2. Liga inter
Eine ambitionierte Premiere – der FC Klingnau startet in der 2. Liga inter

Aufsteiger Klingnau will in der 2. Liga interregional nicht nur den Abstieg verhindern – dies macht Präsident Roger Meier deutlich. Statt sich zu verstecken, will der Verein sich im vorderen Mittelfeld platzieren.

Alessandro Crippa
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Klingnaus Präsident Roger Meier posiert mit den Cup-Trophäen von 2016 und 2018 und dem Meisterpokal von 2019.

Klingnaus Präsident Roger Meier posiert mit den Cup-Trophäen von 2016 und 2018 und dem Meisterpokal von 2019.

Alessandro Crippa

Die Bilanz liest sich wahrlich nicht schlecht: 2015 steigt der FC Klingnau zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die 2. Liga Aargau auf. Als Aufsteiger beendet der Klub die Saison sogleich auf Rang drei und gewinnt den Aargauer Cup – auch das ist eine Premiere. In den folgenden Spielzeiten wird Klingnau in der Meisterschaft zweimal Zweiter und gewinnt 2018 noch einmal den Cup. Ende der vergangenen Saison wird der Aufstieg in die 2. Liga interregional dann Tatsache.

SC Zofingen

Der SC Zofingen erlebte eine doppelt bittere letzte Saison. Der Abstieg allein ist natürlich schon bitter genug, andererseits hätten die 28 geholten Punkte in den beiden anderen 1.-Liga-Gruppen locker zum Ligaerhalt gereicht. Das Team hat keinen grossen Aderlass erfahren, weshalb Präsident Hans Jörg Ryter zuversichtlich ist. Den direkten Wiederaufstieg setze man sich aber nicht zwingend zum Ziel: «Ich erwarte, dass wir mit der Qualität, die in dieser Mannschaft steckt, in der Spitzengruppe mitmischen können und werden.»

Einer der Baumeister er Erfolge ist Präsident Roger Meier. Er steckt wie die Mannschaft noch mitten in den Vorbereitungen für die Saison, als er uns in seiner Firma zum Gespräch empfängt. Hinter seinem Schreibtisch stehen drei Pokale. Die Cup-Trophäen von 2016 und 2018 sowie der Meisterpokal von 2019.

Eagles Aarau

Als Aufsteiger Dritter zu werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Das sieht auch Faton Gashi, Präsident beim FC Eagles Aarau, so: «Wir konnten die Erwartungen übertreffen, ganz klar.» Der Fokus bleibt der Ligaerhalt. Die Adler werden den Abgang von Altin Gashi (25 Tore) verkraften müssen, er wechselte zum FC Baden. «Das ist eine grosse Ehre für unseren Klub. Offensiv werden wieder genügend Qualität aufweisen», ist sich der Präsident sicher. Er freut sich vor allem auf die Derbys gegen Zofingen und Aufsteiger Klingnau.

Warum aber stehen die Pokale nicht im Klubhaus, wie es üblich ist? Die Antwort ist einfach, aber traurig: Der FC Klingnau hat keine solche Einrichtung. Auf der Sportanlage Grie gibt es kein Klubhaus, sondern nur einen Fussballplatz, eine kleine Beiz und den Materialraum. Zurzeit prüft die Stadt, ob im Gebiet Grie neue Sportplätze – unter anderem auch für den Reitverein und die Bogenschützen – errichtet werden könnten. Roger Meier würde sich über einen neuen Platz freuen, denn er sagt: «Mit nur einem Spielfeld stossen wir an die Kapazitätsgrenzen. Es wird eine Herausforderung, den Spielbetrieb so durchzubringen.»

Sich verstecken, ist keine Option

Trotz aller Schwierigkeiten, die vor allem die Infrastruktur betreffen, blickt der Präsident der Saison zuversichtlich entgegen. Der FC Klingnau spielt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der 2. Liga interregional. Nach vier Saisons in der Aargauer 2. Liga hat es am Ende der vergangenen Saison für den Aufstieg gereicht. Fünf Punkte Vorsprung wies Klingnau auf Kölliken auf – und dies, obwohl der Klub einmal zehn Punkte Rückstand hatte. In der Rückrunde notabene!

FC Wettingen

Der Start in die Rückrunde der vergangenen Saison habe ihn brutal enttäuscht, gibt Wettingen-Präsident Pierluigi Ghitti zu. Für die neue Saison ist der FC Wettingen aber bereit. Mit Marc Hodel hat er einen neuen Trainer erhalten. Das Ziel ist die Etablierung in der Liga – mit vielen ehemaligen FCW-Junioren, erklärt Ghitti. Das brauche Geduld und die bringe man dem neuen Trainer entgegen. Ein Aufstieg steht derzeit nicht zur Debatte, vielmehr wolle man mit Einfachheit Freude entfachen und die Zuschauer begeistern.

