Fussball 1. Liga

FC Wohlen-Trainer Thomas Jent sieht rot, Baden jubelt über späten Ausgleich zum 2:2

Der FC Wohlen und Baden trennen sich im 1.-Liga-Derby nach einer hektischen Schlussphase und einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung der Freiämter mit 2:2. Unrühmlicher Höhepunkt: Wohlen-Trainer Thomas Jent sieht Mitte der zweiten Halbzeit nach einem Ausraster die rote Karte.

Thomas Jent gilt als angenehmer Zeitgenosse. Der Trainer des FC Wohlen ist besonnen, sachlich und lässt sich kaum einmal aus der Reserve locken. In den Reihen der Freiämter schätzt man seine ruhige Art. Weil Jent Wohlen in der Vorrunde an die Spitze der 1. Liga geführt hat, verlängern die Klubverantwortlichen den Vertrag mit dem Trainer während der Winterpause höchstwahrscheinlich bis Juni 2021.

Allerdings wünscht man sich in der Führungscrew des FC Wohlen, dass Jent hin und wieder etwas mehr aus sich heraus geht, mehr Emotionen zeigt. Im Derby gegen den FC Baden ging der Wunsch in Erfüllung. Dabei schoss Jent allerdings über das Ziel hinaus. Weit über das Ziel hinaus! Was ist passiert? Nach 67 Minuten foult Badens Dejan Jakovljevic Wohlens Adijan Keranovic an der Mittellinie. Schiedsrichter Mehmet Ljatifi lässt die Partie fälschlicherweise weiterlaufen. Das ist zu viel für den ansonsten so besonnenen Jent.

Schiedsrichter: «Ich musste Jent vom Platz stellen»

Der 48-Jährige verliert die Nerven, flippt aus und hat sich kurzzeitig nicht mehr im Griff. Jent verwirft die Hände, tigert in der Coaching-Zone hin und her und schreit sich den Frust von der Seele. Dann schnappt er sich den Ball, schiesst die Kugel in Richtung Spielfeld, trifft allerdings «nur» den eigenen Spieler Ronny Minkwitz. Ljatifi tut das, was er tun muss.

Der Spielleiter aus Buchs SG zeigt Jent nach dem Ausraster die rote Karte. «Ich musste Jent vom Platz stellen», sagt Ljatifi. «Ich hatte sogar das Gefühl, dass er den Ball in Richtung des Schiedsrichter-Assistenten geschossen hat. Das ist eine Respektlosigkeit, die ich in meinem Rapport deutlich festhalten werde.»

Jent selbst übt nach dem Schlusspfiff Selbstkritik und sagt: «Ich bereue meine Überreaktion sehr und habe mich beim Schiedsrichter für mein schlechtes Verhalten entschuldigt. Eines muss ich allerdings klarstellen: Ich wollte den Ball nur in die Luft schiessen und auf keinen Fall den Assistenten an der Linie abschiessen. Das würde ich nie tun.»

Entschuldigung hin, Entschuldigung her: Jent muss nach seinem heftigen Ausraster mit einer Sperre von mindestens drei Spielen und einer happigen Busse rechnen.

Starker Schlussspurt der Badener 

Der FC Wohlen und sein Trainer sorgten während der 94 Derbyminuten also für fette Schlagzeilen. Und der FC Baden? Die Mannschaft von Trainer Ranko Jakovljevic zeigte zwei Gesichter, war in der ersten Halbzeit besser und hatte vor dem Führungstreffer von Wohlens Minkwitz kurz vor der Pause ein Chancenplus. Im Abschluss liessen es Goalgetter Christopher Teichmann und Abwehrchef Juan Pablo Garat an der nötigen Effizienz vermissen.

So schien die Niederlage der Badener nach dem 2:0 von Wohlens zehnfachem Saison-Torschützen Davide Giampà in der 72. Minute besiegelt. Weit gefehlt! Während der turbulenten Schlussphase mit offenem Schlagabtausch stemmte sich das Team von Jakovljevic mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Rajmond Laski mit einem Hand-Elfmeter (82.) und Yves Weilenmann mit einem Knaller aus sieben Metern (86.) sorgten mit ihren Toren für den 2:2-Endstand und den im Endeffekt nicht unverdienten Punktgewinn.

«Wir haben trotz des Zwei-Tore-Rückstands immer an unsere Chance geglaubt und nie aufgegeben», sagt Torschütze Weilenmann. «Dank des starken Schlussspurts ist die Punkteteilung gerechtfertigt. Und für die Zuschauer war dieses Derby allerbeste Unterhaltung.»

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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