Wenn doch nur jeweils nach 45 Minuten Schluss sein könnte. So etwas in der Art muss wohl dem Luzern-Trainer Sandro Chieffo durch den Kopf gegangen sein, als er den Weg in die Garderobe antrat. Gleich zwei Mal schiesst Baden ein Tor erst in der Nachspielzeit, und zwar in beiden Durchgängen.

Der zwischenzeitliche Ausgleich erzielt Rajmond Laski vor der Pause per Kopf nach einem Freistoss von Luca Ladner in Minute 1 der Nachspielzeit. Der sehenswerte Siegtreffer von Noah Boakye fällt dann gar erst in Minute 3 der Nachspielzeit vor Spielende. Mit seinem Tor pfeift der Unparteiische die Partie ab.

Vielversprechend starteten die Luzerner in die Partie. Ziemlich ungestüm bearbeiteten die Innerschweizer in den ersten zehn Minuten die Badener Defensive. Etwas zählbares gelang ihnen dabei aber nicht. Zudem wurden sie anfällig auf Konter, was den Gästen aus Baden nicht ungelegen kommt.

Hätte das Spiel einen normalen Verlauf genommen, stände es nach gut 20 Minuten 2:0 für die Limmatstädter. Zwei dieser schnellen Angriffe entwickelten sich nämlich zu Topchancen, die sich die Badener normalerweise nicht nehmen lassen. Im ersten Versuch bräuchte Christopher Teichmann nur noch einzuschieben, stattdessen rutscht er im tiefen Terrain der Allmend aus, trifft den Ball nicht richtig und Torhüter Enzler krallt sich die Kugel.

Im Anlauf zwei erhalten die Badener einen Penalty zugesprochen, welchen Laski an die Unterlatte knallt. Glück für ihn, dass ihm dann vor der Pause trotzdem noch der Ausgleichstreffer gelingt. Zwar hatte das Heimteam mehr Spielanteile über die erste Hälfte gesehen, aber die zwingenderen Chancen erspielten sich die Badener. Trotzdem gelang den Leuchtenstädter ein sehenswerter Treffer, welcher das Potenzial dieser jungen Mannschaft mehr als andeutete.

Ein Champion glaubt bis zum Ende daran

Der Spielverlauf meinte es heute nicht so gut mit dem Gast aus Baden. Kaum pfeift Schiedsrichter Risi die zweite Halbzeit, kommt es zu einem Freistoss aus gefährlicher Position für Luzern. Der Captain persönlich nimmt sich der Aufgabe an. Der 19-Jährige Lorik Emini versucht unter der aufspringenden Mauer durchzuschiessen, trifft diese und der Schuss fliegt unhaltbar für Joël Bonorand in die weite Torecke.

Wieder muss die Truppe aus dem Esp einem Rückstand hinterherlaufen. Doch das bringt sie nicht aus dem Konzept und sie haben Geduld, bis ihre Zeit kommen würde. Auch in diesem Durchgang haben die Platzherren mehr Ballbesitz und kommen auch immer wieder in Tornähe, aber die Torgefahr hält sich in Grenzen. Diese erarbeiten sich dafür das Team aus dem Aargau, gekrönt vom zweiten Penalty, der dieses Mal sitzt.

Teichmann gleicht die Partie wieder aus. Im folgenden Teil verflacht das Spiel ein wenig und die Anzahl der Fouls nimmt zu. Sieben gelbe Karten durfte der Unparteiische verteilen und es hätten durchaus auch mehr sein können. Aber ein Tabellenführer gibt sich mit einem Unentschieden nicht zufrieden. Neue Offensivkräfte waren gefragt und eine Einwechslung dabei lohnte sich ganz besonders.

Den Schlusspunkt setzt Noah Boakye. In den letzten Spielsekunden stürmt er aus dem Halbfeld los, lässt dabei den FCL-Verteidiger Bertucci einfach links liegen und schliesst aus vollem Lauf auch noch eiskalt ab. Diese Aktion spricht für eine Mentalität, welche eine Spitzenmannschaft ausmacht, findet auch Baden-Trainer Ranko Jakovljevic. «Wenn man in der 93. Minute gewinnt, ist das natürlich glücklich. Wir haben jedoch immer auf Sieg gespielt und bis zum Ende daran geglaubt. Kompliment an die Mannschaft und vielleicht darf Noah dann nächste Woche schon fünf Minuten früher ran», meinte er mit einem Augenzwingkern nach der Partie.

Baden konnte sich also für die Klatsche vom März 2018 revanchieren und grüsst weiterhin von Platz 1. Nächste Woche steht wieder ein Duell gegen Innerschweizer an, welche vom schönen Vierwaldstättersee nach Baden reisen. Eine weitere Parallele zum heutigen Gegner ist, dass auch Buochs mit einem Sieg gegen die Grasshoppers im Gepäck anreisen darf.

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