

Gut in Form und dann der Sturz

Hat sich Oliver Hegi eigentlich verändert nach dem Titel? Seine Teamkollegen und Cheftrainer Bernhard Fluck verneinen. Er sei derselbe geblieben. Nur noch stärker sei er geworden, ergänzt der Aargauer Christian Baumann. Hegi selber sieht es ähnlich: «Ich bin stabiler geworden, mein Formstand stimmt ebenfalls. Ich fühle mich dieses Jahr so gut wie noch nie zuvor.»

Wegen des Sturzes vom Barren ist nun jedoch fraglich, ob Hegi sein Potenzial voll ausschöpfen kann. Die Teilnahme am Mehrkampf ist voraussichtlich nicht möglich, da er wohl auf seine Barrenübung verzichten muss. Am Reck konnte Hegi hingegen trainieren und auch das Pauschenpferd sollte möglich sein.

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