NLA-Handball
Auch dank enorm starkem Torhüter Leo Grazioli: Der HSC Suhr Aarau gewinnt auswärts beim HC Kriens-Luzern mit 25:21

Keine 48 Stunden nach der Niederlage des Jahres 2021 rehabilitiert sich der HSC Suhr Aarau am Samstagabend auswärts beim HC Kriens-Luzern mit einem 25:21-Sieg. Zur Pause waren die Aargauer noch mit 12:13 im Rückstand gelegen.

Dean Fuss
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HSC-Trainer Misha Kaufmann (l.) und sein Assistent Tom Reichmuth feiern in Kriens einen 25:21-Sieg.

HSC-Trainer Misha Kaufmann (l.) und sein Assistent Tom Reichmuth feiern in Kriens einen 25:21-Sieg.

Bild: Freshfocus

Welch eindrückliche Reaktion: Wenn es gegen den NLA-Leader nicht klappt, dann halt gegen den Tabellenzweiten. Der HSC Suhr Aarau gewinnt auswärts beim HC Kriens-Luzern mit 25:21 – und das keine 48 Stunden, nachdem die Aargauer im Heimspiel gegen Pfadi Winterthur am Donnerstag mit 23:29 die ersten Niederlage im Jahr 2021 hatten hinnehmen müssen.

«Ich bin enorm stolz auf diese Mannschaft, dass sie so auf das schwierige Pfadi-Spiel reagiert hat», sagt HSC-Trainer Misha Kaufmann wenige Augenblicke nach der Schlusssirene und ergänzt:

«Gegen Kriens-Luzern waren wir von A bis Z die bessere Mannschaft. Im Gegensatz zum Donnerstag ist es meinen Spielern gelungen, die kleinen Dinge gut zu machen. Ich habe ein Team gesehen, dass hinsichtlich Emotionen, Aggressivität und Cleverness in der Schweiz ihresgleichen sucht.»

Tatsächlich wusste der HSC Suhr Aarau in der Krienser Krauerhalle zu gefallen. Sowohl defensiv als auch offensiv war gegenüber der Niederlage vom Donnerstag eine deutliche Steigerung auszumachen. Einziges Manko: Die HSC-Spieler verwarfen im Angriff einmal mehr viel zu viele gute Chancen.

Torhüter Grazioli mit überragender Abwehrquote

Dass sich das am Ende nicht rächte, hatte viel mit Torhüter Leo Grazioli zu tun. Der 20-Jährige übernahm nach dem ersten Team-Timeout des HSC in der 26. Minute bei den Gästen den Platz zwischen den Pfosten vom für einmal eher glücklosen Dragan Marjanac.

Auch dank dem hervorragenden Auftritt von Torhüter Leo Grazioli gewinnt der HSC Suhr Aarau auswärts beim HC Kriens-Luzern mit 25:21.

Auch dank dem hervorragenden Auftritt von Torhüter Leo Grazioli gewinnt der HSC Suhr Aarau auswärts beim HC Kriens-Luzern mit 25:21.

Bild: Alexander Wagner

Und Grazioli wusste zu überzeugen. Mehr als das: Bis zur Schlusssirene parierte er 11 von 19 Würfen auf seinen Kasten und verbuchte eine überragende Abwehrquote von fast schon unglaublichen 58 Prozent. «Dafür stehe ich auf der Platte. Solche Auftritte geben Selbstvertrauen», sagt Grazioli in seiner gewohnt unbekümmerten Art.

HSC-Portugiesen trauern um ihren Nationaltorhüter

Dank des Erfolges stiess der HSC auf Kosten der Kadetten, die allerdings drei Partien weniger ausgetragen haben, auf den dritten Tabellenrang vor.

Die HSC-Portugiesen João Ferraz (r.) und Diogo Oliveira liefen in Kriens mit Trauerflor auf.

Die HSC-Portugiesen João Ferraz (r.) und Diogo Oliveira liefen in Kriens mit Trauerflor auf.

