Schwingen

Entfesselungskünstler David Schmid bringt die Angreifer zum Verzweifeln

David Schmid (l.) wehrt den Angriff von Andreas Döbeli gekonnt ab.

David Schmid (l.) wehrt den Angriff von Andreas Döbeli gekonnt ab.

David Schmid und Andreas Döbeli siegten am Sonntag in Wittnau am Nordwestschweizerischen Schwingfest zusammen, aber sie unterscheiden sich in der Art wie sie Schwingen.

Ist David Schmid ein Zauberer? So mancher seiner Gegner hat sich diese Frage wohl schon gestellt. Egal wie aussichtslos die Situation scheint, Schmid findet einen Ausweg. Er befreit sich wie einst der grosse Harry Houdini. Und wäre der Entfesselungskünstler noch Leben, er hätte viel Freude am Fricktaler.

Andreas Döbeli, der zusammen mit Schmid das Nordwestschweizerische Schwingfest in Wittnau gewann, sagt: «Davids defensive Stärke ist bekannt.» Der 28-Jährige ist ein Künstler der Verteidigung. Ein Meister der Entfesslung. Seine Brücke, das Verhindern, dass der Gegner ihn ins Sägemehl drückt, ist eine der stärksten überhaupt.

Das ist kein Zufall. Weil Schmid, egal was er versucht, nie zum bärenstarken Hühnen wurde. So musste er sich früh anpassen, um gegen die Besten zu bestehen. Er spezialisierte sich in der Defensive, wurde zu einem Meister im Bodenkampf. Sein Paradeschwung? Der Bur, die stärkste Waffe am Boden.

Mit 30 Jahren soll spätestens Schluss sein

Die momentan so dominanten, jungen Schwinger um Armon Orlik, Pirmin Reichmuth, Joel Wicki und Co. setzen auf Angriff, auf ein offensives Feuerwerk. David Schmid ist ein Gegenpol. Früher gab es viele Schwinger wie ihn. Heute verschwinden sie aus dem Sägemehl.

Schmid wird am 24. August, dem ersten Tag des Eidgenössischen in Zug, 29 Jahre alt. Spätestens mit 30 will er aufhören, sich ganz seiner jungen Familie und der Arbeit auf dem eigenen Bauernhof in Wittnau widmen. Doch noch hat er Lust. Der Sieg am Sonntag, die erfolgreiche Titelverteidigung am Nordwestschweizerischen Schwingfest, ausgerechnet zu Hause in Wittnau, sei eine unglaubliche Energiespritze gewesen. «Das wird viel Schub für das Eidgenössische geben», sagt er.

In Zug will David Schmid noch einmal gegen die jungen Wilden bestehen. Schon vor drei Jahren in Estavayer ist ihm das gelungen, als er den Kranz holte und zum Eidgenossen wurde. Die Geschichte soll sich wiederholen, auch wenn die Angreifer immer mehr werden und seine defensiven Künste testen.

Einer davon ist Andreas Döbeli. Er setzt gerne auf die Offensive. Der 21-Jährige will viel – und fällt auch mal auf den Rücken. Wie im Schlussgang in Wittnau gegen David Schmid. Manchmal fehlt Döbeli noch etwas die Erfahrung, das merkt man. Doch er bringt vieles mit für eine starke Karriere. Der Kranzfestsieg in Wittnau war der bisher grösste Erfolg seiner noch jungen Karriere. In Zug will auch er zum Eidgenossen werden.

250 Franken pro Stunde für eine lose Beziehung

Die Niederlage im Schlussgang wird Andreas Döbeli verdauen, dann zählt nur noch der geteilte Sieg. Sein Krafttrainer Tommy Herzog, der zum Beispiel auch Christian Stucki betreut, hilft seinen Schützlingen auch im psychologischen Bereich.

«Ich war drei Jahre lang bei einem Mentaltrainer», sagt Döbeli. Es brachte ihm wenig. «Ich sah ihn fünfmal ihm Jahr für 250 Franken die Stunde.» Eine Beziehung entstand nie. «Tommy sehe ich wöchentlich. Das bringt mir viel mehr», sagt der Freiämter über die Arbeit mit Herzog.

Schwingfest Wittnau wird zum Schmid-Fest

Gemeinsam war die illustre Trainingsgruppe, zu der neben Stucki auch Pirmin Reichmuth und Joel Strebel gehören, in der Woche vor dem Nordwestschweizerischen im Wallis. «Das hat gut getan», sagt Döbeli. Vielleicht war es ein Schlüssel für den jüngsten Erfolg.

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