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Ring-Trainer Adi Bucher: «2016 wird kein einfaches Jahr für uns»

Der neue Freiämter Trainer Adi Bucher zieht nach einem halben Jahr im Amt seine erste Zwischenbilanz.

Wolfgang Rytz
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Trainer Adi Bucher feuert seine Ringer an. Wolfgang Rytz

Trainer Adi Bucher feuert seine Ringer an. Wolfgang Rytz

Die Ringerstaffel Freiamt erlebte in den letzten eineinhalb Jahren eine turbulente Zeit. Das sportliche Aushängeschild der Region feierte im Dezember 2014 den Schweizer Mannschaftsmeistertitel, verfehlte aber im Jahr darauf die Halbfinalteilnahme. Rang 5 in der Nationallliga A bedeutet die schlechteste Klassierung seit 27 Jahren. Der damalige Cheftrainer Thomas Murer trat nach drei Saisons zurück. Adi Bucher übernahm die schwierige Aufgabe, den Verein zum Erfolg zurückzuführen. Am Wochenende findet die Schweizer Einzelmeisterschaft im Freistilringen in Wünnewil statt. Der 33-jährige Merenschwander zieht in einem Interview Zwischenbilanz.

Wo steht die Ringerstaffel Freiamt ein halbes Jahr nach ihrer Amtsübernahme?

Adi Bucher: Wir befinden uns in der Aufbauphase. Der Trainerstab und die Ringer haben den enttäuschenden
5. Platz als Signal verstanden. Ich konnte die Leute sensibilisieren, ohne alles umzukrempeln. Wir haben regelmässig 20 bis 25 Ringer im Training. Das gute Abschneiden an der Junioren- und Jugend-A-Meisterschaft im freien Stil hat gezeigt, dass wir einer guten Zukunft entgegengehen. Wir wiesen die beste Bilanz aller Vereine auf.

2014 war Freiamt Schweizer Meister, 2015 verfehlte der Verein den Nationalliga-A-Halbfinal. Wie ist Freiamt aktuell einzustufen?

Aufgrund des starken Nachwuchses bin ich überzeugt, dass wir in drei Jahren wieder um den Schweizer Mannschaftsmeistertitel mitreden können.

Wie viele Freistil-Einzeltitel erhoffen Sie sich heute?

Die Ausgangslage bei den Aktiven ist schwierig. Ein Titelgewinn wäre eine Überraschung.

Warum so bescheiden?

Wir haben viele Ausfälle. Randy Vock wäre ein sicherer Wert, aber er bestreitet zurzeit die Olympiaqualifikation. Gespannt bin ich auf Markus Murer, der zwei Jahre in Kanada trainiert hat.

Sind alle Leistungsträger bis zur Mannschaftsmeisterschaft im September wieder fit?

Der grosse Test kommt für uns bereits im Juni an den Greco-Meisterschaften. Da sollten eigentlich fast alle wieder ringen können.

Was liegt im Herbst in der Mannschaftsmeisterschaft drin?

Bronze ist nicht utopisch. Willisau und Kriessern haben derzeit eindeutig das stärkere Kader. Hergiswil schätze ich etwa auf gleicher Höhe ein. Unser primäres Ziel ist die Rückkehr in den Halbfinal. Wir sind aber jetzt gewarnt vor Schattdorf.

Was war Ihre grösste Herausforderung als neuer Freiämter Cheftrainer? Waren Sie vor allem als Seelendoktor gefragt?

Ja, ich führte viele Einzelgespräche mit den Athleten. Schnell erkannte ich, dass 2016 für uns kein einfaches Jahr wird. Das hat auch damit zu tun, dass viele Junge in der Lehrabschlussprüfung und nachher in der Rekrutenschule stecken. Inzwischen kann ich aber sagen, dass wieder Ruhe im Verein herrscht und die Aufgaben im Trainerstab klar zugeteilt sind.

Warum stürzte die Ringerstaffel Freiamt als Meister ab?

Da haben sich vor Saisonbeginn alle falsch eingeschätzt. Wir wurden zum Gejagten und hatten viele Verletzte.

Was tun die Freiämter Ringer konkret, um wieder zur Spitze zurückzukehren?

Wir haben den physischen Trainingsaufwand erhöht und intensiviert. Dazu gehört auch Ausdauer. Die Resultate bei den ersten Wettkämpfen in diesem Jahr fielen entsprechend positiv aus.

Wie gross ist der Trainingsaufwand?

Drei Trainings pro Woche sind die Minimalanforderung für die Nationalliga A. Einige trainieren fünf- bis sechsmal.

Wie viel ist mit dem Ringen zu verdienen?

(lacht) Nichts ausser Ruhm und Ehre.

Wie motivieren Sie Ihre Athleten zu einem solchen Aufwand?

Wir sind alles Idealisten, das Ringen ist unsere Leidenschaft. Wie die Schwinger haben wir einen guten Zusammenhalt. Uns motiviert der Kampf um Anerkennung. Im Sport zählt wie im Leben allgemein nicht nur das Geld.

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