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Mission Weltspitze: Ein Aargauer soll die Schweiz wieder zur Bobnation machen

An den Olympischen Spielen 2022 sollen Schweizer Bobs für Glücksgefühle sorgen.

An den Olympischen Spielen 2022 sollen Schweizer Bobs für Glücksgefühle sorgen.

Mit Stefan Riniker ist ein Aargauer seit August Chef Leistungssport bei Swiss Sliding. Der ehemalige Anschieber ist seinem Herzen gefolgt und hat für die anspruchsvolle Aufgabe zwei sichere Jobs aufgegeben. Alles mit dem Ziel, dass es 2022 eine Schweizer Olympiamedaille im Bob geben wird.

«Irgendwann hätte ich es bereut, es nicht getan zu haben.» Darum ging alles sehr schnell. Wie so oft, wenn es um Stefan Riniker und den Bobsport geht. Einst brauste der Aargauer als Anschieber selbst mit bis zu 150 km/h durch den Eiskanal. Nun soll der 41-Jährige Swiss Sliding, den arg in Schräglage geratenen Schweizer Bob-, Schlitten- und Skeleton-Sportverband, als Chef Leistungssport zurück zu alten Grosserfolgen führen.

Da stellt sich schnell einmal die Frage: Hat er im Temporausch einen Teil seiner Sinne verloren? Riniker lacht. Er weiss, worauf die Frage zielt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bildungsdepartement des Kantons Aargau und als Sportlehrer an der Berufsschule Aarau hatte er sichere Jobs.

Im Bobverband war zuletzt wenig konstant. Rinikers Vorgänger als Chef Leistungssport wurde nach nur einem Jahr entlassen. Der Cheftrainer Weltcup wechselte unvermittelt nach Österreich und auch im Vorstand des Verbands kam es zu Veränderungen. Unter anderem hat Präsident Jürg Möckli seinen Rücktritt erklärt.

Kommen nun stabilere Zeiten?

Riniker war sich all dem bewusst, als er sich Gedanken über die Anfrage machte. Aber sein Herz hatte eigentlich schon ja gesagt, als ihn René Zwicky, der Spartenchef Bob, anrief. «Ich bin sicher, dass wir jetzt gut aufgestellt sind. Dass die Chance auf stabilere Zeiten gross ist», sagt Riniker.

Die wichtigen Posten wurden bereits wieder besetzt. Sepp Kubli führt als designierter Präsident die Geschäfte. Als Cheftrainer Weltcup wurde der Tscheche Petr Ramseidl verpflichtet, der seinen Job in der übernächsten Saison mit Christoph Langen tauscht. Der ehemalige Weltklasse-Bobpilot aus Deutschland ist Nachwuchscheftrainer im Schweizer Verband und soll mit seinen Talenten in den Weltcup aufsteigen.

«Wir haben einen starken und breit aufgestellten Nachwuchs, der eine gute Zukunft verspricht», sagt Riniker, der den Job darum nicht als Risiko sah. Nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau ist er seinem Herzen gefolgt und seit August im Amt. «Meine Frau und ich haben keine Kinder», sagt der 41-Jährige. Das machte es für ihn einfacher, die Sicherheiten als Kantonsangestellter aufzugeben.

Die Olympischen Spiele als Fernziel

So hochgelobt der Nachwuchs, aktuell sind die Schweizer weit von der Weltspitze entfernt. Aushängeschilder, wie es sie in der Geschichte fast immer gab, fehlen. Der letzte, dem eine Karriere à la Beat Hefti und Co. zugetraut wurde, hatte im vergangenen Sommer genug. Zu hoch waren Clemens Bracher die finanziellen Risiken, weiter auf den Bobsport zu setzen. Seither fehlt ein Steuermann, der Erfolge im Spitzenbereich ausweisen kann. Trotzdem sagt Riniker: «Unser Ziel ist es, an den Olympischen Spielen 2022 in Peking um die Medaillen zu fahren.»

Zumal die Finanzen weiterhin das Problem bleiben. Zwar hat Swiss Sliding mit der Bank Julius Bär einen neuen Hauptsponsor gefunden. Die grossen Sprünge sind aber auch so nicht möglich. «Es stimmt, dass wir die Kosten tief halten wollen», sagt Riniker. «Trotzdem ist es mein Ziel, die Fahrer stärker zu fördern.»

Riniker wurde mit 22 Jahren in Rekordtempo selbst zum Bobfahrer. «Ich ging als Leichtathlet an ein Anschiebercasting und war zwei Wochen später zusammen mit dem Nationalteam im Trainingslager in Lillehammer», erinnert er sich. «Im Team Gaberthüel hatten wir zwar immer unsere berufliche Ausbildung im Fokus und der Europacup war das Höchste der Gefühle. Trotzdem hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht.»

Es gibt sehr viel zu tun

Besonders im Bereich des Sommertrainings. «Da waren die Teams fast auf sich alleine gestellt», sagt Riniker. Das ist heute anders. Coach Christoph Langen unterstützt die Teams ganzjährig. «Zudem arbeiten wir heute mehr in die Breite, wollen für sämtliche Teams da sein», sagt Riniker.

Das ist aber nur ein Teil der Herausforderungen auf dem Weg an die Spitze. Das ist sich Riniker bewusst. «Langweilig wird es mir nicht.» Er will das Gespräch mit der Bobbahn in St. Moritz suchen, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern. «Wir profitieren bereits sehr und ich bin mir bewusst, dass Taxifahrten für Touristen wichtig fürs Geschäft sind. Trotzdem gibt es immer Optimierungspotenzial», sagt Riniker. Zudem will er neue Sponsoren gewinnen und neue Standorte für die Starttrainings finden.

Er hat also viel zu tun. Aber Riniker hätte es bereut, wäre es nicht so gekommen.

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