Bild: zvg/Lukas Wernli

Trotzdem gab es in den Reihen der Aargauer nicht nur Grund zur Freude: João Ferraz und Diogo Oliveira, die beiden Portugiesen in Diensten des HSC Suhr Aarau, liefen am Samstagabend mit Trauerflor auf. Die beiden gedachten damit ihrem ehemaligen Teamkollegen und Freund Alfredo Quintana.

Der Torhüter des portugiesischen Nationalteams war am Freitag im Alter von gerade einmal 32 Jahren an den Folgen eines Anfang Woche im Training erlittenen Herzinfarktes verstorben. «Ich finde keine Worte. Das ist unglaublich traurig», sagt Ferraz, der im Januar noch mit Quintana zusammen an der WM in Ägypten gespielt hatte, und ergänzt:

«Dieser Sieg war für ihn. In unseren Herzen wird er für immer weiter leben.»

Viel Zeit zur Verarbeitung des Dramas bleibt Ferraz und Co. indes nicht: In zwei Wochen steht für das portugiesische Nationalteam das Olympia-Qualifikationsturnier auf dem Programm.

Etwas länger dauert es bis zur nächsten NLA-Partie des HSC: Als nächster Gegner gastieren die Kadetten Schaffhausen am Sonntag, 21. März, in der Aarauer Schachenhalle.

Telegramm

Kriens-Luzern - Suhr Aarau 21:25 (13:12)

Krauerhalle, Kriens. – Keine Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 5-mal 2 Minuten plus rote Karte (Aufdenblatten) gegen Suhr Aarau.

Kriens-Luzern: Bar (18 Paraden); Blättler, Delchiappo, Gavranovic (3 Tore), Harbuz (7), Idrizi (3), Lapajne (3), Lavric, Oertli (2), Papez (2), Piroch, Rellstab, Schlumpf (1).

Suhr Aarau: Marjanac (3 Paraden)/Grazioli (11); Attenhofer (6 Tore), Aufdenblatten (2), Ferraz (6), Laube (3), Muggli (1), Oliveira, Poloz, Reichmuth, Slaninka (2), Zehnder (5).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Parkhomenko, Peter, Hofer, Strebel (alle verletzt), Brandt, Gomboso, Kalt, Müller (alle ohne Einsatz) und Sarlos (nicht im Aufgebot). – Verhältnis verschossener Penaltys: 0:2.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sie sich hier in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Lesen Sie im Folgenden den Spielverlauf nach:

Der Auftakt in das Gastspiel des HSC Suhr Aarau beim HC Kriens-Luzern verläuft ausgeglichen. In der Startphase leisten sich beide Offensiven den einen oder anderen Fehler. Und weil sich auch die beiden Torhüter Paul Bar (HCK) und Dragan Marjanac (HSC) auszuzeichnen wissen, liegen die Gäste aus dem Aargau nach Ablauf der zehnten Spielminute mit 4:3 in Front.

Eine Minute später ist es der Portugiese João Ferraz, der mit seinem 5:3 zum ersten Mal für zwei Treffer Differenz zu Gunsten des HSC sorgt. In der 14. Minute ist es Lukas Laube, der in Überzahl aus der eigenen Platzhälfte ins leere Tor der Innerschweizer trifft und damit auf 8:5 stellt. Nach dem 6:8 des HCK im nächsten Angriff folgt eine Phase von gut dreieinhalb Minuten andauernde Phase ohne einen einzigen Treffer. Schliesslich ist es Manuel Zehnder, der diesen Patt in der 18., Minute bricht und zum 9:6 trifft.

Suhr Aarau kann den Gegner allerdings nicht längerfristig so auf Distanz halten: Nach einer weiteren Parade von HCK-Goalie Bar verkürzt Kriens-Luzern knapp zehn Minuten vor der Pausensirene wieder auf einen Treffer (8:9). Und kurz vor Ablauf der 26. Spielminute ist das Polster komplett weg. Der HSC liegt nun nach weiteren Unzulänglichkeiten in der Offensive plötzlich wieder mit einem Treffer (11:12) hinten.

