2. Liga AFV
Alles andere als nach Papierform: Der Titelfavorit steckt im Tabellenkeller

Der FC Rothrist gehörte vor dem Saisonstart zu den Favoriten der 2. Liga AFV. Jetzt hat die Mannschaft von Trainer Oscar Muino grosse Schwierigkeiten und steckt auf einem Abstiegsplatz.

Nik Dömer
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Es läuft noch nicht wie gewünscht für Trainer Oscar Muino und den FC Rothrist.

Es läuft noch nicht wie gewünscht für Trainer Oscar Muino und den FC Rothrist.

Otto Lüscher

Auf dem Papier war die Angelegenheit vor der Saison klar: Der FC Rothrist gehört zu den heissen Kandidaten auf den Titel. Mehr noch, für manch ein Gegner galt das Team – das bei Abbruch der vergangenen Saison auf dem 2. Platz stand – als neuer Favorit der 2. Liga AFV. Nicht zuletzt, weil sich die Rothrister während der Coronapause mit vier Spielern aus der 2. Liga inter verstärken konnten.

Zehn Spieltage später dürfte Ernüchterung bei den Rothristern eingekehrt sein: Auf den Auftaktsieg gegen den FC Fislisbach folgten fünf Unentschieden und vier Niederlagen. Damit sitzt die Mannschaft von Trainer Oscar Muino mit nur acht Punkten auf Platz 13 am Tabellenende.

Zahlreiche Abgänge machen sich bemerkbar

Die bedenkliche Punkteausbeute sorgt beim Trainer Muino für grosse Enttäuschung, dennoch kommen die Schwierigkeiten für ihn nicht von ungefähr: «Alle sprechen immer von unserer individuellen Klasse, doch wir hatten acht Abgänge im Kader! So etwas geht an keiner Mannschaft spurlos vorbei. Wir haben mit Dejan Skopljak, Denis Emmenegger und Goalie Kay Trost drei absolute Leader verloren. Darüber spricht keiner.»

Auch die Einbindung der neuen Spieler sei kein Selbstläufer: «Die Stimmung in der Garderobe ist super, die Neuzugänge konnten sich sehr gut integrieren. Auf dem Feld gibt es aber Abstimmungsprobleme.» Für diese hat der Trainer jedoch Verständnis: «Wenn Spieler aus der 2. Liga inter kommen, brauchen sie Zeit, um sich anzupassen. Zudem ist das Niveau noch besser geworden. Man darf die Liga auf keinen Fall unterschätzen.»

Alles schwarzmalen möchte Muino jedoch nicht: «Vielleicht haben uns die tollen Saisonprognosen am Anfang ein bisschen geblendet. Wir traten öfters zu lässig auf und führten die Zweikämpfe zu lasch. In den letzten zwei Wochen ist meine Mannschaft kämpferischer geworden. Die Spieler haben begriffen, dass sie jetzt Dreck fressen müssen.»

Der Befreiungsschlag lässt auf sich warten

Zuletzt gab es gegen den FC Wettingen sowie im Kellerduell gegen den FC Othmarsingen zweimal nur ein Unentschieden. Doch Muino ist guten Mutes, dass sich die verbesserte Kampfbereitschaft bald auch in den Resultaten widerspiegeln wird: «Wir haben bisher keine klaren Niederlagen kassiert. Es ist viel eher die Ladehemmung, die uns zu schaffen macht. 15 Treffer in 10 Partien ist deutlich zu wenig für unseren Anspruch.»

Und dann kam auch öfters noch Pech dazu. Gegen Wettingen beispielsweise hatte der FC Rothrist fünf Aluminiumtreffer und musste sich am Ende mit einem 1:1 begnügen. «Solche Spiele zeigen mir, dass das Potenzial vorhanden ist. Jetzt müssen wir nur noch die Chancen nützen und das Glück auf unsere Seite zwingen.»

Für die restlichen vier Saisonpartien in der Herbstrunde ist das Ziel von Muino klar: Neun Punkte sollen her. Zur grossen Kampfansage möchte er sich jedoch nicht verleiten lassen. «Wir müssen uns zuerst aus dem Keller arbeiten, erst dann können wir aus dem Fenster ­lehnen.»

Eines ist jedoch klar: Abschreiben möchte der Trainer diese Saison noch lange nicht. «Es ist eine verrückte Spielzeit. Dass ausgerechnet wir zusammen mit Lenzburg im Tabellenkeller stecken, obwohl beide im Frühling noch Aufstiegskandidaten waren, damit hat keiner gerechnet. Aber wir können daraus auch Positives gewinnen. Die Situation zeigt uns, dass die Liga sehr ausgeglichen ist. Jeder kann jeden bezwingen.»

Entsprechend hält der Coach auch weiterhin am Saisonziel Platz zwei fest: «Ich habe alles in dieser Mannschaft, um erfolgreich arbeiten zu können. Wir müssen nun endlich beweisen, dass wir wirklich so gut sind wie auf dem Papier», erklärt ­Oscar Muino.