Ringen
Mit der Aufstellung verpokert: Die Ringerstaffel Freiamt verliert Final

Hergiswil ist erstmals Schweizer Mannschaftsmeister. Freiamt trat mit einer riskanten Aufstellung an und liess Pascal Strebel in die 66-kg-Klasse abspecken. Doch der Olympiaringer büsste schwer.

Wolfgang Rytz
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Randy Vock von Freiamt (in Blau) gegen Pascal Jungo (in Rot) von Hergiswil. Alexander Wagner

Randy Vock von Freiamt (in Blau) gegen Pascal Jungo (in Rot) von Hergiswil. Alexander Wagner

Randy Vock war drauf und dran, zum grossen Freiämter Helden zu werden. Das 18-jährige Freistiltalent hatte bis 60 kg den 37-jährigen Pascal Jungo im dritten Aufeinandertreffen zum ersten Mal bezwungen. Mit einem Schultersieg brachte er die Aargauer nach drei von zehn Einzelkämpfen in eine ausgezeichnete Situation. Doch dann folgte ein Drama. Der einzige Schweizer Olympiaringer in London, Pascal Strebel, verlor den 66-kg-Greco-Kampf gegen den Internationalen Patrick Stadelmann.

Strebel hatte die ganze Saison bis 74kg gerungen und alle Kämpfe gewonnen. Die Rosskur, innert einer Woche sechs Kilogramm abzuhungern, entkräftete das Freiämter Aushängeschild zu sehr. In der dritten Runde waren seine Energiespeicher leer. Er stand einem Kollaps nahe. Stadelmann erhielt den Punktesieg fast geschenkt, Strebel war stehend k.o. Zuvor hatte dem Freiämter aber in der zweiten Runde wenig zum entscheidenden Durchdreher für den eigenen Sieg gefehlt.

Die Hypothek wog für Freiamt zu schwer, obwohl die zweiten fünf Ringer nach der Pause den Kopf nicht hängen liessen. Die restlichen Einzelduelle vor 1760 lautstarken Fans in der Willisauer BBZ-Halle verliefen nach Papierform. Ivan Kron brachte dabei das Kunststück fertig, als langjähriger Freistilringer den 74-kg-Greco-Kampf zu gewinnen. Doch zuletzt hätte auch der 15-jährige Nico Küng im 74-kg-Freistilkampf gewinnen müssen. Gegen den aktuellen Einzelmeister Alen Kacinari war dies freilich zu viel verlangt. Der Sohn von Ringerlegende Leonz Küng hielt sich wacker und holte gar eine Wertung, aber der Triumph von Hergiswil konnte er nicht verhindern.

Freiamts Präsident Ralf Bucher nahm nach der zweiten Finalniederlage Trainer Marcel Leutert in Schutz. «Wir haben uns nicht verspekuliert mit der Aufstellung. Der Schachzug mit Pascal Strebel hätte ebenso gut aufgehen können.»

Für Bucher brach keine Welt zusammen. Im Gegenteil: Er zeigte sich gefasst. «Wir haben mit der Finalqualifikation unser Saisonziel erreicht. Einzig die Krönung fehlte.» Bucher ist überzeugt, dass die Zukunft für Freiamt spricht. «In unserem Team standen vier Ringer unter 20 Jahren.» Diese werden die Abgänge der Routiniers Ivan Kron und Reto Bucher wettmachen. Knackpunkt für Freiamt wird die Neubesetzung des Trainerpostens sein. Im verflixten siebten Jahr blieb Leutert der dritte Titelgewinn zwar verwehrt. Doch mit seinem motivierenden Führungsstil war er ein tragendes Element im Team.

Der erste Mannschaftsmeistertitel für Hergiswil geht in sportlicher Hinsicht in Ordnung. Die Luzerner Hinterländer verfügten über das ausgeglichenere Kader. Der einzige grobe Finalpatzer, die Schulterniederlage von Pascal Jungo, machte das Team im zweiten Final in abgeklärter Manier wett. Nach drei Finalniederlagen in Serie ist Hergiswil endlich am Ziel seiner Träume. Entsprechend hoch gingen die Wogen.

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