Obwohl HSC-Trainer Misha Kaufmann unmittelbar danach sein erstes Team-Timeout bezieht, verbessert sich die Situation der Aargauer nicht. Ganz im Gegenteil: Nach weiteren Fehlern in der Offensive liegt der HSC kurz nach Anbruch der 27. Spielminute erstmals in dieser Partie mit zwei Treffern zurück (11:13).

Immerhin kann Torhüter Leo Grazioli, der nun beim HSC zwischen den Pfosten steht, mit seiner ersten Parade weiteres Unheil verhindern. So kommt der HSC in den letzten Sekunden vor der Pause noch einmal zur Ausgleichs-Chance, die Topskorer Tim Aufdenblatten aber gleich doppelt auslässt. So liegt Suhr Aarau zur Pause mit 12:13 zurück.

Obwohl Grazioli mit zwei Paraden in die zweite Halbzeit startet, liegt der HSC anderthalb Minuten nach der Pause mit 12:14 zurück. Nachdem der Rückstand in der 34. Minute wieder auf drei Treffer (13:16) angewachsen ist, bezieht HSC-Trainer Kaufmann sein zweites Team-Timeout. David Poloz, der danach anstelle von Gian Attenhofer auf dem linken Flügel aufläuft, absolviert (vorerst) nur einen Kurzeinsatz. Denn nach rund zwei Minuten und einem Technischen Fehler sowie einem parierten Wurf muss der Tscheche seinen Platz gleich wieder räumen.

Nach einer fünfminütigen Phase ohne Treffer auf beiden Seite sind es die Innerschweizer, die als erste wieder reüssieren. Und so liegt der HSC erstmals mit vier Treffern (13:17) zurück. Schliesslich ist es Attenhofer, der mit seinem vierten persönlichen Treffer zum 14:17 verkürzt und damit kurz vor Ablauf der 40. Spielminute für das erst zweite (!) HSC-Erfolgserlebnis der zweiten Halbzeit sorgt.

Zum Auftakt der Schlussviertelstunde ist es Linkshänder João Ferraz, der den HSC mit seinem 17:18 wieder bis auf einen Treffer an den HCK aufschliessen lässt. Knapp zwei Minuten später hat das Skore sogar wieder komplett gedreht: Die Gäste führen nun mit 19:18 wieder. Einen wesentlichen Anteil daran hat HSC-Torhüter Grazioli, der zu diesem Zeitpunkt mit acht Paraden bei 14 Würfen eine hervorragende Statistik aufweist.

Nach zwei weiteren Grazioli-Paraden liegt der HSC in der 54. Minute erstmals wieder mit zwei Treffern (21:19) vorne. 30 Sekunden später kassiert sieht Aufdenblatten nach einem Foul an Tim Rellstab die rote Karte. Damit fehlt der Captain seiner Mannschaft damit in der heissen Schlussphase.

Und nachdem HSC-Kreisläufer Martin Slaninka (56.) an HCK-Goalie Bar scheitert gleicht das Heimteam knapp viereinhalb Minuten vor der Schlusssirene zum 21:21 aus. In der Folge kassiert HSC-Trainer Kaufmann wegen Reklamierens eine Zweiminutenstrafe. Trotz Unterzahl gelingt es den Aargauern indes in der 58. Minute nach dem sechsten persönlichen Treffer von Ferraz wieder um zwei Längen (23:21) vorzulegen.

78 Sekunden vor der Schlusssirene lässt sich HCK-Topskorer Hleb Harbuz einen Technischen Fehler zu Schulden kommen. Mit dem Wechsel des Ballbesitzes ist die Partie vorentschieden. Und tatsächlich lassen sich die Spieler des HSC Suhr Aarau das nicht mehr nehmen und gewinnen schliesslich mit 25:21. Damit reagiert die Mannschaft von Trainer Kaufmann keine 48 Stunden nach der ersten Niederlage im Jahr 2021 mit einem Vollerfolg beim Tabellenzweiten.