Aargauer Fussball
Neuer AFV-Präsident Luigi Ponte schwebt im siebten Himmel

Angefangen bei seinen Grosseltern in Neapel, nun im siebten Himmel angekommen. Luigi Ponte wurde vor einer Woche zum neuen Präsidenten des AFV gewählt.

Ruedi Kuhn
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Luigi Ponte (rechts).

Luigi Ponte (rechts).

Ruedi Burkart

Luigi Ponte ist bei seinen Grosseltern in Neapel in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Er war von Kindsbeinen an ein fixes Kerlchen und ging geradewegs auf seine Ziele, Projekte und Visionen zu. Um etwas Geld zu verdienen, machte sich der Knirps Tag für Tag auf zum Bahnhof in Neapel und wartete auf die Schnellzüge aus Mailand. Flugs stellte er sich den reichen Touristen aus Norditalien als Gepäckträger zur Verfügung und organisierte
für sie auch noch ein Taxi. So kam im Lauf der Zeit ein schöner Batzen zusammen.

Luigi Ponte.

Luigi Ponte.

Christoph Imseng

Arbeit macht das Leben süss, sagte sich der siebenjährige Luigi damals. Arbeit macht
das Leben süss, sagt sich der 67-jährige Luigi Ponte heute noch. Der Sohn eines Schuhmachers ist aber nicht nur eine Arbeitsbiene. Er hat auch Ideen und ist offen für neue Herausforderungen. Nach 28-jähriger Tätigkeit als Verkaufsleiter hatte er den Alltag satt. Ponte krempelte sein Leben um und machte sein Hobby zum Beruf. Der leidenschaftliche Fussballer und Vollblut-Schiedsrichter nahm im Alter von 58 Jahren einen zweiten Anlauf. Seit 2010 organisiert Ponte Trainingscamps für Kinder in der Schweiz und betreute Gross- und Kleinklubs während ihren Trainingslagern in der Türkei.

Gerne im Mittelpunkt – aber kein Selbstdarsteller

Das Leben von Ponte ist seit Jahren auf den Aargauer Fussball ausgerichtet. Mit der Wahl zum Präsidenten des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) ist für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. Als er an der Delegiertenversammlung kurz nach dem grossen Augenblick der Wahl zwischen zwei Ehrendamen thront und das Blitzlichtgewitter der Fotografen geniesst, strahlt er wie ein Maikäfer. Ponte steht gerne im Mittelpunkt des Geschehens, ist
aber kein Selbstdarsteller. Er ist ein Teamplayer, hält in seinem Führungsstil den demokratischen Gedanken hoch und ist kompromissbereit.

Ponte ist für den AFV ein Glücksfall. Der Schweizer mit süditalienischen Wurzeln bringt alle Voraussetzungen für das anspruchsvolle Amt mit.
Ponte hat jede Menge Zeit und wird in Zukunft in allen Teilen des Kantons Aargau präsent und offen für Gespräche und Diskussionen sein. Und er wird nie eine solch dominante und eigenwillige Rolle einnehmen wie sein im vergangenen Frühling zurückgetretener Vorgänger Hans Aemisegger.

Luigi Ponte und Susanne Hochuli.

Luigi Ponte und Susanne Hochuli.

Ponte hat den Vorteil, dass ihm sein Name Tür und Tor öffnet. Der Name hat allerdings auch ein Konfliktpotenzial. Ponte riecht nach Ehrgeiz, nach Machtansprüchen, ja sogar nach Selbstherrlichkeit. Das liegt in erster Linie an Luigis Bruder Raimondo. Er war zwar ein hervorragender Fussballer. Aber als Trainer und Sportchef galt er als streitbare Persönlichkeit, die oft für negative Schlagzeilen sorgte.

Geld spielt eine untergeordnete Rolle

Allen Unkenrufen zum Trotz: Der Freitag, 9. August 2019, ist ein grosser Tag für Luigi
Ponte. Auf dem Papier ist er jetzt der wichtigste Funktionär im Aargauer Fussball. Nach dem freiwilligen Rückzug des FC Wohlen aus dem bezahlten Fussball hat der Amateur- und Breitenfussball an Bedeutung gewonnen. Der FC Aarau ist der einzige Aargauer Profiklub.

Genauso wie Wohlen stehen aber auch die Aarauer am Scheideweg. Der Grund ist nicht im sportlichen Bereich zu suchen. Der Grund ist das neue Stadion, welches längst nicht mehr nur eine Zangengeburt ist. Nein! Das neue Stadion hängt wie ein Damoklesschwert über dem FC Aarau. Um in Schwung zu bleiben und künftig mindestens zu den Top 20 des Schweizer Fussballs zu zählen, braucht der FC Aarau Millionen von Franken.

Das ist im Amateurfussball anders. Hier spielt das Geld eine untergeordnete Rolle, weil die Arbeiten grösstenteils von ehrenamtlichen Mitarbeitern bewältigt werden. Kommt als weiterer positiver Aspekt hinzu, dass das Schicksal des AFV nach dem Amtsantritt von Ponte grossmehrheitlich in den Händen von Schiedsrichtern liegt. Schiedsrichter sind neutral, leidensfähig und alles andere als geld-geil. Das unterscheidet sie von vielen, die im Fussballgeschäft tätig sind. Es klingt kitschig, ist aber so: Der Aargauische Fussballverband ist eine grosse Familie, die Freud und Leid teilt. Und Luigi Ponte ist Antreiber, Macher und Vaterfigur in einer Person.