Neuer Cheftrainer in Klingnau ist Gianluca Pasanisi, ein gebürtiger Berner. Dass Danijel Kovacevic, der ehemalige Stürmer des FC Baden, nach zweieinhalb Saisons nicht mehr an der Seitenlinie stehen würde, wurde bereits in der Rückrunde der vergangenen Sasion kommuniziert.

Pasanisi verfügt über grosses Fachwissen, war unter anderem auch schon Assistenztrainer in der NLA bei den Frauen des Grasshopper Club Zürich. Er will mit seiner Mannschaft nicht nur den Abstieg verhindern, sondern sogleich im vorderen Mittelfeld landen. Präsident Meier sagt: «Ich bin von der Qualität unserer Mannschaft überzeugt und glaube fest daran, dass wir uns an einem Mittelfeldplatz orientieren können.»

Die Eagles Aarau dienen als Vorbild, wie es gehen könnte

Ein Beispiel nimmt man sich im Zurzibiet unter anderem am FC Eagles Aarau, der in seiner ersten Saison in der überregionalen 2. Liga sogleich auf Platz drei gelandet ist. Und beim Rivalen traut man dem FC Klingnau zu, ähnlich erfolgreich als Aufsteiger zu agieren. Eagles-Aarau-Präsident Faton Gashi sagt: «Mit dem zweimaligen Gewinn des Cups und den starken vorherigen Saisons, hat der FC Klingnau deutlich gezeigt, dass er in die 2. Liga inter gehört.» Die Eagles werden die Klingnauer nicht unterschätzen. «Wir freuen uns auf die Derbys.»

SC Schöftland

Der starke Schlussspurt mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen brachte dem SC Schöftland den siebten Rang ein. Für die neue Saison hat man noch kein fixes Ziel ausgegeben. Das grösste Plus könnte sein, dass die Mannschaft nicht viele Wechsel erfahren hat und eingespielt ist, meint Ruedi Gmür, der Präsident. Neu an der Seitenlinie steht bei Schöftland Sven Osterwalder als Trainer. Die vordere Tabellenhälfte könne der Klub wie in den Vorjahren erreichen, so Gmür, der sich vor allem auf die Derbys freut.

Apropos Derby: Ein Spieler des FC Klingnau steht vor zwei besonderen Duellen mit einem Aargauer Ligakonkurrenten: Shqiprim Thaqaj. Der routinierte Stürmer spielte drei Saisons beim FC Muri , als dieser noch in der 1. Liga spielte. Thaqaj freut sich darum bereits auf die Duelle mit Muri, gerade weil er zu vielen Menschen im Verein noch gute Beziehungen pflegt. «Verteidiger Sandro Streuli kenne ich, seit ich 14 Jahre alt bin. Und auch den Hauptsponsor und die Leute im Beizli kenne ich gut. Ich werde wohl schon vor unserer offiziellen Besammlungszeit vor Ort sein und mich mit vielen unterhalten.»

FC Muri

Zwei Ziele hat man beim FC Muri in der vergangenen Saison gehabt: die Top 3 in
der Meisterschaft und die Cup-Qualifikation. Letzteres hat der FCM erreicht, in der Meisterschaft klassierte er sich nur auf Rang fünf. Ein Platz in der Spitzengruppe gilt erneut als grosses Ziel. Nicht mehr dabei ist Christian Ianu, dem jeder nachtrauert. Er sei ein Vorzeigefussballer gewesen, heisst es im Klub, und habe auch als Mensch überzeugt. Nun ist Teambuilding angesagt, die neuen sollen integriert sein, damit es eine erfolgreiche Saison gibt.

Das besondere Spiel steht für Thaqaj und seine Klingnauer Teamkollegen bereits bald auf dem Programm. Schon am zweiten Spieltag, am 20. August treffen die Zurzibieter auswärts auf den Freiämter Verein.

NK Pajde

Präsident Luka Rakitic ist deutlich: «Der Aufstieg ist das Ziel.» Der Vorstand des kroatisch geprägten Vereins NK Pajde Möhlin ist auf die neue Saison hin neu, ebenso wie Trainer Marijan Bakula, mehrere Spieler und das Klubhaus. Neben dem Erfolg in der Meisterschaft (letzte Saison Rang 2) soll auch im Cup Grosses erreicht werden: Die Hauptrunde ist das Ziel. Ein Duell mit dem FC Basel wäre dann besonders lukrativ, auch wenn Rakitic scherzhaft sagt: «Vielleicht hätte der FCB gar keine Chance gegen uns.»

Einen ersten Test der Konkurrenzfähigkeit absolvierte Klingnau gleich zum Auftakt. Gegen Freienbach aus dem Kanton Schwyz, in der Vorsaison auf Rang zwei klassiert, schlugen sich die Aargauer beachtlich, verloren aber mit 0:2.