Turnsport
Kunstturn-König Lucas Fischer lässt sich am Flughafen Zürich feiern

Der EM-Silbergewinner Lucas Fischer bringt seine Medaille heim. Familie, Freunde und Fans empfangen ihn und Giulia Steingruber mit Kuhglocken und Blitzlichtgewitter. Noch am Flughafen berichtet der 22-jährige von seinen Erlebnissen.

Jonas Burch
Drucken
Lucas Fischer am Flughafen Kloten
4 Bilder
Goldmedaillengewinnerin Giulia Steingruber und Silbergewinner Lucas Fischer strahlen am Flughafen Kloten in die Kameras der Journalisten
Das Publikum feiert ihre beiden Kunstturn-Talente frenetisch, als sie am Flughafen eintreffen
Am Montag sind die beiden Medaillengewinner aus Moskau zurückgekehrt

Lucas Fischer am Flughafen Kloten

Keystone

Noch waren die Kuhglocken still. Gut hundert Menschen pilgerten zum Flughafen, wollten dabei sein, wenn ihre Helden um 10.50 Uhr in Zürich landen. «Sie werden gleich da sein», schraubte ein Sprecher der Schweizer Delegation um 10.52 Uhr die Spannung in die Höhe.

Man wusste, dass an der Turn-EM Historisches erreicht wurde. Der Möriker Lucas Fischer und die Ostschweizerin Giulia Steingruber waren die Hauptprotagonisten eines Märchens, das keiner in dieser Form erwartet hatte.

Ein Blitzlichtgewitter und viel Emotionen

Entsprechend emotional war auch der Empfang. Als sich um 10.55 Uhr die Schiebetür öffnete, hallten die traditionell urchigen Kuhglocken durch das ganze Ankunftsterminal.

Fast schüchtern liefen Fischer und Co. am Blitzlichtgewitter und den Kameras vorbei. «Wahnsinn, wie wir hier empfangen werden», beschrieb Fischer seine ersten Schritte zurück auf Schweizer Boden. Der 22-Jährige genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen.

Endlich stimmen die Resultate, endlich spielt auch der Körper mit. «Ich bin einfach nur dankbar für alles», wiederholt er geduldig in die Mikrofone.

Während von Steingruber eine Medaille erwartet wurde, war der Erfolg von Fischer eine unerwartet positive Überraschung. Eine, mit der er sich in die Herzen der Schweiz geturnt hat.

Bescheidenheit, Freundlichkeit, Dankbarkeit

«Hey Lucas, döffi dini Medaille mol alänge?» fragten die Fans. «Jo secher», sagte der Turner cool. Fischer ist einer, der die Schweizer Tugenden und Werte perfekt vertritt: Bescheidenheit, Freundlichkeit, Dankbarkeit. Es gibt nicht viele Sportler, denen man diese Silbermedaille so sehr gönnt wie ihm. Vor allem nach einer solchen Leidensgeschichte.

Erst nach einem 30-minütigen Medienmarathon und Fliessband-Autogramm-Schreiben durfte der Aargauer endlich seine Familie in die Arme nehmen. Tränen flossen. Die ganze Anspannung, die ganzen Erwartungen fielen in diesem einen Moment von Fischer ab.

Jetzt wird ausgespannt

Er ist am Ziel angekommen. Auch dank seiner Familie, von der er immer diesen Rückhalt und die Kraft zum Weiterkämpfen erfahren hat. «Ich brauche Zeit um das ganze zu realisieren. Das wird wohl noch eine Weile dauern.» Jetzt gönnt sich Fischer eine Pause. Reflektiert, geniesst, spannt aus.

Und singt. Wie er es auch bei seiner Ankunft getan hat. Mit «Hallelujah» gab er sein Lieblingslied zum besten, das ihm in dunkelsten Zeiten so viel Kraft und Trost gespendet hat. Die Zeilen des Stückes besingen König David. Seit Sonntag darf sich auch Fischer als König fühlen.