Challenge League
Dem FC Wil droht nach Jubeltraube im Brügglifeld Ungemach: Wie reagiert die Liga?

Sebastian Wendel
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Die Wilder Jubeltraube nach dem Tor zum 3:1 entspricht so gar nicht dem Corona-Schutzkonzept der Liga

Die Wilder Jubeltraube nach dem Tor zum 3:1 entspricht so gar nicht dem Corona-Schutzkonzept der Liga

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Im Stadion Brügglifeld läuft beim Ligaauftakt zwischen Aarau und Wil die 90. Spielminute: Das Heimteam drückt beim Stand von 2:1 für die Gäste auf den Ausgleich, als der FC Wil einen Gegenangriff lanciert und in Person von Bledian Krasniqi das 3:1 erzielt. Die Siegsicherung lässt bei den Ostschweizern alle Dämme brechen: Vor der Ersatzbank bildet sich eine grosse Jubeltraube, es wird geschrien, sich umarmt, geherzt, getanzt - mittendrin Cheftrainer Alex Frei.

So weit, so gewöhnlich! Niemand würde das Verhalten der Wiler hinterfragen - wäre da nicht Corona: Für die neue Saison hat die Swiss Football League ein Schutzkonzept erarbeitet, in dem unter anderem der exzessive Torjubel untersagt wird. En Detail: Beim Torjubel, bei Auswechslungen sowie vor und nach dem Spiel ist nur der Körperkontakt mit der Faust, dem Ellbogen oder den Füssen erlaubt. Kein Abklatschen, keine Umarmungen und keine Küsse mehr.

Nach Spielschluss gings weiter: Die nicht aufgebotenen und verletzten Spieler der Gäste begaben sich im Brügglifeld an die Tribünen-Reling, um mit den Kollegen abzuklatschen. Dabei zogen sie demonstrativ ihre Masken unter das Kinn, einer verhöhnte gar die Maskenpflicht.

Ein von der Swiss Football League entsandter Kontrolleur filmte alles mit dem Handy. Den Wilern droht gemäss Reglement nun Ungemach in Form einer Geldstrafe: Denn die Regelhüter der Swiss Football League haben sich an der letzten Generalversammlung von ihren Mitgliedern, also von den 20 Profivereinen, die Erlaubnis geholt, bei Verstössen gegen das Schutzkonzept die Sünder zu büssen.

Nur Giger überzeugend: Das sind die Noten der Aarau-Spieler:

Simon Enzler: Note 4,5 Bitterer Abend: Strahlt viel Sicherheit aus, wird aber bei allen drei Gegentoren von den Vorderleuten im Stich gelassen.
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Raoul Giger: Note 5 Der beste Aarauer Feldspieler. Viel Dampf nach vorne, auch in der zweiten Halbzeit. Defensiv lässt er praktisch nichts zu.
Léon Bergsma: Note 4,5 Mag nach drei Gegentoren vielleicht verwundern: Doch der Holländer und Thiesson bilden eine Innenverteidigung, die Sicherheit ausstrahlt.
Jérome Thiesson: Note 4 Verliert beim 1:2 Torschütze Fazliu aus den Augen. Diese Szene färbt ab auf eine sonst stabile Darbietung.
Flavio Castera: Note 3,5 Bis zur Pause ein Aktivposten mit vielen Flanken. Bei den ersten zwei Gegentoren aber verliert er die Duelle gegen die Flankengeber.
Olivier Jäckle: Note 4,5 Vor der Pause sehr dominanter Spielgestalter. Sein Einfluss schwindet mit fortlaufender Dauer der Partie.
Liridon Balaj: Note 3,5 Kann dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken, weil er zu viele Bälle verliert. Und in der 47. Minute aus bester Position das 2:0 vergibt.
Elsad Zverotic: Note 3,5 Hat sich in der 19. Minute für den Fehlschuss der Saison beworben, als er aus drei Metern das leere Tor verfehlt. Sonst der gewohnt der kämpferische Läufer.
Donat Rrudhani: Note 4 Gefällt in der ersten Halbzeit defensiv und offensiv. Nach dem Seitenwechsel bis zur Auswechslung ein Ausfall.
Kevin Spadanuda: Note 4,5 Gefällt mit vielen Balleroberungen. Spadanuda ist ein steter Aktivposten, in Tornähe aber zu umständlich.
Shkelzen Gashi: Note 4,5 Trifft in der 12. Minute in bester Stürmermanier zum 1:0, sein erstes Tor seit der Rückkehr zum FCA. Verliert gegen Ende die Bindung zum Rest.
Petar Misic: Note 3,5 Kommt in der 62. Minute für Balaj. Seine Einwechslung verpufft schnell.
Mats Hammerich: Note - Kommt in der 67. Minute für Rrudhani. Zu kurz im Einsatz für eine Note.
Randy Schneider: Note - Kommt in der 67. Minute für Zverotic. Im FCA-Debüt zu kurz Einsatz für eine Note.

Simon Enzler: Note 4,5 Bitterer Abend: Strahlt viel Sicherheit aus, wird aber bei allen drei Gegentoren von den Vorderleuten im Stich gelassen.

Sarah Rölli

Man darf gespannt sein, ob die Swiss Football League an den Wilern ein Exempel statuiert oder beide Augen zudrückt. Ganz unabhängig davon, ob die Jubeleinschränkungen Sinn machen oder nicht viel eher der grösste Quatsch sind, da sich die Spieler während der Partie sowieso laufend sehr nahe kommen.

Übrigens: Nachdem die Aarauer eine Woche zuvor für das Jubelverhalten nach dem Sieg im Penaltyschiessen gegen den gleichen Gegner explizit gelobt wurden, entsprach im Spiel darauf der Jubel nach dem zwischenzeitlichen 1:0 durch Gashi nicht mehr den Vorgaben (siehe Bild).

Sollte es indes auch dafür eine Strafe geben, müsste jeder Verein schnellstens den Posten "Jubelbusse" ins Budget aufnehmen.

Gashi und Rrudhani herzen sich nach dem 1:0 für den FCA - verständlich, aber offiziell verboten

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